„Knives Out – Mord ist Familiensache“ (2019)

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Filmkritik: Das Kinojahr 2020 fing mit dem Whodunit-Krimi „Knives Out – Mord ist Familiensache“ (OT: „Knives Out“, USA, 2019) von Rian Johnson in den deutschen Kinos wunderbar an. Mit dem verschmitzten Blick auf alle Vorgänger dieses Genres und einem hervorragenden Cast mit vielen namhaften Gesichtern lieferte der amerikanische Spielfilm gelungene Unterhaltung. 

Am Abend seines 85. Geburtstags verstarb der bekannte Krimiautor Harlan Thrombey (Christopher Plummer). Fast jeder aus seiner Familie scheint verdächtig zu sein: Seien es seine geldgierigen Kinder Linda (Jamie Lee Curtis) und Walter (Michael Shannon) oder der verzogene Enkel Hugh (Chris Evans), mit dem er am Abend zuvor auch noch einen massiven Streit hatte. Fast jedes Familienmitglied scheint ein Geheimnis zu haben. Nur Marta (Ana de Armas), Harlans Pflegerin, wirkt wie das Gute in Person. Als dann noch der berühmte Privatdetektiv Benoit Blanc (Daniel Craig) erkennt, dass diese nicht lügen kann ohne enttarnt zu werden, versucht er mit ihrer Hilfe den Mord aufzuklären. 

Daniel Craig und Ana de Armas

Geschrieben und inszeniert hat den Film der amerikanische Filmemacher Rian Johnson (*1973), den man vor allem für den Star Wars-Film „Die letzten Jedi“ (2017) kennt, der sich aber bereits mit seinen Debüt „Brick“ (2005) und dem außergewöhnlichen Actioner „Looper“ (2012) einen Namen gemacht hat. In seinem nun mittlerweile fünften Spielfilm „Knives Out“ huldigt er dem großen Whodunit-Krimi-Genre, insbesondere der Autorin Agatha Christie und der von ihr geschaffenen Figur des Hercule Poirot. Dabei bestückt er seine Geschichte mit allen notwendigen Zutaten: ein großes Anwesen, eine Familie mit vielen Geheimnissen und Ausuferungen, ein mysteriöser Todesfall und ein Detektiv, der allen auf die Schliche kommen will. Auch ein paar zeitaktuelle Bezüge, vor allem in Richtung der Alt-Right-Bewegung und Trump wurden eingebaut, und verorten die ansonsten eher zeitlose Geschichte im Hier und Jetzt. Doch von diesem klassischen Exposee aus geht Johnson, der auch Drehbuch dafür geschrieben hat, andere Wege. Zum einen löst er den Mord scheinbar recht früh auf, doch durch viele weitere Wendungen, Neuigkeiten und Twists bleibt dieser Film bis zur letzten Sekunde äußerst spannend, zumal man mit der Figur der Marta wunderbar mitfühlen kann. Zum anderen nimmt der Regisseur, obwohl er dem Genre huldigt, alles mit viel Humor. Er neigt zur Übertreibung, enttarnt Blender-Fähigkeiten und macht daraus vermutlich eines der amüsantesten Whodunit-Stücke, welche das Licht der Leinwand erblickt haben. So schafft es Johnson mit seinem klugen, spannenden Drehbuch, die Zuschauer sofort einzusaugen und bis zum Ende zu fesseln, aber das stets mit einem Tropfen Ironie und Humor. Dafür erhielt er auf der 92. Oscarverleihung 2020 auch eine Nominierung für den Oscar für das ‚Beste Originaldrehbuch‘, welcher dann aber an die koreanischen Filmemacher Bong Joon-ho und Han Jin-won für „Parasite“ (2019) ging.

Ana de Armas, Chris Evans, Don Johnson, Jaeden Martell, Jamie Lee Curtis

Dass der Whodunit so wunderbar funktioniert, verdankt der Film auch seiner Optik und der grandiosen Darstellerriege. Optisch ist er ein stylischer Oldschoolkrimi, der aber fest in der heutigen Zeit verankert ist. So passiert der Mord zwar in einem alten Herrenhaus, aber gleichzeitig twittert der Enkel fleißig darüber. Auch die Kostüme sind wunderbar zwischen Alt und Neu angesiedelt. Getragen werden sie von vielen bekannten Gesichtern mit der richtigen Attitüde. Geldgierige Erben, scheinbar gutmütige Menschen, die trotzdem nicht wissen, aus welchem Land die Pflegekraft kommt und ein Detektiv, der bereits auf den ersten Blick entlarvt wird. Daniel Craig („James Bond 007 – Spectre“ (2015), „Logan Lucky“ (2017)) gibt den Ermittler mit einem schelmischen Unvermögen. Gerade wenn man es von Agatha Christie Filmen anders gewöhnt ist, kann die Figur anstoßen, doch eigentlich transportiert er viel des augenzwinkernden Humors und betont die Fokussierung auf die eigentliche Hauptdarstellerin des Films: Ana de Armas. Ihre Rolle ist die scheinbar einzige mit Herz, an sie knüpfen sich die Sympathien der Zuschauer und mit ihr nimmt man gern jede neue Wendung in Kauf. Abgerundet von DarstellerInnen wie Jamie Lee Curtis („Ein Fisch namens Wanda“ (1988), „Halloween“ (2018)), Don Johnson („Miami Vice“ (1984), „Book Club“ (2018)), Michael Shannon („The Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ (2017)), Jaeden Martell („Es“ (2017)), Katherine Langford („Tote Mädchen lügen nicht“ (2019)), Toni Collette („Little Miss Sunshine“ (2012)), Keith Stanfield („Get Out“ (2017)), Chris Evans („Snowpiercer“ (2013), „Avengers: Endgame“ (2019)) und dem großartigen Christoph Plummer („Beginners“ (2010)) kann sich der Cast mehr als sehen lassen. Leider hat der Film zu wenig Zeit, um allen Charakteren genügend Profil zu verleihen, doch auch hier scheint die Lust am Spiel mit Stereotypen groß und so sind die Szenen mit allen Familienmitgliedern immer ein großer Spaß. Rian Johnson fand für seine Geschichte so das richtige Gewand und das perfekte Ensemble. Sie übertragen die Erzählfreude auch optisch und runden den Genuss des Films ab. 

Chris Evans

Fazit: Der Whodunit-Film „Knives Out“ ehrt die großen Vorbilder und spielt gleichzeitig mit Stereotypen, Motiven und Wendungen. Dafür stellte der Regisseur Rian Johnson ein wunderbares Ensemble zusammen, überrascht mit einer schön verschachtelten Geschichte, viel Spannung und einer ordentlichen Prise Humor. „Knives Out“ schreibt das Genre, was Agatha Christie mit ins Leben gerufen hat,  zwar nicht neu, weiß es aber gut zu nutzen, so dass man hier wunderbare Kinounterhaltung geliefert bekommt.

Bewertung: 7,5/10

Kinostart: 02.01.2020 / DVD-Start: 29.05.2020

Trailer zum Film „Knives Out – Mord ist Familiensache“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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