Sechs Fragen an Elisabeth Kratzer

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© Frankenpost_Frank Wunderatsch

Interview: Im Gespräch mit der Regisseurin Elisabeth Kratzer („Hundert Jahre Leben“ (2017)) konnten wir mehr über ihre Kurz-Doku „Angelique“, die auf den 56. Hofer Filmtagen 2022 seine Premiere feierte und dort den Jury-Kurzfilmpreis der Stadt Hof gewann, wie sie Angelique kennengelernt hat und was ihr bei der Umsetzung wichtig war.

Wie hast Du Angelique kennengelernt und wie schnell war Dir klar, dass Du sie porträtieren willst?

Angelique und ich kommen aus derselben Stadt, wir sind beide in Moosburg an der Isar geboren und ihre unglaubliche Geschichte ist stadtbekannt. Vom Hörensagen wusste ich schon das eine oder andere, aber ich wollte ihre ganze Geschichte erfahren und rief sie 2019 kurzerhand an, um zu fragen, ob sie Interesse daran hätte, einen Dokumentarfilm zu drehen. Nach einem ersten Kennenlernen ließ ihr „Ja” nicht lange auf sich warten.  

Die Stimmung des Films ist so beschwingt, wie Angelique selbst. Was war Dir bei der Realisierung wichtig?

Wir waren ein sehr kleines Drehteam, das aus dem Kameramann Pius Neumaier und mir bestand. Dadurch war die Stimmung gleich sehr familiär und es ließ sich schnell eine Vertrauensbasis aufbauen, die den Film sehr ehrlich macht. Von Anfang an war klar, dass der Film ein Kurzfilm werden sollte, also nicht länger als 30 Minuten dauern sollte – bei Angeliques Lebensgeschichte war das eine echte Herausforderung. 

In welchem Rahmen und über welchen Zeitraum hast Du den Film realisiert?

Angelique“ ist mein Abschlussfilm an der Hochschule für Fernsehen und Film in München. Wir haben den Film binnen sechs Drehtagen realisiert. An zwei Tagen haben wir das Interview geführt und vier Tage waren wir in und um Moosburg unterwegs, wobei wir die meiste Zeit bei Angelique zuhause, im Haus und im Garten gedreht haben. 

Was lag Dir visuell am Herzen?

Konträr zu Angeliques aufregenden und rastlosen Leben, findet der Film eine sehr ruhige Erzählweise. Das liegt aber auch daran, dass Angelique selbst zu Ruhe gekommen ist. Sie ist mit sich selbst und ihrem Leben im Einklang und das transportiert auch der Film. Auch haben wir viel mit Blickachsen und Spiegelungen gearbeitet. Besonders bei den Interviewpassagen haben wir viel ausprobiert, vom dreiteiligen Badspiegel bis zur Unendlichkeitsspiegelung. Zum einen sollen dadurch Angeliques Lebensabschnitte visuell abgesetzt werden, zum anderen bringen die Spiegel den Blick auf sich selbst, aber auch den Blick der Gesellschaft zum Ausdruck. Wie sehe ich mich, wie sehen mich die anderen? Und natürlich ist der Spiegel auch das Symbol des Berufes, der Angelique und ihr Leben sehr geprägt hat, sie ist Friseurmeisterin.

Wie fand Angelique den Film selbst?

Angelique ist eine Person, die gerne im Rampenlicht steht. Sie hat im Laufe ihrer Berufslaufbahn unzählige Modenschauen in Moosburg und München organisiert und hatte bereits einige Fernsehauftritte in jüngeren Jahren. Jetzt, im Alter von 73 Jahren, blickt sie nochmal ganz anders auf ihr Leben zurück, darum wollte sie den Film auch gerne machen und vom Resultat ist sie begeistert.

Sind bereits weitere Projekte in Planung?

Was die Premiere auf den Internationalen Hofer Filmtagen auf alle Fälle bestätigt hat, ist der Wunsch, weiter Geschichten zu erzählen, von Menschen, die einen auf ganz besondere Weise inspirieren. Zwar ist die Studienzeit an der HFF vorbei, aber die Motivation Filme zu machen ist ungetrübt. Mal sehen, wohin die Reise geht und welche Projekte im neuen Jahr warten.

Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Angelique

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