„Die graue Stadt“ von Torben Kuhlmann (2023)

Doreen Kaltenecker
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64 Seiten / ab 6 Jahren / NordSüd-Verlage / 20 €

Buchkritik: Der deutsche Autor und Illustrator Torben Kuhlmann, der mit seiner Mäuse-Wissenschafts-Kinderbuch-Reihe viele Fans gewinnen konnte, erzählt hier eine Geschichte aus der Menschenwelt.

Robin zieht mit ihren Eltern in eine neue Stadt. Schnell fällt ihr auf, dass alle graue Sachen tragen und es keine Farben in der Stadt gibt. Schlimmer noch, Farben sind nicht nur nicht erwünscht, sondern gar verboten. So handelt sie sich mit ihrer gelben Regenjacke in der Schule gleich Nachsitzen ein, lernt dort aber auch einen Verbündeten kennen.

Während seine Mäuseabenteuer „Lindbergh“ (2014), „Armstrong“ (2016), „Edison“ (2018) und „Einstein“ (2020) und der für das Jahr 2024 geplante „Earhart“ sich reale Persönlichkeiten und ihre wissenschaftliche Arbeit als Grundlage nehmen, ist das Kinderbuch „Die graue Stadt“ eine ganz eigenständige Geschichte. Man erkennt eine Nähe zu „Momo“ (1973) von Michael Ende, gerade was die ‚Grauen Herren‘ betrifft. Darüber hinaus entfaltet er aber eine schöne Parabel wie Rassismus, Ausgrenzung und auch die daraus entstehende Gewalt entstehen können. Die graue Firma, die allen vorschreibt, wie man zu leben hat, kann man auch wunderbar auf diktatorische Staatsführer übertragen. Ob man es nun in so einem größeren politischen Kontext oder in einem kleineren gesellschaftlichen Rahmen verankert, ist einem selbst überlassen. Da es sich aber um ein Kinderbuch handelt, das ab sechs Jahren empfohlen wird, ist es ratsam, zusammen mit den Kleinen die Ereignisse des Buches aufzuarbeiten oder einzuordnen.

NordSüd-Verlag

Gestaltet wurde es in wunderschönen Illustrationen, die zwar ein bisschen die tierischen Helden der früheren Bücher vermissen lassen, aber die Stadt und ihre Bewohner:innen sehr gelungen einfangen. Auch das Spiel mit Farben ist sehr schön eingebaut. Am Ende gibt es dann noch einen kleinen wissenschaftlichen Exkurs, wie man es von einem Kuhlmann-Buch erwartet.

Fazit: „Die graue Stadt“ ist das sechste Kinderbuch von Torben Kuhlmann. Diesmal erzählt er ohne historische Persönlichkeiten und ohne Mäuse von einem grauen Ort. In dieser Geschichte steckt viel drin, was auch mit Kindern nachgearbeitet werden sollte, aber es besticht auch mit schönen, ansprechenden Illustrationen.

Bewertung: 4/5

geschrieben von Doreen Kaltenecker

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