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Interview: Im Gespräch mit dem amerikanischen Regisseur und Drehbuchschreiber Oscar Boyson konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Power Signal“ erfahren, der im ‚Shock Block‘-Programm des 24. Landshuter Kurzfilmfestival 2024 zu sehen war, wie er die Geschichte in der Pandemie entwickelt und realisiert hat, wie ein Genre-Mix auch für eine gelungene Spannung sorgt und ob es einen Langfilm dieses Kurzfilms gegeben wird.
The original english language interview is also available.
Wie ist die Idee zu „Power Signal“ entstanden?
Diese Idee wurde während der Pandemie geboren, als sich New York City dunkler und leerer anfühlte, als ich es in meinen 17 Jahren hier je gesehen hatte. Aber das war auch der Moment, in dem die Liefer-Apps und E-Bikes so richtig durchstarteten. Und plötzlich gab es in New York 65.000 Arbeiter, die all die Menschen, die im Haus blieben, mit Essen versorgten. Die Tatsache, dass man meilenweit sehen konnte, ohne ein anderes menschliches Wesen zu sehen, ließ die Stadt für mich wie einen Western erscheinen, und wenn es ein Western war, dann waren die Zusteller auf ihren E-Bikes die Cowboys.
Ich als Zuschauerin wusste lange nicht, worauf es hinausläuft. Dir gelingt eine ungewöhnliche Genre-Mischung. Was lag Dir inszenatorisch und für den Spannungsaufbau am Herzen?
Ursprünglich hatte ich ein viel längeres Drehbuch, das die Dinge auf eine erzählerisch befriedigendere Art und Weise zu Ende brachte, wie wir es als Zuschauer gewohnt sind. Aber als ich es aus Budget- und Zeitgründen kürzen musste, sagte ich mir einfach, dass dies ein Kurzfilm ist und es in Ordnung ist, das Publikum mit einem Gefühl zurückzulassen, anstatt jede Schleife so zu schließen, wie es bei einem Spielfilm normalerweise der Fall wäre. Ich liebe tonale Kontraste und ich liebe Filme, die einen glauben lassen, dass sie eine Sache sind und sich dann als etwas anderes entpuppen – die Spannung, nicht zu wissen, welche Art von Film man gerade sieht. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich bei diesem Film so frei gefühlt hätte, wenn ich mich damit abgefunden hätte, den Film auf eine erzählerisch konventionellere Weise zu beenden.
Was war Dir visuell wichtig?
Der Kontrast zwischen dem nächtlichen New York City durch die Linse eines Dokumentarfilmers und Sci-Fi-Bildern, die ich vorher noch nicht gesehen hatte. Das Konzept der „Lichtgeburt“ und wie das aussehen könnte. Die Vorstellung eines Lichtwesens unter all der Oberbekleidung, mit der sich die Menschen im kalten New Yorker Winter bedecken. Die Stadt ist menschenleer. Ich mag Filme mit geringem Budget, aber hohem Konzept, und all diese Ideen passen in diese Kategorie.
Der Cast ist auch sehr überzeugend – hast Du sie über einen klassischen Casting-Prozess gefunden?
Ich habe Babs [Anm. d. Red. Babs Olusanmokun in der Rolle des Lieferanten Lincoln] in einigen Filmen gesehen, bewunderte seine Arbeit und wusste, dass er es schaffen könnte, wenn der Zeitplan stimmte. Wir trafen uns, und er erzählte mir, dass er früher in New York City als Zusteller gearbeitet hatte, und ich hatte das Gefühl, dass wir auf der richtigen Spur waren. Irgendwie haben wir es geschafft, ihn für ein paar Tage während der Pandemie zu engagieren und es zu schaffen. Aber es gab nicht allzu viele Vorsprechen. Ich vermute, dass mehr Leute verfügbar waren, weil die Arbeit in dieser Zeit so knapp war. Wir haben ein paar Nicht-Schauspieler dabei. Und einige Schauspieler, die ich kenne, weil ich in New York gelebt und gearbeitet habe. Es war eine wirklich harte Zeit, weil so viele Leute krank wurden und ausfallen mussten, dass wir es nicht riskieren konnten, zu proben.
