„Im Westen nichts Neues“ (1930)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Nachdem bereits die erste Oscarverleihung 1929 einen Kriegsfilm – „Flügel aus Stahl“ – zum Gewinner gekürt hat, wurde auf der dritten Oscarverleihung, welche am 5. November 1930 im Ambassador Hotel in Los Angeles stattfand und vom Schauspieler Conrad Nagel moderiert wurde, einer der heute noch bekanntesten Antikriegsfilme mit zwei Oscars ausgezeichnet. Was umso mehr verwundert, wenn man bedenkt, dass im selben Jahr bei der 2. Verleihung ein Musical („The Broadway Melody“ (1929)) gewonnen hat. Nach einer Romanvorlage von Erich Maria Remarque schuf der Regisseur Lewis Milestone mit „Im Westen nichts Neues“ (OT: „All Quiet on the Western Front“, USA, 1930) einen 136-minütigen, aufwühlenden Spielfilm, der sich auch nicht vor harten Aufnahmen scheute. Dafür wurde der Film mit vier Oscarnominierungen in den sechs möglichen Kategorien bedacht, konnte den Preis für die ‚Beste Regie‘ und den ‚Besten Film‘ mit nach Hause nehmen und setzte sich in der Hauptkategorie gegen Filme wie „Liebesparade“ (1929) von Ernst Lubitsch durch. 

Am Anfang des Ersten Weltkriegs ist die Stimmung in Deutschland geprägt von Euphorie und Siegesgewissheit. In diesem Sinne ermuntert der Lehrer Kantorek (Arnold Lucy) seine Gymnasiasten, sich freiwillig zum Kriegsdienst zu melden. Paul Bäumer (Lew Ayres) und sechs seiner Kameraden machen sich gleich auf den Weg zur Armee. Bereits die Grundausbildung durch den Reserve-Unteroffizier Himmelstoß (John Wray) bremst ihre Stimmung und als sie dann dem Zug des Leutnants Bertinck (G. Pat Collins) zugeordnet werden, lernen sie den Stellungskrieg an der Front in all seiner Hässlichkeit kennen. Zwar hilft es, dass sie sich dem erfahrenen Frontkämpfer Stanislaus „Kat“ Katczinski (Louis Wolheim) anschließend, doch nach und nach lichten sich die Reihen der befreundeten ehemaligen Schüler.

Der deutsche Schriftsteller Erich Maria Remarque (1898-1970) schuf mit seinem 1928 veröffentlichten gleichnamigen Roman einen der wichtigsten Antikriegsromane der Literaturgeschichte. Angefangen hat die Stoffentwicklung mit einzelnen Episoden, welche in der Vossischen Zeitung veröffentlicht wurden. Als der daraus entstandene Roman schließlich erschien, stieß er in Deutschland sofort auf Ablehnung. Er war in seinen Schilderungen drastisch und realistisch, aber die Ideologie der Zeit forderte Heldentum und Pathos. Remarque dagegen erzählt auf etwa 350 Seiten, was für ein Verbrechen dieser Krieg an den Menschen war und wie die Kriegsmaschinerie alles vernichtete. Doch außerhalb Deutschlands wurde das Buch bald sehr bekannt und zum internationalen Besteller. Es wurde bis Ende 1930 in zwölf Sprachen übersetzt und weltweit 3,5 Millionen Mal verkauft. Noch heute gilt der Roman als Klassiker und überzeugt als eindringliche Schilderung der Kriegsereignisse. Dass er immer noch relevant ist, sieht man auch daran, dass es eine gleichnamige Neuverfilmung aus der Hand von Edward Berger gab, der auf der 95. Oscarverleihung 2023 mit vier Oscars ausgezeichnet wurde. 

