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Filmkritik: Die Langzeit-Dokumentation „Der Wunsch“ (Deutschland, 2024) von Judith Beuth, der auf dem 45. Filmfestival Max Ophüls Preis 2024 seine Weltpremiere feierte und den Publikumspreis Dokumentarfilm gewinnen konnte, kommt nun in die Kinos und erzählt von einem Paar, das vieles auf sich nimmt, um sich ihren Wunsch zu erfüllen.
Christiane und Maria, die seit einem Unfall im Rollstuhl sitzen muss, haben sich vor vielen Jahren kennen und lieben gelernt. Als sie beschließen, ein gemeinsames Kind zu bekommen, was Christiane austragen will, wissen sie noch nicht, dass ihnen eine zehn Jahre lange Reise bevorsteht. Denn die Hürden sind in Deutschland für gleichgeschlechtliche Paare groß und auch die Zeit spielt gegen sie. So fahren sie immer wieder in Nachbarländer, um sich dort ihren Wunsch zu erfüllen und erleben so eine lange Zeit zwischen Hoffnung und Enttäuschungen.

Die 102-minütige Dokumentation stammt aus der Hand der Regisseurin Judith Beuth, die seit Kindheitstagen mit Maria befreundet ist. Als Maria und Christiane ein Paar wurden, empfand sie bereits ihre Liebesgeschichte kinotauglich und als der Wunsch nach einem Kind aufkam, beschloss sie, dies dokumentarisch festzuhalten. Zu diesem Zeitpunkt konnte keine der drei ahnen, wie lange es dauern würde. Viele Jahre produzierte Beuth Material allein und ohne Förderung und hatte am Ende der zehn Jahre über 140 Stunden Material zusammen. Zusammen mit der Cutterin Jana Dugnus entstand ein Film, der das Publikum auf eine emotionale Reise mitnimmt. Wir erleben hautnah die Liebe und das Umeinander-Kümmern der beiden. Wir spüren ihre Hoffnungen, Wünsche und das immer neue Kraft-Schöpfen. Mit ihnen fühlt man aber auch die Enttäuschungen, das Aufgeben-Wollen und die Erschöpfung. Durch die Freundschaft mit der Regisseurin, die sich auch selbst als Off-Kommentar einbringt, entsteht eine Nähe, die man so selten bei Dokumentationen hat. Gleichzeitig gibt sie ihren Protagonistinnen auch Raum, lässt sie auch allein und die nicht sichtbaren Momente werden trotzdem greifbar für das Publikum, ob als Off-Kommentar und Animationen eingebaut.

Der Film macht die Hürden des Kinderwunsches für ein gleichgeschlechtliches Paar in Deutschland deutlich, lässt einen auch fassungslos zurück und zeigt, wie schwer es ist, wenn man sich einmal entschieden hat, diesen Weg zu gehen, dann irgendwann wieder davon abzulassen. Aber das wesentliche Element des Films ist die Liebe der beiden. Judith Beuth fängt in ihren Bildern ein, wie wichtig es ist, aufeinander bauen zu können, Stärke zu zeigen, wenn es der andere nicht kann und immer wieder darauf besinnen, dass man sich hat und liebt. Der Film beobachtet dabei vor allem, liefert hier und da ein paar Fotos von früher, kommentiert als Voice-Over kurze Passagen und fängt Unterhaltungen mit den Frauen und das zärtliche und auch humorvolle Miteinander der beiden ein. Einige Szenen werden auch als Animationen, die von Maria selbst stammen, gezeigt und schenken dem Film nochmal eine andere Erzählweise und können damit auch schwere Situationen auflockern. Im Gesamten ist der Film eine emotionale Reise, eine Geschichte über Liebe und über Wünsche, die vielleicht nie in Erfüllung gehen, der nur zu Recht mit dem Publikumspreis auf dem 45. Filmfestival Max Ophüls Preis 2024 ausgezeichnet wurde.
Fazit: „Der Wunsch“ ist eine einfühlsame Dokumentation, welche über zehn Jahre hinweg ein Paar dabei begleitet, sich ihren sehnlichsten Wunsch zu erfüllen. Die Regisseurin Judith Beuth, die freundschaftlich mit den beiden verbunden ist, schuf eine berührende Dokumentation, in der sie viel beobachtet, den beiden Raum gibt und auch sich selbst als Voice-Over einbringt. Am Ende des Films ist man als Publikum erschöpft, aber berührt von der Liebe, die man die ganze Zeit spüren durfte.
Bewertung: 8/10
Kinostart: 14. März 2024
Trailer zum Film „Der Wunsch“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 45. Filmfestival Max Ophüls Preis 2024 – Katalog (Programm ‚Wettbewerb Dokumentarfilm‘)
- Doreen Kaltenecker, ‚Sieben Fragen an Judith Beuth‘, testkammer.com, 2024
- Simin Sadeghi, ‚SR.de: Der Wunsch‘, sr.de, 2024
- Newsdesk Staff, ‚Publikumspreis für «Der Wunsch» in Saarbrücken‘, mannschaft.com, 2024
- Queer.de, ‚Wenn ein großer Wunsch droht, zur Bürde zu werden – Video des Tages 26.01.2024‘, queer.de, 2024
- Anke Sterneborg, ‚Kritik zu Der Wunsch‘, epd-film.de, 2024

