„Kruste“ (2024)

Doreen Kaltenecker
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Kurzfilm / Deutschland / Fiktion / 2024

Filmkritik: Der Regisseur Jens Kevin Georg erzählt in „Kruste“, der im Programm des 24. Landshuter Kurzfilmfestivals 2024 lief und auch eine lobende Erwähnung erhielt, von der Kindheit und den Herausforderungen des Erwachsenwerdens und fügt auch aktuelle Themen stimmig zu seiner Coming-of-Age-Geschichte hinzu.

Der 12-jährige Fabi (Philip Kapell) und seine kleine Schwester Bea (Luise Landau) besuchen zusammen mit ihrem Vater (Sven Hönig) den Großvater (Heinz Wanitschek) auf dem Land. Der Stolz aller Familienmitglieder sind die Narben, die sie sich seit Kindheitstagen zuziehen. Sie sind überzeugt davon, dass jeder in der Familie viele Narben braucht, um ein richtiger Mann zu sein. Von Fabi wird erwartet, dass er sich in diesem Sommer endlich seine erste Narbe holt und der Opa hat dafür etwas vorbereitet.

Nach einem eigenen Drehbuch schuf Jens Kevin Georg, der Regie an der Filmuniversität Babelsberg studiert hat, seinen Abschlussfilm. Er erzählt darin von den Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens, des (auch mal falschen) familiären Drucks und wie es ist, wenn man eigentlich ganz anders als der restliche Schlag der Familie ist. So werden auch Themen wie toxische Männlichkeit, Sich-Beweisen-Müssen, familiäre Bande und kindliche Entwicklung angesprochen. Doch Georg wählt einen Weg, der nie bemüht oder anstrengend ist.

Philip Kapell, Luise Landau, Sven Hönig und Heinz Wanitschek

Er erzählt seine Geschichte mit viel Humor, die trotz viel Realitätsnähe nicht autobiographisch ist. Auch schafft er es, mit dem stimmig eingefangenen Sommergefühl, das man als Kind empfand, wenn man bei Verwandten auf dem Land die Sommerferien verbrachte, beim Publikum Erinnerungen zu wecken. Dafür findet er auch eine wunderschöne Bildsprache und überrascht mit Einfällen und Settings. Hinzu kommt der tolle Cast – allen voran Philip Kapell als Fabi. Sein Gesicht spiegelt einfach alle Empfindungen, alle Hürden und auch später Stolz und Freude mit so viel Natürlichkeit und Offenheit wider, dass man ihn einfach gern haben muss. So entstand ein charmanter, gutherziger Film, der gleichermaßen unterhält, wie er relevante Themen anspricht.

Fazit: „Kruste“ ist ein Kurzfilm von Jens Kevin Georg, der es schafft, mit einem humorvollen Drehbuch eine gelungene Geschichte über das Erwachsenwerden zu erzählen. Toll inszeniert und umgesetzt, besticht er auch mit seiner großartigen Besetzung. So darf man gespannt sein, welche Projekte Georg als nächstes realisieren wird.

Bewertung: 8,5/10

Den Kurzfilm „Kruste“ gibt es bis 2030 online in der 3sat-Mediathek:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

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