Diese Romanadaption hat einen festen Platz in der Filmgeschichte, da er der erste Anti-Kriegs-Tonfilm ist. Zudem war es die erste Literaturverfilmung, welche den Oscar für den ‚Besten Film‘ mit nach Hause nehmen konnte. Der Begründer und Chef der Universal Studios Carl Laemmle Sr. (1867-1939) reiste regelmäßig nach Schwaben, seiner ehemaligen Heimat. Dort wurde er bei einem Besuch im Jahr 1929 von seinem Literaturagenten Otto Klement auf das vor kurzem erschienene, sehr erfolgreiche Buch aufmerksam gemacht. Nach der Lektüre war er begeistert und sicherte sich schnell die Filmrechte daran. Trotzdem bekam die Idee, das Buch zu verfilmen, viel Gegenwind, vor allem weil dieses in Deutschland kritisch aufgenommen wurde und dort zu zahlreichen Diskussionen führte. Er räumte die Bedenken beiseite und sah die Chance, mit der Verfilmung das Leiden aller Kriegsparteien einzufangen. Zu dieser Zeit übertrug er gerade seinem 21-jährigen Sohn Carl Laemmle Jr. (1908-1979) das Filmstudio, das zu dieser Zeit eine komplette Neuausrichtung erfuhr. Der Fokus sollte von nun an auf Produktionen mit hoher Qualität und einem größeren Budget liegen. Da passte die Literaturverfilmung sehr gut rein und so entstand als eines der ersten Projekte von Laemmle Jr. diese Romanadaption.

Laemmle Jr. verpflichtete den Autor Maxwell Anderson (1888-1959), der aber mit seiner Drehbuchfassung zu weit von der Vorlage abwich. Deswegen kam durch den Regisseur Lewis Milestone (1895-1980) noch der Autor Del Andrews (1894-1942) ins Spiel, der das Drehbuch wieder dem Roman näher brachte. Danach bedurfte es nur noch eines letzten Schliffs durch den Broadway-Giganten, Produzent, Regisseur und Autor George Abbott (1887-1995). Die zwei auffälligsten Veränderungen zum Buch sind der Anfang und der Schluss. Die gesamte Szene im Klassenzimmer, als der Lehrer Kantorek seine Schüler für den Krieg begeistert, wurde hinzugefügt, um ein Verständnis dafür zu schaffen, warum junge Menschen in den Krieg ziehen. Das Schicksal der Hauptfigur Paul im Buch ist unklar und so musste ein anderer Schluss für den Film gesucht werden. Eine erste Fassung, in der Paul einen Heldentod auf dem Schlachtfeld starb, erschien nicht passend. So ließ man das Ende bis zum  Beginn der Dreharbeiten offen. Der Kameramann Karl Freund (1890-1969), der sich durch seine Arbeit am Murnau-Film „Der letzte Mann“ (1924) einen Namen gemacht hat, hatte dann die Idee mit dem Schmetterling. Die Hand, die übrigens nicht vom Schauspieler Lew Ayres stammt, sondern vom Regisseur selbst, welche nach dem Schmetterling greifen will, gehört wohl zu den berühmtesten Szenen des Films und ist für ewig als Ikone in die Filmgeschichte eingegangen. Denn sie beinhaltet die Botschaft des Films und zeigt, wie unnatürlich das Grauen des Krieges ist. Das Autoren-Gespann wurde auf der Verleihung zurecht mit dem Oscar für das ‚Beste adaptierte Drehbuch‘ ausgezeichnet.

Der Film gilt und wird weiterhin als Meilenstein der Filmgeschichte gelten. Zum einen aufgrund der technischen Innovationen und spektakulären Kriegsszenen, aber auch aufgrund seiner drastischen Schilderung des Krieges aus der Sicht der deutschen Soldaten. Denn Milestone legte viel Wert darauf, nicht nur das Kriegsgeschehen in Actionszenen, sondern auch die Veränderungen der Charaktere einzufangen. Wie verändern sie sich im Angesicht von Schrecken, Tod und Chaos? Immer wieder baut er Szenen ein, die zeigen, dass sie sich der Maschinerie fügen, das Chaos zulassen und ihre Unschuld verlieren. Das beste Beispiel dafür ist die Schlussszene. Wie auch die Figuren selbst den Überblick verlieren, so ergeht es auch den Zuschauer:innen, denn auch sie werden zum Opfer des Geschehens und werden durch all die grausigen Etappen des Stellungskrieges geführt. So macht der Film deutlich, was es heißt, im Krieg zu sein. Zudem wohnt ihm eine prophetische Voraussicht inne, was da noch kommen mag und verurteilt fanatischen Nationalismus.

