“Three Billboards Outside Ebbing, Missouri” (2017)

Poster zum Film

© Twentieth Century Fox

Filmkritik: Der Spielfilm “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri” (OT: “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”, UK/USA, 2017)  war der große Gewinner auf der diesjährigen Verleihung der Golden Globes. Von sieben Nominierungen erhielt er vier Preise. Auch bei den 90. Oscars war er einer der heißen Kandidaten und konnte dann in zwei der sieben nominierten Kategorien die begehrten Preise gewinnen. Der Film besticht mit seiner spannenden und gelungenen Mischung aus Tragik und Komödie.

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Mildred Hayes (Frances McDormand) hat es satt, eine trauernde untätige Mutter zu sein. Vor sieben Monaten wurde in der Nähe ihres Hauses ihre Tochter Angela vergewaltigt und getötet. Ihr Sohn Robbie (Lucas Hedges) und ihr Ex-Mann Charlie (John Hawkes) können ihr bei ihrer Trauer nicht helfen. Da trotz vorhandener DNA-Spuren kein Täter ausgemacht werden kann, beschließt Mildred ihren eigenen Weg zu gehen. Sie mietet von dem örtlichen Werbemenschen Red Welby (Caleb Landry Jones) drei Plakatwände (engl.: billboards) kurz vor den Grenzen der Kleinstadt Ebbing und fordert dort vom Sheriff Bill Willoughby (Woody Harrelson) Gerechtigkeit. Dieser bereits an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankte Polizeichef hat die gesamte Gemeinde und auch seinen dummen, rassistischen Officer James Dixon (Sam Rockwell) auf seiner Seite, so dass Mildred auf einmal von allen Seiten Feindseligkeit entgegenschlägt.

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Der britische Filmemacher Martin McDonagh (*1970), der sich mit dem großartigen “Brügge sehen … und sterben” (2008) und “7 Psychos” (2012) einen Namen gemacht hatte, hatte vor vielen Jahren einmal im tiefen Süden Amerikas solche anklagenden Plakatwänden gesehen. Dieses unmittelbare Gefühl von Wut, das ihm daraus entgegen schlug, blieb ihm im Gedächtnis. Genau diese Wut ohne Hoffnungsschimmer beschäftigte ihn sehr und er fragte sich, ob ein Mensch solange Radau schlagen kann, bis die Hoffnung zurückkehrt und wie es eigentlich den Hinterbliebenen bei ungeklärten Mordfällen ergeht. Mit diesen Ideen im Kopf schrieb er seine erste Geschichte für eine weiblichen Hauptrolle. Doch es sollte kein reines Drama sein. Seiner Ansicht nach muss eine Story, deren dominierende Elemente Ernsthaftigkeit und Schwere sind, mit Humor entgegenwirken. Dass das funktioniert zeigten schon viele Tragikomödien, wie “A Serious Man” (2009) und „Manchester by the Sea“ (2016). Auch bei “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri” funktioniert der Humor auf einer ganz natürlichen Ebene, ohne dass die Figuren zu Abziehbildern oder Karikaturen werden. Zudem ist der schwarze Humor für die schwierige Einordnung des Films in ein bestimmtes Genre verantwortlich. So ist er eine Rachegeschichte, ein Drama und eine Komödie zugleich, bei der man angespannt ist, wütend und fröhlich werden kann und so als Zuschauer emotional auf eine Reise mitgenommen wird.

© Twentieth Century Fox

Die Handlung findet in der fiktiven Stadt Ebbing statt. Lange Zeit suchte das Team nach dem geeigneten Ort, welche die typischen Hauptstraßenstadt Ebbing perfekt abbilden könnte. Mit der kleinen Stadt Sylva in North Carolina in den Great Smoky Mountains hatten sie ihr Ebbing gefunden. In den 33 Drehtagen verwandelten sie die Stadt in das Abbild einer typischen amerikanischen Kleinstadt. Dabei war es ihnen wichtig, dass Ebbing nicht zu modern, aber auch nicht zu kaputt sein sollte. An diesem Ort sollte noch keine Gentrifizierung und auch kein Wegzug stattgefunden haben. In diesem Sinne orientierten sie sich am Look der 70er Jahre, vor allem an Fotografien des Kunstfotografen Stephen Shor (*1947). In diesem sieht die Polizeiwache selbstverständlich betagt aus, das Anzeigenbüro stammt noch aus den 30er Jahren und der Souvenirladen, der nicht existierte, bekam einen typischen Ramschladen-Charme.  

