„In Limbo“ (2022)

Doreen Kaltenecker
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Kurzfilm / Deutschland / Experimental / 2022

Filmkritik: Der experimentelle Kurzfilm „In Limbo“ von Katja Pratschke und Gusztáv Hámos, der im Programm ‚Experimente‘ auf dem 36. Filmfest Dresden 2024 lief, ist eine in Mixtechnik erschaffene Geschichts- und Architekturstudie. 

Auf dem Liberty Square in Budapest wurde 2015 ein Denkmal für die Opfer der NS-Besatzung 1944 errichtet. Die Verlogenheit, die damit einhergeht, hat mit dem Freiheitsbegriff des Landes Ungarn zu tun. Bereits zu Zeiten des Kalten Krieges erkannte der junge Mann Kiesling das und floh vor der Wehrpflicht aus seinem Land.

Die beiden Filmemacher:innen Katja Pratschke und der in Ungarn geborene Gusztáv Hámos, der 1979 floh, erzählen als fiktiven Experimentalfilm, der stellenweise sehr dokumentarisch wirkt, von der Stadt, deren Symbolpolitik und dem Land Ungarn, wie es dem Friedensbegriff entgegensteht. In 30 Minuten, nach einem eigenen Drehbuch, gehen sie die Themen von zwei Seiten an. Sie beschäftigen sich anhand von Fotos, 3D-Modellen und einem Off-Kommentar mit der Architektur des Landes – speziell mit dem 2015 errichteten Denkmal für die Opfer der NS-Besatzung auf dem Liberty Square – und blicken dahinter. Der zweite Erzählstrang dreht sich um die fiktive Person Kiesling, die aus dem Land flieht, um ihre persönliche Freiheit zu erhalten. Für die Darstellung Kieslings verwenden sie die schwarz-weiß Fotografien des Filmemachers Hámos und rekonstruieren auch seine damalige Wohnung. Durch diese reale zeitliche Verbindung bekommt der Film etwas Dokumentarisches und mit dieser Mischform spielt der Film gekonnt. Abgerundet vom Sound der Zeit, ist „In Limbo“ ein Essay-Film, der sich verschiedener Medien bedient und damit und auch mit Humor die ungarische Gesellschaft von damals bis heute unter die Lupe nimmt.

Fazit: „In Limbo“ ist ein experimenteller Kurzfilm von Katja Pratschke und Gusztáv Hámos, der anhand verschiedener Techniken, wie Fotocollagen und 3D-Modellen eine Geschichte einer Gesellschaft und eines Landes erzählt. Dabei verwenden sie die fiktive Erzählung geschickt, sodass man trotzdem einen beinahe dokumentarischen, essayistischen Einblick von Ungarn – rund um den Freiheitsbegriff – bekommt. 

Bewertung: 7/10

Trailer zum Kurzfilm „In Limbo“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

  • 36. Filmfest Dresden 2024 – Katalog (Programm ‚Experimente‘)
  • Eintrag des Kurzfilms „In Limbo“ auf der Website der Regisseurin Katja Pratschke

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