Mit einem Budget von 1,25 Millionen US-Dollar war es der einzige A-Film (hochbudgetierter Film), den Universal im Jahr 1929 realisierte. Die zu dieser Zeit enorme Summe wurde dann durch das Überziehen der Drehzeit noch einmal um 200.000 US-Dollar angehoben. Die Dreharbeiten begannen im November 1929 und dauerten 17 Wochen. Viele der Szenen wurden in den Universal Studios in Balboa (Kalifornien) fertiggestellt. Doch die Kampfszenen und einige weitere Szenen wurden an On-Locations-Sets gedreht, u.a. auf 20 Feldern bei Laguna Beach und einer Ranch außerhalb Hollywoods. Die Kameraarbeit des Kameramannes Arthur Edeson (1891-1970), der dafür auch eine Oscarnominierung erhielt, war sehr fortschrittlich. Er entwickelte und verwendete u.a. einen gigantischen, mobilen Kran, mit dem er die Schlachtenszenen einfing und auch mit einem atemberaubenden Tempo über das tote Land und die Leichen flog. Immer wieder raubt die Kamera dem Publikum die Orientierung, so dass sich auch die Betrachter:innen im Chaos des Krieges verlieren. Die Bilder, die der Regisseur Milestone dafür fand, sind schockierend und gehen nahe. Dabei besaß er, wie auch der Autor Remarque, selbst keine eigenen Kriegserfahrungen. Aber Fotografien und Berichte von Soldaten formten seine Filmbilder, die sich so sehr eingebrannt haben, dass sie fälschlicherweise in manchen Dokumentarfilmen als reale Bilder verwendet wurden. Auch das damalige Publikum soll tief beeindruckt gewesen sein. Aber auch heute noch sind es starke Bilder, die das Greuel und die Unbarmherzigkeit nicht verschleiern. 

Der Film wurde damals, da einige Kinos noch nicht auf Ton umgestellt waren, als Stummfilm- und Tonfilmfassung umgesetzt. Besonders war auch, dass es einer der ersten Filme war, der für den deutschen Markt synchronisiert wurde. Über die Zeit entstanden vier Synchronfassung: Die erste direkt bei der Veröffentlichung 1930, danach eine weitere 1952, eine dritte im Jahr 1980 und im Jahr 2005 für die DVD-Ausgabe erschien die bisher letzte Synchronisation. Während es in der Stummfilmfassung eine Filmmusik (komponiert von Sam Perry und Heinz Roemheld) gibt, sprach sich Milestone gegen jeglichen Musikeinsatz im Tonfilm aus. Bis auf die Marschmusik am Anfang, erklingt keine Musik, denn so empfand er seinen Kriegsfilm realitätsnaher. Der Verzicht verortet den Film wahrlich mehr im Kriegsgeschehen und passt besser zu den ungeschönten Bildern, da jegliche musikalische Heroisierung, wie es in der Kriegsfilmgeschichte immer wieder vorkommt, umgangen wurde. Viel wichtiger war der gut eingesetzte Ton, der trotz der damals vorhanden einen Tonspur, sehr geschickt eingesetzt wurde und die Kriegsszenen perfekt unterstützt. 

Lewis Milestone, der 1895 in der heutigen Republik Moldau geboren wurde, etablierte sich ab der Mitte der 1920er Jahre, vor allem durch seine enge Zusammenarbeit mit dem Produzenten Howard Hughes, als Hollywood-Regisseur. Bereits auf der 1. Oscarverleihung 1929 erhielt er für den Film „Schlachtenrummel“ (1927) seinen ersten Oscar für die ‚Beste Regie‘. Im Jahr nach „Im Westen nichts Neues“ wurde er noch einmal für einen Oscar für den Film „Extrablatt“ nominiert. Es folgten Filme wie „Von Mäusen und Menschen“ (1939) nach einem Roman von John Steinbeck, der kommerziell erfolgreich wurde, und der Film Noir „Die seltsame Liebe der Martha Ivers“ (1946). Seinen letzten Kriegsfilm realisierte er 1959: „Mit Blut geschrieben“. Mit „Die Meuterei auf der Bounty“ (1962) mit Marlon Brando in der Hauptrolle, verabschiedete er sich vom Spielfilm. Bis zu seinem Tod 1980 konnte er 38 Spielfilme als Regisseur verwirklichen, doch sein berühmtester Film blieb „Im Westen Nichts Neues“. 

Ursprünglich sollte Herbert Brenon („Ivanhoe“ (1913), „The Great Gatsby“ (1926)) die Regie übernehmen, aber dieser forderte mit 250.000 US-Dollar eine zu hohe Gage. Carl Laemmle Jr. wurde dann von dem Agenten Myron Selznick, Bruder des Produzenten David O. Selznick, auf seinen Klienten Milestone aufmerksam gemacht, der sich bereits durch die Kriegskomödie „Die Schlachtenbummler“ und deren Oscargewinn einen Namen gemacht hat. So übernahm Milestone die Regie, die ihm dann seinen zweiten und letzten Oscargewinn einbrachte. 

