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Filmkritik: Der dritte Teil der „Deadpool“-Reihe ist der Zusammenschluss zweier sehr konträrer Marvel-Helden: „Deadpool & Wolverine“ (OT: „Deadpool & Wolverine“, USA/UK/Australien/Neuseeland/Kanada, 2024). Bereits jetzt hat der Film an den Kinokassen schon die anderen Superhelden-Filme dieses Kinojahres überholt und scheint die Hoffnung für das Marvel-Universum mit jetzt vielen neuen Möglichkeiten zu sein.
Nachdem Wade Wilson (Ryan Reynolds) sich für ein Leben ohne Heldentaten als Deadpool entschieden hat, führt er ein zurückgezogenes Leben als Autoverkäufer. Stets an seiner Seite ist sein treuer Freund Peter (Rob Delaney), aber nicht mehr seine Freundin Vanessa (Morena Baccarin). Als er von Paradox (Matthew Macfadyen), einem Mitarbeiter der TVA (Time Variatiance Authority) angesprochen wird, ihm bei etwas zu helfen, wodurch aber seine gesamte Dimension stirbt, reaktiviert er Deadpool und begibt sich auf die Suche nach Wolverine (Hugh Jackman), der, als er gestorben ist, für den Untergang dieser Erde sorgte. Als er ihn schließlich findet, stellt sich schnell heraus, dass er wohl die schlechtestmögliche Version seiner Selbst ist und auch Paradox ist darüber überhaupt nicht erfreut. Daher verbannt er beide an einen Ort, wo alle Vergessenen oder in Ungnade gefallenen Helden landen. Die Königin dieser Wüste ist Cassandra (Emma Corrin), die Zwillingsschwester von Professor Xavier, dem Anführer der X-Men.
Der dritte Deadpool-Teil, nachdem 2016 und 2018 bereits der vorlaute Chaot von Marvel losgelassen wurde, lässt nun die Zahl im Titel weg und bringt einen totgeglaubten X-Men als zweiten Hauptdarsteller ins Spiel. Shawn Levy, der Regie geführt hat bei Filmen wie „Nachts im Museum“ (2006), „Free Guy“ (2021) und acht Folgen von „Stranger Things“ (2016-2022), widmet sich hier dem ungewöhnlichen Superhelden, der ständig die Leinwand sprengt. Zum ersten Mal führte er in einem Marvel-Superhelden-Film Regie und übernahm den Staffelstab von David Leitch („Deadpool 2“ (2018)) und Tim Miller („Deadpool“ (2016)). Zusammen mit Rhett Reese, Paul Wernick, Zeb Wells und Ryan Reynolds schrieb er das Drehbuch zu dem Superhelden-Actioner, der als erster seiner Art das R-Rating erhielt, sprich in den USA ab 17 Jahren freigegeben ist. Kein Wunder, denn hier fließt ähnlich viel CGI-Blut wie in den vorhergehenden Filmen, aber die Gewalt ist stellenweise drastischer und die Wortwahl stets unter der Gürtellinie. Doch der Clou des Films ist es nicht, Deadpool mit seiner Art wieder auf die Welt loszulassen und mit beinharten Kampfszenen, die aber dem Unverletzbaren nichts ausmachen, zu unterhalten, sondern eine Hommage an vergessene oder gar nie verfilmte Superhelden zu inszenieren. Hier treten Figuren auf, deren Karriere als Superhelden schon lange zurückliegt, es wird dabei hämisch angeklagt, dass bestimmte Geschichten nie ein Ende gefunden haben. Das macht genauso wie die die vierte Wand durchbrechenden Anmerkungen in Richtung Publikum oder an den Produzenten Kevin Feige großen Spaß, hebt diesen Deadpool-Film, der einige berührende Momente hat, von den eher ‚normalen‘ Superhelden-Filmen dieses Jahres klar ab und wird ihn vermutlich zu den zehn erfolgreichsten Filmen in Deutschland des Jahres machen.
