„To the Moon“ (2024)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Die Apollo-Missionen und die Mondlandung werden als uramerikanischer Stoff immer wieder verfilmt. Aber „To the Moon“ (OT: „Fly Me To the Moon“, USA/UK, 2024) von Greg Berlanti ist vermutlich die erste Romcom, die sich gleichzeitig mit der Mission und einer der bekanntesten Verschwörungstheorien beschäftigt. 

Die Werbefachfrau Kelly (Scarlett Johansson) ist eine gerissene Karrierefrau, die fast jeden noch so schwierigen Deal an Land ziehen kann. So wird Mo (Woody Harrelson) auf sie aufmerksam und zwingt sie förmlich dazu, für die Regierung das Image der NASA aufzupolieren. Diese ist nach einigen Fehlstarts gerade dabei, eine weitere Apollo-Mission, welche den Mond erreichen soll, vorzubereiten. Sofort stellt sie zusammen mit ihrer Assistentin Ruby (Anna Garcia) den Laden auf den Kopf. Sie zeigt die Arbeit der NASA in Fernsehbeiträgen, zieht eine Menge Werbepartner an Land und macht die ganze Raumfahrtmission sexier. Dabei gerät sie auch immer wieder mit dem Launch Director Cole Davis (Channing Tatum) aneinander, der seiner Arbeit mit Ernst und Gewissenhaftigkeit sowie einem Trauma im Gepäck nachgeht. Als aber Mo von ihr verlangt, die Mondlandung vorsichtshalber nachzustellen, ist sie kurz davor, alles hinzuschmeißen.

Jim Rash und Scarlett Johansson

Die Drehbuchautorin Rose Gilroy schuf mit ihrem Drehbuch eine ungewöhnliche Mischung aus ernsthafter Astronauten-Saga, Romcom, Workplace-Comedy und Verschwörungsklamauk. Das lässt den Film von Zeit zu Zeit etwas überladen wirken. Doch gerade diese Mischung bietet gute Unterhaltung. Hätte man sich nur auf einen Aspekt konzentriert, wäre die Story vermutlich zu dünn und auch zu bekannt gewesen. So schlägt der Film ein paar Haken und kann hier und da überraschen, auch wenn er am Ende vorhersehbar ausgeht. Die Regie sollte ursprünglich Jason Bateman („Arrested Development“ (2003-2019)) übernehmen, der aber dann wegen kreativer Differenzen abgesprungen ist. Greg Berlanti, der sich vor allem mit seinem queeren Coming-of-Age-Film „Love, Simon“ (2018) einen Namen gemacht hat, hat dafür auf dem Regiestuhl Platz genommen. Er schafft es souverän, alle Elementen inszenatorisch zu vereinen und schenkt den Szenen immer die richtige Stimmung oder das passende Gefühl. 

Scarlett Johansson und Channing Tatum

Inszeniert ist das Ganze sehr souverän. Die Zeit mit ihrer Mode, Ausstattung und Frisuren ist wunderbar eingefangen. Die Figur der Kelly wird mit den fantastischen Outfits, die alle ihr Selbstbewusstsein unterstreichen, ausgestattet und ist so ein leuchtender Gegenpart zu der doch eher sterilen Wissenschafts-NASA-Welt. Auch die Verwendung von Originalaufnahmen und die gesamte Inszenierung der Mission ist sehr überzeugend, so dass man davon ausgehen kann, dass hier viel Geld investiert wurde. Auch bei der Besetzung wurde nicht gegeizt: In den Hauptrollen sieht man das Power-Pärchen Scarlett Johansson („Jojo Rabbit“ (2019), „Marriage Story“ (2019), „Asteroid City“ (2023)) und Channing Tatum („Magic Mike XXL“ (2015), „Logan Lucky“ (2017)). Woody Harrelson („True Detective“ (2014), „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ (2017)) durfte sich als undurchsichtiger Regierungstyp austoben. Aber das Herz des Publikums gehört vermutlich den Nebenrollen u.a. Anna Garcia als engagierte Assistentin, Donald Elise Watkins („Emergency“ (2022)) und Noah Robbins als NASA-Wissenschaftler sowie Jim Rash („Community“ (2009-2015)), der hier den exzentrischen Regisseur gibt und dabei viele Spitzen in Richtung Kubrick und die bekannte Verschwörungstheorie werfen darf. So entstand hier eine Romcom, die einige zusätzliche Handlungsstränge besitzt, enorm gut ausgestattet und besetzt ist, kein Denkmal in der Filmgeschichte erhalten wird, aber kurzweilig für gute Unterhaltung sorgt.

Channing Tatum

Fazit: „To the Moon“ ist eine Komödie von Greg Berlanti, die viele Handlungsstränge besitzt und vor dem Hintergrund der Mondlandung von 1969 spielt. Dabei ist der Film überzeugend inszeniert und hervorragend besetzt u.a. Scarlett Johansson und Channing Tatum. Der Film wird kein Meilenstein der Filmgeschichte werden, bietet aber eine hochwertige Inszenierung, auch ein wenig Katzen-Content und ist leichte Unterhaltung für Zwischendurch.

Bewertung: 7/10

Kinostart: 11. Juli 2024 / DVD-Start: –

Trailer zum Film „To the Moon“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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