Für die Besetzung des Films wurden viele unbekannte Schauspieler ausgewählt. Für die meisten Darsteller war es oft der erste Film oder zumindest der erste Tonfilm überhaupt. Der Regisseur Milestone besaß einen starken russischen Akzent, so dass zur Schauspielerführung der Regisseur George Cukor („My Fair Lady“ (1964)) dazu geholt wurde, um diese anzutrainieren. Die Hauptrolle übernahm der damals 21-jährige Lew Ayres (1908-1996). Dieser hat bisher wenig Filme gedreht und war dem Publikum höchstens aus einer Nebenrolle in „Der Kuss“ (1929) bekannt. Das war natürlich von Universal gewollt, denn ein bekanntes Gesicht hätte die Rolle eines Soldaten unter vielen nicht so gut ausfüllen können. Ayres, der auch das Buch bereits kannte und für die Rolle brannte, erhielt das Arrangement erst, als der Wunschkandidat Douglas Fairbanks Jr. und der Autor Remarque selbst nicht verfügbar waren. Ayres hatte nach diesem Film eine lange Karriere von 65 Jahren beim Film und Fernsehen vor sich. Er erhielt 1948 eine Oscar-Nominierung als ‚Bester Hauptdarsteller‘ für den Film „Schweigende Lippen“ (1948). Auch wurde er als Regisseur mit dem Golden Globe für den ‚Besten Dokumentarfilm‘ für „Altars of the World“ (1976) und mit gleich zwei Sternen (für Radio und Film) auf dem Walk of Fame geehrt. Diesen Weg verdankt er auch seinem großen Durchbruch und seiner so bekanntesten Rolle in diesem Kriegsdrama. Auch veränderten die Arbeiten bei diesem Film seine persönliche Einstellung und er wurde zum Pazifisten, der den Einsatz im Zweiten Weltkrieg ablehnte. Das führte dazu, dass er beim Publikum in Ungnade fiel und auch von MGM entlassen wurde. Rehabilitieren konnte er sich durch seinen Einsatz als Sanitäter in der US-Armee. In dem Fernsehfilm „Hart aber herzlich: Dem Täter auf der Spur“ hatte er 1994 seinen letzten Auftritt und verabschiedete sich nach über 150 Film- und Fernsehproduktionen vom Filmbusiness. 

ZaSu Pitts (1894-1963), welche die Rolle von Pauls Mutter übernahm, war zu jener Zeit eine recht bekannte Darstellerin. Doch sie musste durch Beryl Mercer ersetzt werden, da das Publikum bei ihrem Auftritt etwas Amüsantes erwartete, weil sie sich als Komikerin einen Namen gemacht hatte. Ein anderer Komiker – Slim Summerville – konnte aber in seiner Rolle als Soldat verbleiben. Auch Raymond Griffith, der den französischen Soldaten spielt, ist ein Stummfilmkomiker der Zeit. Dieser beendete nach diesem Film seine Karriere, da er als Kind seine Stimme verloren hatte und im Tonfilmgeschäft keinen Platz mehr fand. Der im Vorspann zuerst genannte Schauspieler war Louis Wolheim (1880-1931), der in seiner Karriere nie einen Oscar erhielt, mit dem Regisseur Milestones befreundet war und hier als Katczinsky eine seiner letzten Rollen spielte. Der spätere Regisseur Fred Zinnemann (1907-1997), der Filme wie „Zwölf Uhr mittags“ (1952) oder „Der Schakal“ (1973) realisierte, hatte ursprünglich in diesem Film eine kleine Statistenrolle übernommen, wurde aber wegen respektloses Verhaltens gefeuert. Zudem wurden viele (insgesamt 2000) deutsche Veteranen als Berater und Statisten in diesem Film eingesetzt. 

