„Back to Black“ (2024)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Die letzten Jahre sind geprägt von Musiker-Biopics wie „Bohemian Rhapsody“ (2018) und „Rocketman“ (2019), die in die Kinos kamen. Der amerikanisch-britische Spielfilm „Back to Black“ (OT: „Back to Black“, Frankreich, UK/USA, 2024) von Sam Taylor-Johnson widmet sich nun der im Jahr 2011 verstorbenen Sängerin Amy Winehouse und setzt dabei leider den falschen Fokus.

Amy Winehouse (Marisa Abela) wächst in Camden, London, auf und tritt mit ihren Songs Abends in Bars auf. Inspiriert sind ihre Songs von der Musik der 60er Jahre und zusammen mit ihrer Großmutter Cynthia (Lesley Manville) teilt sie die Liebe zu dieser Zeit. Zeitgleich mit ihrer Entdeckung durch den Produzenten Nick Shymansky (Sam Buchanan), der sie mit ihrer Platte „Frank“ groß rausbringt, lernt sie Blake (Jack O’Connell) kennen, den Mann ihrer Träume. Doch mit ihm läuft es nicht lange gut, so dass sie sich mit ihrem Schmerz in ein neues Album flüchtet, aber sich auch mit Drogen betäubt. Können ihre Fans oder ihr Vater Mitch (Eddie Marsan) ihr da raus helfen oder schafft das nur der Mann, der sie verlassen hat?

Marisa Abela und Lesley Manville

Die britische Sängerin Amy Winehouse mauserte sich am Anfang des Jahrhunderts zu einem wahren Sensation. In ihrem kurzen Leben – sie wurde nur 27 Jahre alt – konnte sie nur zwei Alben realisieren, die aber bis heute zum festen Bestandteil der Musikgeschichte gehören und ewig gehören werden. Denn auf musikalischer und stimmlicher Ebene hatte sie viel zu bieten. Sie schrieb nicht nur die Texte für ihre Songs und sang sie selbst, sondern bestimmte auch maßgeblich den Sound. Ihre musikalische Laufbahn besitzt so viel Potential, um daraus einen spannenden Biopic zu machen. Doch leider entschied sich die Regisseurin Sam Taylor-Johnson, die mit „Nowhere Boy“ (2009) ein gelungenes Portrait des jungen John Lennon schuf, sich auf die privaten Aspekte der Künstlerin zu konzentrieren. Dabei wirkt der Film fast wie die Paparazzis von damals, die bei jeder Verfehlung draufhielten. So werden hier vor allem ihr Liebesleid, ihre Alkohol- und spätere Drogensucht und ihre enorme Abhängigkeit von ihrem Freund in Szene gesetzt. Nur wenige Momente mit der Familie, im Studio oder bei Auftritten erlebt von der Künstlerin Amy. Warum sich der Film so auf das Niveau eines Boulevardblatts begibt, bleibt schleierhaft, denn von den Ansätzen her hätte es ein guter Film werden können. 

Marisa Abela und Jack O’Connell

Inszeniert und umgesetzt ist der Film sehr souverän. Das Londoner Stadtviertel Camden wurde mit seinem Charme, aber auch seinen Bars und Kneipen gut eingefangen. Dabei wurde an Live-Locations gedreht. Besetzt hat Taylor-Johnson ihre Hauptrolle mit der unbekannteren Darstellerin Marisa Abela. Sie schafft es, Amys Trotzigkeit und Zerbrechlichkeit gut einzufangen. Auch wäre da genug Spielraum für die Musikliebe gewesen, die sie nur in den Szenen zusammen mit Lesley Manville („Der seidene Faden“ (2017)) als ihre Großmutter ausleben kann. Sie hat es auch auf sich genommen, die Lieder von Amy selbst zu singen und fängt die Stimmung der Songs gut ein, auch wenn Winehouse’s Gesang nicht nachahmbar ist. Wer sich bis dato kaum mit ihrer Musik beschäftigt, kann hier ein wenig hinter die Fassade schauen, erkennen, aus welchen Ereignissen sich ihre Texte speisen, und diese auch ihren Lebensabschnitten zuordnen. Die Musik ist auch der Grund, warum der Film stellenweise doch gut funktioniert. Denn diese ist und bleibt etwas Besonderes und wird glücklicherweise auch gut und oft eingesetzt. So ist die Geschichte leider zu stereotypisiert, schaut fast nur auf die negativen Aspekte ihres Lebens, aber die Inszenierung und die Musik können davon etwas wettmachen, aber nicht verbergen, dass es viel besser hätte werden können.

Marisa Abela und Jack O’Connell

Fazit: Die Regisseurin Sam Taylor-Johnson tappt mit „Back to Black“ in die typische Musiker-Biopic-Falle und betrachtet nur die Verfehlungen, das Leid und den viel zu frühen Tod. Man hätte hier einfach mehr daraus machen können, denn die Musik und ihre Liebe dazu wären auch ein gutes Zentrum für das erste Biopic über die britische Sängerin Amy Winehouse gewesen. Aber so kann der Film sich nicht von der Masse solcher Biopics absetzen.

Bewertung: 6/10

Kinostart: 11. April 2024

Trailer zum Film „Back to Black“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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