Kannst Du mir noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?
Ich stamme aus Maine. Ich bin in den 90er Jahren aufgewachsen, einer Zeit, die sowohl für das unabhängige als auch für das Mainstream-Kino in den USA eine sehr lebendige Zeit war. Ende der 90er/Anfang der 2000er Jahre begann ich, meine eigenen Videos mit MiniDV und Final Cut Pro zu drehen. 2007 zog ich nach New York City, wo ich das Vergnügen hatte, mit so vielen wunderbaren Menschen zusammenzuarbeiten.
Sind bereits neue Projekte geplant?
Ja, ich beginne gerade mit meinem ersten Spielfilm. Und ich arbeite auch an einer Spielfilmversion von „Power Signal“.
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Power Signal“
Interview: In our conversation with the American director and screenwriter Oscar Boyson, we learned more about his short film „Power Signal„, which was shown in the ‚Shock Block‘ program of the 24th Landshut Short Film Festival 2024, how he developed and realized the story in the pandemic, how a mix of genres also makes for a successful suspense and whether there will be a feature-length film of this short film.
How did the idea for „Power Signal“ come about?
This was very much an idea born during the pandemic, when New York City felt darker and emptier than I’d ever seen it in my 17 years living here. But this was also the moment where the delivery apps and e-bikes really took off, and suddenly New York has 65,000 workers delivering food to all the people staying inside. The fact that you could see for miles without seeing another human being made the city feel like a western to me, and if it was a western, the delivery workers on their e-bikes were the cowboys.
As a viewer, I didn’t know where your film was going for a long time. You manage to create an unusual mix of genres. What was important to you in terms of staging and building suspense?
I had a much longer script, originally, which tied things up in the more narratively satisfying way we’re used to as audiences, but when I had to cut it down for budget & time constraints I just told myself that this is a short film, and it’s okay to leave the audience with a feeling instead of closing every loop the way a feature length film typically would. I love tonal contrast and I love films that make you think they’re one thing and then reveal themselves to be something else – the suspense of not knowing what kind of movie you’re watching. I’m not sure I would have felt as free to keep doing that with this movie had I resigned to ending the film in a more narratively conventional way.
What was important to you visually?
That contrast of New York City at night through a documentarian’s lens with sci-fi images I hadn’t seen before. The concept of „light birth“ and what that could look like. This idea of a light-being underneath all the outerwear we see people cover themselves with in the cold NYC winter. The city deserted. I like stuff that is low-budget but high concept, and all of these ideas fit into that category.
The cast is also very convincing – did you find them through a classic casting process?
I had seen Babs in a few films and admired his work and knew he could do it if the scheduling worked. We met and he told me he had actually been a delivery worker when he lived in NYC, so that felt like we were onto something. Somehow we managed to get him for a few days during the pandemic and make it happen. But there weren’t too many auditions. I suspect more people were available because work was so scarce during that time. We’ve got a few non-actors in there. And some actors I know from living and working in New York. It was a really tough time because so many people were getting sick and having to drop out, we couldn’t risk doing rehearsals.
Can you tell me a bit more about yourself and how you came to making films?
I’m from Maine. I grew up in the 90s, which was such a vibrant time for both independent and mainstream American cinema. I started making my own videos in the late 90s/early 2000s with MiniDV and Final Cut Pro and moved to New York City in 2007, where I’ve had the pleasure of collaborating with so many wonderful people.
Are there any new projects planned?
Yes, I’m beginning my first feature film now. And also working on a feature length version of „Power Signal„.
Questions asked by Doreen Kaltenecker
Read on the german review of the short film „Power Signal„