Wie schon der Roman stand auch der Film unter starker Kritik und Zensur. Das Buch von Remarque erzürnte bei seinem Erscheinen 1929 vor allem die Nationalsozialisten und das wurde beim Film dann fortgesetzt, der aber in der USA sehr schnell große Erfolge feierte. Doch die ursprüngliche Fassung von 150 Minuten Länge kam nie in die Kinos, da die amerikanische Zensurbehörde 10 Minuten herausgeschnitten hat, da sie sich davon eine Chance erhofften, dass der Film auch in den deutschen Kinos gezeigt wird. Doch noch bevor der Film am 4. Dezember 1930 in Deutschland freigegeben wurde, erfolgten weitere Schnitte. Trotzdem wurden die Aufführungen von Stinkbombenangriffen und Schlägereien begleitet und Joseph Goebbels hielt eine flammend Rede gegen den Film. In einigen Bundesländern kam es nie zu einer Aufführung. Nach weiteren drastischen Schnitten kam er 1931 noch einmal in die Kinos, doch ab 1933 wurden Roman und Film in Deutschland nicht mehr veröffentlicht. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er dann schließlich in gekürzter Fassung in die deutschen Kinos zurück. In Amerika hatte die Stummfilmfassung ihre Premiere am 21. April 1930 in New York. Die Tonfilmvariante erschien im Juni 1930 in London auf den Leinwänden. Der Film war ein weltweiter Erfolg und nahm rund 1,5 Millionen und weltweit drei Millionen US-Dollar ein. Das war für die damalige Zeit eine enorme Summe. Er lief teilweise ein halbes Jahr lang in amerikanischen Kinos. Im Allgemeinen fielen die Kritiken außerhalb Deutschlands sehr gut aus, auch wenn dem Film von Zeit zu Zeit vorgeworfen wird, die deutschen Soldaten in einem zu guten Licht darzustellen. Doch wie der Roman zeigt auch der Film nur Verlierer auf allen Seiten. Es geht hier um die Macht-Mechanismen und die Unmenschlichkeit des Krieges, nicht darum, ob der einzelne Mensch gut oder schlecht war. Die Genese aller Beteiligten hin zum reinen Überlebenden ohne moralischen Kompass wird hier schonungslos eingefangen.

Das Buch erhielt 1931 mit „Der Weg zurück“ eine Fortsetzung. Aufgrund des Erfolges des Vorgängers durfte Milestone auch dieses verfilmen und so entstand „The Road Back“ (1937). 1979 wurde der Film von Delbert Mann das erste Mal neu aufgelegt und erschien als Fernsehfilmvariante des Stoffes. Der Originalfilm wurde 1990 ins National Film Registry aufgenommen und 1998 restauriert. 2022 entstand mit „Im Westen Nichts Neues“ von Edward Berger eine souveräne Neuinszenierung des Stoffes, die sich aber auch auf den Film von 1930 bezieht. Er wurde auf der 95. Oscarverleihung 2023 mit vier Oscars ausgezeichnet, darunter als ‚Bester fremdsprachiger Film‘. Er kommt dem Original sehr nah, was zeigt, dass der sehenswerte Klassiker noch Jahrzehnte später alle nachfolgenden Generationen von Antikriegsfilmen maßgeblich beeinflusst. 

Fazit: „Im Westen nichts Neues“ war auf der 3. Oscarverleihung aus dem Jahr 1930 der Gewinner des Oscars für den ‚Besten Film‘. Der Film stammt aus der Hand des moldauischen Regisseurs Lewis Milestone und hält sich dicht an die gleichnamige Romanvorlage von Erich Maria Remarque. Auch der Regisseur wurde mit einem Oscar bedacht. Handwerklich stimmig, moralisch und nicht pathetisch erzählt der Film vom Ersten Weltkrieg, der Desillusionierung und den moralischen Abgründen der Soldaten. Noch bis heute und trotz gut gemachter Neuauflage gehört der Film zum festen Filmklassiker-Kanon.

Bewertung: 7/10

Trailer zum Film „Im Westen nichts Neues“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

  • Wikipedia-Artikel über die Oscarverleihung 1930 (November)
  • Wikipedia-Artikel über den Roman „Im Westen nichts Neues
  • Wikipedia-Artikel über den Film „Im Westen nichts Neues
  • Wikipedia-Artikel über den Regisseur Lewis Milestone
  • IMDb-Trivia des Films „Im Westen nichts Neues“
  • Der Film Im Westen nichts Neues in Bildern, Rowohlt, Berlin, 1931.
  • Kubiak, Hans-Jürgen: Die Oscarfilme, Schüren-Verlag GmbH, Marburg, 2007.
  • Koebner, Thomas: Filmklassiker, Band 1, 1913-1945, Philipp Reclam junior, Stuttgart, 2006.
  • Schneider, Steven Jay: 1001 Filme die sie sehen sollten bevor das Leben vorbei ist, Edition Olms AG, Zürich, 2013.
  • Klein, Thomas; Stiglegger, Marcus; Traber, Bodo: Filmgenres Kriegsfilm, Reclam, Ditzingen, 2006.

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