33. FilmFestival Cottbus 2023

Doreen Kaltenecker
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7.-12. November 2023 / Stadthalle, Staatstheater, Weltspiegel, Kammerbühne, Glad-House, Obenkino, Planetarium

Festivalbericht: Das FilmFestival Cottbus 2023, das alljährlich das osteuropäische Kino feiert, präsentiert in seiner 33. Ausgabe 150 Filme aus 40 Ländern. Dabei waren die Filme so vielseitig wie ihre Ursprungsländer, deren Geschichte, Kultur und Gesellschaft, die sie den  Zuschauer:innen auf diese Weise immer ein Stück näher gebracht haben. Vor allem gab es auch in diesem Jahr wieder Langspielfilme zu sehen, aber auch Kurzfilme, der neue „Polizeiruf 110“ sowie die finnische Serie „Alle Sünden“ und Dokumentarfilme waren Bestandteil des Festivals.

Wettbewerb

Team des Films „Bei uns heißt sie Hanka“

Cottbus trumpft schon immer mit einer Vielzahl an Programmen und Sonderreihen auf. Es gibt die Reihe ‚Hits‘, die Kassenschlager aus anderen Ländern präsentiert. Eine Reihe in diesem Jahr beschäftigt sich mit dem weiblichen Blick im polnischen Film (u.a. mit der Doku „Vika!“). Ein anderes Programm setzte seinen Fokus auf die Ukraine. Die Sonderreihe ‚Was von Geschichte übrig bleibt‘ zeigte auch ältere Filme, wie „Good Bye Lenin“. Doch wenn es um Auszeichnungen geht, ist der Wettbewerb natürlich das A und O. Aus jeweils 12 Lang- und Kurzfilmen aus 40 Ländern wurden sechs Gewinner gewählt. Neben den Preisträgern stachen aber noch weitere Filme aus dem Wettbewerbsprogramm heraus. Besonders gelungen war der finnische Spielfilm „Light Light Light“ von Inari Niemi, der eine queere Coming-of-Age-Geschichte mit viel Gefühl und einem fantastischen Zeitkolorit erzählt. Die beiden Filme „M“ von Vardan Tozija und „It came from the water“ von Xawery Zulawski verwenden Zombies, um gesellschaftliche Themen anzuprangern. Während der mazedonische Film „M“ eine ernsthafte, post-pandemische Dystopie erzählt, nimmt sich der polnische Spielfilm nicht allzu ernst und wendet das Mittel der humoristischen Übertreibung an. Das Künstlerin-Portrait „Imago“, ebenfalls aus Polen, ist die Geschichte einer rebellierenden jungen Frau und zeigt uns das Land mal von einer ganz anderen Seite. 

Obenkino

Gewinner des Wettbewerbs

  • Hauptpreis für den besten Film: „Forever-Forever
  • Spezialpreis für die beste Regie: „Patient #1“ 
  • Preis für eine herausragende darstellerische Einzelleistung: Eka Chavleishvili in „Blackbird Blackbird Blackberry
  • Publikumspreis: „Clara“ 
  • Hauptpreis des Wettbewerb Kurzfilm: „It’s all right“ 
  • Spezialpreis für die beste Regie Kurzfilm: „The Ghosts you draw on my back“ 

Wettbewerb U18, Eco East und Close Up: Kazakhstan

Das FFC in Cottbus

Auch in diesem Jahr gab es den U18 Wettbewerb, der wie immer eine gelungene Auswahl für junge Menschen präsentiert. Der Film „DYAD“ aus Bulgarien gewann den Wettbewerb. Der Spielfilm „Excursion“ von Una Gunjak aus Bosnien-Herzegowina fiel mit seinem gelungener Coming-of-Age-Geschichte auf. Es zeigt eine junge Frau, die an der Schwelle zum Erwachsenwerden steht und sich wünscht, dass Gerüchte nicht nur Gerüchte sind und so diese befeuert. 

In der ‚Eco East‘-Reihe, die es seit letztem Jahr gibt, blickt das Festival ausschließlich mit Dokumentationen auf die Welt. In dem serbischen Film „Bottlemen“ begleitet das Publikum eine Gruppe von Flaschensammlern auf der größten Müllkippe des Landes. Der kasachische Film „Voice of the Glacier“ findet einen ruhigen Ansatz, um sich mit dem lebensnotwendigen Gletscher im Hochgebirge Tian Shan zu beschäftigen. 

Ein ganzer Block mit insgesamt zwölf Filmen beschäftigte sich zusätzlich noch mit dem Land Kasachstan und lieferte einen umfangreichen Blick. Sei es mit dem Historiendrama „Qas“, was sehr stylish gefilmt wurde, oder den nach wahren Begebenheiten erzählten Musiker-Biopic „Dos-Mukasan„, welches das Publikum mit Schwung und guter Laune abholte.

