„Nomadland“ (2020)

Filmkritik: Der große Gewinner vieler Preisverleihungen, wie den Golden Globes und auch den 93. Oscarverleihung, war der amerikanische Spielfilm „Nomadland“ (OT: „Nomadland“, USA, 2020) von Chloé Zhao. Der bemerkenswerte Film zeigt das amerikanische Nomadenleben in heutigen Zeiten der Arbeitsimmigration, fängt damit das Gefühl immer unterwegs zu sein ein und thematisiert nebenbei viele gesellschaftsrelevante Themen.

Nachdem die Stadt Empire ihrer Existenzgrundlage beraubt wurde, standen viele Menschen ohne Alles da und vor allem ohne Perspektive – so auch Fern (Frances McDormand). Nachdem ihr Mann gestorben ist, beschließt sie eine Arbeitsnomadin zu werden. So arbeitet sie saisonweise u.a. bei Amazon. Zwischen den Arbeitsstätten zieht sie durchs Land mit ihrem kleinen Transporter, den sie zu ihrer mobilen Wohnung umfunktioniert hat. Oft trifft sie dabei auf andere NomadInnen wie Swankie (Charlene Swankie) und David (David Strathairn), die schon seit Jahren unterwegs sind, lernt die Gegenden und Menschen kennen und bleibt dabei nie lange an einem Ort.

Frances McDormand

In ihrem dritten Spielfilm erzählt die Regisseurin Chloé Zhao (*1982), welche für das Drehbuch ein Sachbuch adaptierte, von dem Leben der Arbeitsnomaden, von Amerika selbst, dessen Gesellschaft und wie sich das Materielle als Grundlage jedes Seins etabliert hat. Doch nicht so für die Menschen, die sich für ein Nomadenleben entschieden haben. Basierend auf dem gleichnamigen Sachbuch von Jessica Bruder, welches 2017 veröffentlicht wurde und vor allem von den Arbeitsnomaden berichtet, entschied Zhao sich ein semi-fiktionales Roadmovie zu erzählen. So kombiniert sie die Geschichte der trauernden Witwe, welche einen neuen Weg in ihrem Leben einschlägt, mit den Geschichten anderer Nomaden. Dabei treten auch viele Personen auf, welche sich in der Realität für diese Lebensweise entschieden habe. Diese Authentizität ist entscheidend für die Wirkung des Films. Fast schon dokumentarisch wirken die Beschäftigung mit dem Thema, die Begegnungen und die Vielschichtigkeit der Beweggründe und Motive. 

Frances McDormand

Trotz seines realistischen Hintergrunds ist der Film ein cineastisches Meisterwerk. Die Landschaften werden mit ihrer Weite, Schönheit und einer gewissen Schwermut wunderbar von dem Kameramann Joshua James Richards eingefangen. Unterstützt wird das hervorragend von dem Soundtrack, komponiert von Ludovico Einaudi (bekannt geworden durch seine Musik für „Ziemlich Beste Freunde“ (2011)), und natürlich von der Besetzung. Allen voran Frances McDormand („Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ (2017)), welche für diese Rolle ihren dritten Oscar als ‚Beste Hauptdarstellerin‘ gewann und sich wunderbar in ihre Figur reinfühlen kann. Doch besonders im Zusammenspiel mit den realen Personen und LaiendarstellerInnen entfaltet sich die ganze Kraft. Ohne viele Worte kann man Fern verstehen und warum sie sich dafür entschied diesen Weg zu gehen. Durch und durch ist der Film ein feinfühliges Portrait, ein Blick ins Landesinnere und eine wunderschöne Hommage an ein Zugvogel-Leben. Kein Wunder, dass der Film nicht nur zwei Golden Globes gewinnen konnte, sondern auch bei der Oscarverleihung mit drei Trophäen u.a. als ‚Bester Film‘ und für die ‚Beste Regie‘ (Chloé Zhao als zweite Frau in der gesamten Oscargeschichte) ausgezeichnet wurde.

Frances McDormand

Fazit: Der amerikanische Spielfilm, der von vielen Festivals mit Preisen überhäuft wurde und dessen Regisseurin Chloé Zhao die erste PoC-Frau war, die mit dem Regie-Oscar ausgezeichnet wurde, erzählt basierend auf einem Sachbuch die  semi-fiktionale Geschichte einer Arbeitsnomadin. Gleichzeitig blickt der Film mit seinen wunderschönen Aufnahmen und seiner melancholischen Stimmung in das Herz des Landes und portraitiert einfühlsam BewohnerInnen, die sich für ein Leben als Workamper entschieden haben.

Bewertung: 8,5/10

Kinostart: 1. Juli 2021 / DVD-Start: 28. Juni 2021

Trailer zum Film „Nomadland“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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