Zehn Fragen an Avelina Prat

Doreen Kaltenecker
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Interview: Im Gespräch mit der spanischen Regisseurin und Drehbuchschreiberin Avelina Prat konnten wir mehr über ihr Spielfilm-Debüt „Vasil“, der im Spectrum-Programm des 33. Filmfestival Cottbus 2023 lief, erfahren, wie die Geschichte sich auf wahre Begebenheiten stützt, wie sich (auch durch Corona) die Umsetzung verzögert hat und wie wichtig es ist talentierte Schauspieler:innen zu finden.

The original english language interview is also available.

Wie ist die Idee zu der Geschichte entstanden? Beruht sie auf wahren Begebenheiten?

Es basiert auf einer Begebenheit, die meinem Vater vor etwa zehn Jahren passiert ist. Er rief mich eines Tages an, um mir zu sagen, dass er es nicht zum Mittagessen schaffen würde, weil er einen Bulgaren zu Hause hat! Dieser Mann schlief auf der Straße, aber er konnte hervorragend Schach und Bridge spielen. Er sollte eigentlich nur ein paar Tage bei meinem Vater bleiben, aber daraus wurden dann ein paar Monate.

Welche Botschaft lag Dir mit dem Film am Herzen?

Ich wollte über die Distanz sprechen, die wir zu anderen wahren, nicht nur, wenn sie anders sind (wie ein Einwanderer), sondern auch zu nahen Menschen wie Freunden oder der Familie. Wie schwer es ist, eine echte Verbindung zu einer anderen Person herzustellen.

Wie lange hat es von der Idee zur Fertigstellung des Films gedauert? Der Film ist auch noch vor Corona entstanden, richtig? Warum kam er erst jetzt in Cottbus auf dem Festival an?

Die ersten Zeilen des Drehbuchs wurden 2016 geschrieben, wir entwickelten das Projekt ein paar Jahre lang (2017-2018), finanzierten es in einem Jahr (2019) und waren bereit, 2020 zu drehen, aber wir mussten es wegen Corona verschieben. Wir haben den Film 2021 während einer weiteren Corona-Welle gedreht. Schließlich wurde er im Oktober 2022 auf dem Internationalen Filmfestival in Warschau uraufgeführt und gleich danach in Spanien veröffentlicht. Seitdem reist der Film durch viele Orte und kam so 2023 nach Cottbus.

Was lag Dir visuell am Herzen?

Die Kohärenz mit der Geschichte. Die Verwendung einer kinematographischen Sprache, die dazu beiträgt, den richtigen Ton und die richtige Atmosphäre zu schaffen.

Der Film lebt natürlich auch von seinem großartigen Ensemble – war es schwer, die richtigen Schauspieler dafür zu finden?

Wir hatten unglaubliches Glück mit der Besetzung. Für mich ist das Casting wichtiger als die Regie bei den Schauspielern. Wenn man die Schauspieler gut auswählt und sie die Figur verstehen, machen sie die Arbeit von selbst. Wir dachten an sehr gute Schauspieler, ohne zu wissen, ob sie sich auf einen Debütfilm einlassen würden, aber sie alle liebten das Drehbuch und sagten zu!

Weißt Du schon wann und wo man Deinen Film in Deutschland noch einmal sehen kann?

Es ist noch nichts geplant. Es wäre toll, einen Vertrieb in Deutschland zu finden. Ich denke, dieser Film würde dort gut ankommen.

Kannst Du mir noch ein bisschen mehr erzählen und wie Du von der Architektur zum Film gekommen bist?

Ich habe zehn Jahre lang als Architektin gearbeitet, und eines Tages habe ich einen Workshop zum Thema Kino besucht und fand es toll! Ich begann, als Script Supervisor (Continuity) zu arbeiten und meine eigenen Kurzfilme zu schreiben. Es ist erstaunlich, wie ähnlich sich Architektur und Kino sind, wenn man sich den Prozess vor Augen führt. Man fängt alleine an, ein Treatment für eine Geschichte zu schreiben oder Skizzen für ein Gebäude zu zeichnen, und dann hat man dieses große Team von Leuten, die man koordinieren muss, damit man am Ende einen Film oder ein Gebäude hat.