Spectrum und das sorbische Kino

Stadthalle Cottbus

Die ‚Spectrum‘-Reihe, die von Beginn an immer Filme vieler verschiedener Genre vereinte, u.a. Horror- und Science-Fiction-Filme aber auch Komödien und Dramen, hatte mit 19 Filmen wieder ein volles Programm. Darunter war der Künstliche-Intelligenz-Film „Child Machine“ mit einem zwar albernen, aber konsequenten Ende und das sehr langsam inszenierte Pandemie-Drama „MMXX“ aus Rumänien. Zwei Filme stachen besonders aus dem Spectrum-Programm heraus. Zum einen der spanische Spielfilm „Vasil“ von Avelina Prat. Darin erzählt die Regisseurin von einer unverhofften Freundschaft und das auf so charmante Art, dass man schnell alle Personen ins Herz schließt. „Between Revolutions“ stammt aus Bulgarien und erzählt von der Freundschaft zweier Frauen, die nach dem Studium die Umbrüche in Iran und Rumänien erleben. Der Regisseur Vlad Petri verwendet dabei ausschließlich Archivmaterial (darunter vieles aus Privatsammlungen) und wirkt trotz des fiktiven Wortwechsels absolut dokumentarisch. 

Vor der Stadthalle Cottbus

Einer der größten Publikumserfolge des Festivals war der sorbische Film „Bei uns heißt sie Hanka / Pla nas gronje jej Hanka / Pola nas rěka wona Hanka“ von Grit Lemke. Sie erzählt von den Sorben, ihren Sitten und ihrer Sprache und schuf eine Liebeserklärung an die Sorben – das kleinste slawische Volk – , die vor allem in der Lausitz zu finden sind. Mit ihrem Film holte sie nicht nur eine große Fangemeinde ab, sondern auch alle unwissenden Zuschauer:innen, so dass man sich freuen kann, dass der Film nicht nur auf Festivals zu sehen ist, sondern im April 2024 auch in den Kinos starten wird.

Fazit: Das Programm des 33. FilmFestival Cottbus 2023 umfasste 150 Filme aus 40 Ländern und bot, wie man es von diesem gewohnt ist, eine enorme Bandbreite an Themen, Erzählweisen und Genre, so dass für Jung und Alt und für jeden Geschmack etwas dabei war. Dabei konnte man viele Länder neu oder mit einem erweiterten Blick kennenlernen, von denen man immer noch eher selten Filme in den deutschen Kinos findet. 

Trailer des 33. FilmFestival Cottbus 2023:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

Liste der Filme:

  • „Bei uns heißt sie Hanka / Pla nas gronje jej Hanka / Pola nas rěka wona Hanka“ (Deutschland, 2023, Regie: Grit Lemke)
  • „Between Revolutions“ (OT: „Între Revolutii“, Rümänien/Kroatien/Iran, 2023, Regie: Vlad Petri) 
  • „Blackbird Blackbird Blackberry“ (OT: „Blackbird Blackbird Blackberry“, Georgien/Schweiz, 2023, Regie: Elene Naveriani)
  • „Bottlemen“ (OT: „Bottlemen“, Ukraine/Serbien, 2023, Regie: Nemanja Vojinović)
  • „Child Machine“ (OT: „Lapsmasin“, Estland, 2023, Regie: Rain Rannu)
  • „Clara“ (OT: „Clara“, Rumänien/Deutschland, 2023, Regie: Sabin Dorohoi)
  • „Dos-Mukasan“ (OT: „Dos-Mukasan“, Kasachstan, 2023, Regie: Aidan Sakhaman)
  • „DYAD“ (OT: „Diada“, Bulgarien, 2023, Regie: Yana Titova)
  • „Excursion“ (OT: „Ekskurzija“, Bosnien-Herzegowina/Kroatien/Serbien/Frankreich/Norwegen/Katar, 2023, Regie: Una Gunjak)
  • „Forever-Forever“ (OT: „Nazavzhdy-Nazavzhdy“, Ukraine/Niederlande, 2023, Regie: Anna Buryachkova)
  • „Good Bye, Lenin“ (OT: „Good Bye, Lenin“, Deutschland, 2003, Regie: Wolfgang Becker)
  • „Imago“ (OT: „Imago“, Polen/Niederlande/Tschechien, 2023, Regie: Olga Chajdas)
  • „It came from the water“ (OT: „Apokawixa“, Polen, 2023, Regie: Xawery Zulawski)
  • „It’s all right“ (OT: „It’s all right“, Belarus, 2023, Regie: Anton Zhuk)
  • „Light Light Light“ (OT: „Valoa Valoa Valoa“, Finnland, 2023, Regie: Inari Niemi)
  • „MMXX“ (OT: „MMXX“, Rumänien/Frankreich, 2023, Regie: Christi Puiu)
  • „M“ (OT: „M“, Nordmazedonien/Kroatien/Kosovo/Frankreich/Luxemburg, 2023, Regie: Vardan Tozija)
  • „Patient #1“ (OT: „Patient #1“, Deutschland, 2023, Regie: Rezo Gigineishvili) 
  • „Qas“ (OT: „Qash“, Kasachstan, 2022, Regie: Aisultan Seit)
  • „The Ghosts you draw on my back“ (OT: „Duhovi na Mojim Leđima“, Serbien/Estland, 2023, Regie: Nikola Stojanović)
  • „Vasil“ (OT: „Vasil“, Estland/Bulgarien, 2022, Regie: Avelina Prat)
  • „Vika!“ (OT: „Vika!“, Polen/Deutschland/Finnland, 2023, Regie: Agnieszka Zwiefka)
  • „Voice of the Glacier“ (OT: „Muzdıqtıñ Dawısı“, Kasachstan, 2022, Regie: Yadykar Ibraimov)

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