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Filmkritik: Der Spielfilm „Üben, üben, üben – Å Øve“ (OT: „Å Øve“, Deutschland/Norwegen, 2023) des deutschen Regisseurs Laurens Pérol, der auf den 57. Hofer Filmtagen 2023 feierte, ist eine Geschichte über die Generation von Klimaschützern und einer ungewöhnlichen jungen Frau.
Als Trine (Kornelia Melsæter), die auf den Lofoten lebt, erfährt, dass sie bald ein Vorspiel in der Osloer Oper hat, ist die Trompetenspielerin aus dem Häuschen. Doch als aktive Klimaschützerin kommt es für sie nicht in Frage, diese Strecke von 1500 km zu fliegen, auch wenn die Zeit knapp wird. Also beschließt sie, mit Trampen ihr Ziel zu erreichen. Dabei geht einiges schief, sie lernt aber auch das Land und die Menschen kennen und nimmt sich immer wieder Momente zum Proben.
Der Spielfilm, dessen Drehbuch ebenfalls von Regisseur Laurens Pérol stammt, besitzt eine spannende Ausgangsfrage. Wie kann man mit seinen Idealen – hier ganz klar in der Klimabewegung angesiedelt – in dieser Welt umgehen? Gerade die Schnelllebigkeit und die Hier-und-Jetzt-Mentalität, um auch in der Arbeitswelt voranzukommen, steht dem klar entgegen.
Also begleiten wir die eigenwillige junge Frau, wie sie versucht, diese Strecke ohne Flugzeug in wenigen Tagen zu bewältigen. Die Begegnungen, die sie dabei hat, halten sich begrenzt. Vor allem erleben wir sie, wie sie mit sich und den Umständen ringt. Dadurch entstehen hier und da gewisse Längen, obwohl der Film nur 79 Minuten lang ist. Das liegt auch daran, dass man als Außenstehende:r schlecht nachvollziehen kann, wie weit sie schon gekommen ist. Schwer einzuordnen sind die verschiedenen Stationen und Landschaften. Norwegen als Land spielt bei dem Film aber eine besondere Rolle. Die Landschaft und ihre raue Schönheit kommt hier immer wieder zur Geltung und geht eine Symbiose zum Trompeten-Üben ein. Dabei spielt Trine meist kaum schöne Melodien, sondern die Klänge besitzen viele Wiederholungen und auch Misstöne. Ganz mit ihrer Stimmung verändert sich auch die Wahrnehmung der Umgebung und das Musikspiel. Der Film ist zudem auch eine Coming-of-Age-Geschichte. Die junge Frau wird überzeugend von Kornelia Melsæter verkörpert, aber leider fehlt eine sichtbare Entwicklung ihrer Figur. Was ist die Botschaft des Films? Darüber lässt uns der Regisseur Pérol im Unklaren. So wirkt sein Debütfilm gut gemeint, aber nicht zu Ende gedacht. Die Aufnahmen sind auf ihre Weise schön und so begleitet man die junge Frau zwar gerne auf ihrer Reise, kann aber die Botschaft nicht einordnen.
Fazit: „Üben, üben, üben – Å Øve“ von Laurens Pérol ist eine Coming-of-Age-Geschichte und eine Geschichte aus dem Herzen des Klimaaktivismus. Leider verliert sich die Story aufgrund fehlender Einordnungen und größerer Spannungsmomente an Schwung und ist vor allem eine raues Roadmovie mit schönen Landschaftsaufnahmen und einem sehr präsenten Trompetenspiel.
Bewertung: 6/10
Kinostart: 5. September 2024
Trailer zum Film „Üben, üben, üben – Å Øve“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 57. Internationale Hofer Filmtage 2023 – Katalog (Programm ‚Langfilme‘)
- Tobit Rohner, ‚Å øve – Üben, üben üben (Filmkritik)‘, uncut.at, 2024