© Twentieth Century Fox

Damit das alles in das richtige Licht gerückt wird, arbeitete McDonagh wieder mit dem Kameramann Ben Davis (*1961) zusammen. Dieser fängt die Stadt mit dem richtigen Blickwinkel ein, so kann man beispielsweise die Hauptstraße mit der Polizeiwache von Dixons Haus aussehen und die Reklametafeln von Mildreds Wohnstätte. Zudem drehte der Kameramann die überraschend brutale Szene, in welcher der Anzeigenmann Red von Dixon angegriffen wird, in einer beeindruckenden One-Shot-Szene. Zudem nutzte er für die richtige Stimmung meist die magische Stunde am Abend für die Dreharbeiten. Das wichtigste Kriterium für den gesamten Dreh war aber Authentizität. Diesem Credo passt sich nur der Look der Stadt an, sondern auch die Verwendung von fast zeitloser Kleidung und dass mit echtem Feuer gedreht wurde. Abgerundet wird das von dem großartigen Score von Carter Burwell (*1954). Die Musik entstand dabei in engster Zusammenarbeit mit dem Regisseur Martin McDonagh. Diese haben sich über die letzten Filme eine gemeinsame Arbeitsweise angeeignet, in der sie sich vor der Welt einschließen und zu zweit den Score erstellen. Die Musik verbindet klassische Americana-Klänge mit Spaghetti-Western. So hört man als Grundstimmung noch den Komponisten Sergio Leone (1929-1989, bekannt für “Spiel mir das Lied vom Tod” (1968)) durch, welche aber dominiert und belebt wird von klassischer Folkmusik mit Akustikgitarre.

© Getty Images

Bei den 90. Oscars waren gleich drei Schauspieler aus dem Film für die begehrten Trophäen nominiert. Neben der wirklich guten Inszenierung lebt der Film von seinem hervorragenden Cast. Bis in die kleinsten Nebenrollen hat Martin McDonagh ein Ensemble zusammengestellt, das es schaffte die schwierige Balance von Komödie und Drama spielerisch leicht zu bewältigen. Darunter der Sohn-Darsteller Lucas Hedges, der bereits in “Manchester by the Sea” (2015) eine ähnlich schwierige und ambivalente Rolle gespielt hat. Der souveräne Woody Harrelson (bekannt aus “Natural Born Killers” (1994) und “True Detective” (2014)) und der vielseitige Sam Rockwell (wunderbar in “Moon” (2009)) spielen die beiden offensichtlichen Antagonisten von Mildred Hayes. Doch Dixon, Rockwells Rolle, der dafür auch einen Oscar bekam, wird nie zu einer Karikatur, obwohl McDonagh die Rolle übertrieben ausgearbeitet hat. Interessant ist, was die Figur beim Zuschauer auslöst. Er kreierte einen unsympathischen, rassistischen Menschen, der aber nicht nur gehasst oder ausgelacht wird, sondern am Ende auch Mitgefühl vom Publikum bekommt. Diese befremdliche Mischung verdankt man dem klugen Drehbuch und der sehr guten Darstellung von Sam Rockwell. Der zweite Oscar ging an Frances McDormand (*1957, bekannt aus “Fargo – Blutiger Schnee” (1996) und “Moonrise Kingdom” (2012)). Die Rolle der Mildred Hayes wurde ihr auf den Leib geschrieben und sie hat auch dazu beigetragen sie weiter auszuformen. Wie ein weiblicher John Wayne stapft sie mit ihrem Arbeitskittel und wenn es richtig hart wird mit ihrem Bandana durch Ebbing. Dabei ist sie per se nicht ein vernünftiger Mensch, sondern wütend und dickköpfig. Trotzdem bleibt sie der Sympathieträger im Film, auch wenn ihr Humor oft gegen die Falschen schießt wie beispielsweise gegen den kleinwüchsigen Verehrer, der wunderbar einfühlsam von Peter Dinklage (“Game of Thrones” (2011-2017) und “Taxi” (2015)) verkörpert wird. Im Gesamten ist “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri” eine Glanzleistung in vielerlei Hinsicht: ein kluges Drehbuch, wunderbare Schauspieler und ein perfektes Setting machen den Film zu einer absoluten Empfehlung.

© Twentieth Century Fox

Fazit: Der zweifache Oscarpreisträger “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri” des Regisseurs Martin McDonagh ist ein spannender und emotional ergreifender Film, der wenig explizite Handlungen oder irgendeine Art von Sentimentalität benötigt, um die Zuschauer zu packen. Mit seiner klugen Geschichte, den hervorragenden Darsteller und einem rundum gelungenen Setting überzeugt der Spielfilm auf allen Längen und spielt in der gleichen Liga wie der großartige “Manchester by the Sea”.  

Bewertung: 8,5/10

Kinostart: 25. Januar 2018, DVD-Start: 30. Juni 2018

Der Trailer zum Film “Three Billboards outside Ebbing, Missouri”:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Ein Gedanke zu ““Three Billboards Outside Ebbing, Missouri” (2017)

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