Mittlerweile hat sich natürlich eine gewisse Routine bei der Inszenierung von Deadpool-Filmen eingeschlichen. Die Actionszenen wirken in ihren Arrangements wie zu einem Boyband-Song (dieses Mal *NSYNC mit „Bye Bye Bye“) bekannt, funktionieren aber trotzdem prächtig. Gerade, dass das Blut niemals echt aussieht und die Gewalt immer etwas over-the-top ist machen ihren Spaß aus. Hinzu kommt eine Prise Gefühl, viel Humor und markige Sprüche. Das Neue kommt mit der Figur des Wolverine, die Hugh Jackman („Les Miserables“ (2012), „Greatest Showman“ (2017), „Reminiscence: Die Erinnerung stirbt nie“ (2021)) seit dem ersten „X-Men“-Film von 2000 verkörpert, hinein. Diese ernste Figur mit ihrem Weltschmerz ist ein schöner Kontrast zu dem quirligen Deadpool, der auch hier wieder von Ryan Reynolds („Free Guy“ (2023)) in seinem gewohnten Stil verkörpert wird. Dieses ungleiche Paar gibt so vielen Witzen eine Steilvorlage, die hervorragend genutzt werden. Darüber hinaus ist der Film bis in die Nebenrollen hinein und mit vielen überraschenden Cast-Auftritten wunderbar besetzt – mit dabei sind Emma Corrin („A Murder at the End of the World“ (2023)), Matthew Macfadyen („Stolz & Vorurteil“ (2005), „Edison – Ein Leben voller Licht“ (2017)), Dafne Keen („Logan“ (2017), „His Dark Materials“ (2019-2022)), Morena Baccarin („Firefly“ (2002-2003)), Rob Delaney („Argylle“ (2024)), Jon Favreau („Kiss the Cook: So schmeckt das Leben“ (2014)), Channing Tatum („Magic Mike XXL“ (2015), „To the Moon“ (2024)), Chris Evans („Knives Out – Mord ist Familiensache“ (2019)) und Henry Cavill („Codename U.N.C.L.E.“ (2015)).
Fazit: „Deadpool & Wolverine“ ist der dritte Teil der Deadpool-Superhelden-Reihe, der im Tonfall und in der Gewaltanwendung wohl einer der drastischen, aber trotzdem unbeschwertesten Helden des Marvel-Universums ist. Mit viel Humor, Absurditäten, Multiversen und dem hässlichsten Filmhund ist diese Action-Komödie ein Volltreffer und kann damit vortrefflich unterhalten.
Bewertung: 8,5/10
Kinostart: 24. Juli 2024
Trailer zum Film „Deadpool & Wolverine“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Wikipedia-Artikel über den Film „Deadpool & Wolverine“
- Anna Wollner, ‚Deadpool Wolverine Ryan Reynolds: Jeder Blutspritzer hat ein Grund‘, Podcast Deutschland Funk Nova, 1 Stunde Film,
- ‚“Deadpool & Wolverine“ und „Zwei zu Eins“‘, Podcast WDR 2 Kino, 25.07.2024.
- Anna Wollner, ‚Interview mit Shawn Levy & Emma Corrin in: „Natalie Portman – „Ich brauche niemanden, der mich bemuttert“‘, Podcast Eine Stunde Film – Deutschlandfunk Nova, 31.07.2024.
- ‚Deadpool & Wolverine and what’s making us happy‘, Podcast Pop Culture Happy Hour, 26.07.2024.
- ‚Dead & Wolverine / Ein Herz für schlechte Filme und Taylor Swift‘, Podcast Der Tele-Stammtisch – Der Film- und Serienpodcast, 24.07.2024.
- ‚Deadpool & Wolverine‘, Podcast Movies with My Dad, 29.07.2024.
- ‚Deadpool & Wolverine / About Dry Grasses / I saw the TV Glow‘, Podcast Truth & Movies: A Little White Lies Podcast, 26.07.2024.
- Barbara Schweizerhof, ‚Kritik zu Deadpool & Wolverine‘, epd-film.de, 2024


