„Donnerstag“ (2024)

Doreen Kaltenecker
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Kurzfilm / Deutschland / Fiktion / 2024

Jörg Witte und Anke Retzlaff

Filmkritik: Der Kurzfilm „Donnerstag“ von Maja Bresink, der auf dem 45. Filmfestival Max Ophüls Preis 2024 seine Premiere feierte, ist eine Geschichte von Vater und Tochter, die sich lieben, aber die Distanz zueinander nicht überwinden können.


Nach ihrem Auftritt in einer Stand-up-Comedy-Show wird Susa (Anke Retzlaff) von ihrem Vater Holger (Jörg Witte) überrascht, der zum ersten Mal zu einem ihrer Auftritte kam. Danach streifen sie noch durch das nächtliche Ludwigsburg und haben sich leider wenig zu sagen.

Anke Retzlaff

Meistens schleicht sich das Gefühl langsam ein. Mit den Jahren entfernt man sich zwar nicht emotional, aber mit seiner Lebensrealität von seinen Eltern. Diese Entfremdung, dieses Nah aber gleichzeitig Fern, macht die Regisseurin Maja Bresink („Heimweh“ (2022)) spürbar. In den 16 Filmminuten treffen Vater und Tochter aufeinander und versuchen, Kontakt zu knüpfen. Der Weg über frühere Anekdoten und gemeinsame Erlebnisse gerät dabei ins Stocken, da man wenig von dem aktuellen Leben des jeweils anderen weiß. Mit dem nächtlichen Ludwigsburg als Hintergrund und einer Kamera, die stets beide im Blick hat, erzählt die Regisseurin Bresink mit authentischen Bildern von der Begegnung, bringt auch das zu bemühte Miteinander gut rüber und zeigt das Auseinanderleben von Familienmitgliedern auf, das einigen Zuschauer:innen bestimmt auf die eine oder andere Weise bekannt vorkommt. Dazu hat sie zwei hervorragende Schauspieler:innen gefunden, denen man es sofort abkauft, dass beide eine lange Geschichte miteinander verbindet. So kann man gespannt sein, welche Geschichte Maja Bresink, die schon viele Jahre mit Christian Schwochow, u.a. für „Je Suis Karl“ (2021) arbeitet, als nächstes erzählen wird.

Anke Retzlaff

Fazit: „Donnerstag“ ist ein Kurzfilm der Regisseurin Maja Bresink, die mit einer authentischen Inszenierung, Feingefühl und zwei sehr gut ausgewählten Darsteller:innen von familiärer Entfremdung und dem Zwischenmenschlichen erzählt und damit den Nagel auf den Kopf trifft.

Bewertung: 7,5/10
geschrieben von Doreen Kaltenecker
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