Du hast vor diesem Film schon einige Dokumentationen gedreht, wie war es, zum Spielfilm zu wechseln?

Ich hatte auch schon bei Kurzspielfilmen Regie geführt, also war es sehr einfach, sehr natürlich. Ich brauchte nur eine gute Geschichte.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Ja! Wir bereiten gerade den zweiten Spielfilm mit demselben Produzenten vor. Er heißt „Das portugiesische Haus“. Wir beginnen im Februar mit den Dreharbeiten, ein Teil in Spanien und ein Teil in Portugal.

Eine Frage zum Schluss: Spielst Du selbst gerne Schach?

Hahaha!! Leider nicht. Mein Vater hat es mir beigebracht, als ich ein Kind war, aber ich habe nie ernsthaft gespielt.

Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Vasil


Interview: In our conversation with Spanish director and screenwriter Avelina Prat, we learned more about her feature film debut „Vasil„, which was screened in the Spectrum program of the 33rd Cottbus Film Festival 2023, how the story is based on true events, how the realization was delayed (also due to Corona) and how important it is to find talented actors.

How did the idea for the story come about? Is it based on true events?

It is based on something that happened to my father about ten years ago. He actually phoned me one day to say that he couldn’t make it for lunch because he has a Bulgarian at home! This man was sleeping on the streets, but he was amazing at playing chess and bridge. He was supposed to stay at my father’s for a couple of days but they turned into a couple of months.

What message was close to your heart with the movie?

I wanted to speak about the distance we keep from others, not only when they are different (like an immigrant) but also with close people like friends or family. How hard it is to have a real connection with another person.

How long did it take from the idea to the completion of the movie? The movie was made before Corona, right? Why did it only arrive at the festival in Cottbus now?

The first lines of the script were written in 2016, we developed the project for a couple of years (2017-2018), financed it in one year (2019) and were ready to shoot in 2020, but we had to postpone due to Corona. We shot the film in 2021 during another wave of Corona. Finally it was premiered at Warsaw International Film Festival in October 2022 and released in Spain right after that. It has been traveling ever since to many places, getting to Cottbus in 2023.

What was important to you visually?

To be consistent with the story. To use a cinematographic language that helped create the appropriate tone and atmosphere.

Of course, the film also lives from its great ensemble – was it difficult to find the right actors for it?

We were incredibly lucky with the casting. For me, casting is more important than directing actors. If you choose actors well and they understand the character, they’ll do the work by themselves. We thought about very good actors, not knowing if they would go for a debut film, but they all loved the script and said yes!

Do you already know when and where your film can be seen again in Germany?

There is nothing planned yet. It would be great to find distribution in Germany. I think this film would be appreciated in your country.

Can you tell me a bit more and how you got from architecture to film?

I worked as an architect for ten years and one day I did a workshop in cinema and loved it! I started working as a script supervisor (continuity) and writing my own shorts. It is amazing how similar architecture and cinema are, when we think about the process. You start on your own writing a treatment for a story or drawing sketches for a building and then you have this big team of people to coordinate so at the end you can have a film or a building.

You had already made a few documentaries before this film, what was it like switching to feature films?

I had directed fiction short films as well, so it was very easy, very natural. I just needed a good story.

Are there any new projects planned?

Yes! We are preparing the second feature along with the same producer. It is called „The Portuguese House“. We start shooting in February, one part in Spain and one part in Portugal.

Do you like to play chess yourself?

Hahaha!! Unfortunately not. My father taught me when I was a kid, but I never played seriously.

Questions asked by Doreen Kaltenecker

Read on the german review of the short film „Vasil

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