„Silo“ (Staffel 1, 2023)

Doreen Kaltenecker
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Serienkritik: Die Science-Fiction-Serie „Silo“ aus der Hand der Serienmacher Graham Yost, zu sehen auf Apple TV+, erzählt von einer düsteren Zukunft und einer Gesellschaft, die sich unter der Erde neu aufgestellt hat. 

Das Silo ist eine Festung unter der Erde, da die Oberfläche für die Menschen unbewohnbar wurde. Auf den 144 Stockwerken findet das Leben statt und jeder hat eine fest zugeordnete Aufgabe. Oben wohnen die Bürgermeisterin Ruth Jahns (Geraldine James) und der Sheriff Holsten Becker (David Oyelowo) und sorgen dafür, dass alles reibungslos funktioniert. Doch Holsten geht es nicht mehr so gut, seitdem seine Frau Alison (Rashida Jones) darauf bestanden hat, das Silo zu verlassen. Auch ahnt er langsam, dass mehr hinter einzelnen Vorfällen und Ungereimtheiten steckt. Doch bevor er dem Weg seiner Frau folgt, benennt er noch Juliette (Rebecca Ferguson) als seine Nachfolgerin. Auch sie leidet unter einem Verlust und versucht nun in ihrer neuen Position mehr über den Tod ihres Freundes George (Ferdinand Kingsley) herauszufinden und baut dabei auch auf die Hilfe des IT-Chefs Bernard Holland (Tim Robbins). 

Rashida Jones und David Oyelowo

Science-Fiction ist oft gepaart mit einer Dystopie, vor allem wenn es auf der uns bekannten Erde spielt. Dabei wird oft der Blick auf die Menschheit nach einer Katastrophe geworfen. So auch in dieser zehnteiligen Serie des Serienmachers Graham Yost, welche auf der mehrbändigen Romanreihe von Hugh Howey basiert. Interessant ist hier nun, dass die Menschen nicht genau wissen, was passiert ist, denn die Überlieferungen sind über die Jahrhunderte verschwommen. Frühere Technologien sind verboten und über die Außenwelt wissen die Menschen, dass sie dort nicht überleben können. Dies schafft eine spannende Ausgangslage. Zudem wurde ein Ort erdacht, der sich 144 Stockwerke in die Tiefe erstreckte. Wenn man alle Ebenen besuchen will, dauert es mehrere Tage, da keine elektrischen Fortbewegungsmittel existieren. Dadurch gibt es ganz automatisch ein Klassensystem und unterschiedliche Gemeinschaften, die jeweils einen anderen Arbeitsbereich haben. So entstand eine spannende Dystopie, die alle Möglichkeiten à la „Snowpiercer“ (2013) zur Revolution enthält, aber auch genug Spannungspotential und Ambivalenzen zwischen gut, gut gemeint und böse beherbergt.

Rebecca Ferguson und David Oyelowo

Realisiert wurde die Sci-Fi-Serie von AMC Studios für Apple TV+, die bereits mit „For All Mankind“ (2019-2023) und „Foundation“ (2021-2023) Erfolge erzielt haben. Die Serie sieht fantastisch aus. Die Dystopie spielt dabei in keiner Hightech-Zukunftswelt, wo der Edelstahl glänzt und neu erfundene Geräte alles erleichtern. Zwar gibt es eindeutige Sci-Fi-Elemente und Neuheiten, aber die scheinen eher zweckmäßig und für Zukunfts-Technologie beinah veraltet zu sein. Auch der Look des gesamten Films ist eher dreckig und runtergerockt. Das verleiht dem Film ein Gefühl von Authentizität. Denn wenn so ein Silo schon seit Jahrhunderten existiert, muss es Spuren davon tragen und auch ständig an der einen oder anderen Stelle repariert werden. Diesen Used-Look bekommt der Film gut hin. Auch die Bewohner:innen sehen wunderbar wettergegerbt aus. Allen voran Rebecca Ferguson („Girl on the Train“ (2016), „Reminiscence: Die Erinnerung stirbt nie“ (2021)) als toughe Juliet. David Oyelowo („Selma“ (2014)) als früherer Sheriff und als Rashida Jones („Parks & Recreation“ (2009-2015)) als seine Frau sind das Herzstück wie auch der verstorbene George, gespielt von Ferdinand Kingsley („Mank“ (2020)), den man nur in Rückblenden sieht. Hinzu kommen Harriet Walter („Sinn und Sinnlichkeit“ (1995), „Vom Ende einer Geschichte“ (2017)) als Bürgermeisterin, Tim Robbins („Die Verurteilten“ (1994), „A Perfect Day“ (2015), „Vergiftete Wahrheit“ (2019)) als ihr Nachfolger und Avi Nash („The Walking Dead“ (2017-2020)) als ein späterer Love Interest. Nur Common („John Wick: Kapitel 2“ (2017)) ist eine Fehlbesetzung, denn seine ganze Aura strahlt sofort Bösewicht-Vibes aus und dadurch wirken Ereignisse leider zu vorprogrammiert. So ist die Serie tadellos inszeniert und spannend geschrieben, so dass man nicht umhin kann die Folgen alle rasch nacheinander zu sehen und mit seinem offenen Ende fiebert man natürlich bereits auf eine zweite Staffel hin, die vermutlich noch 2024 erscheinen wird.

Tim Robbins

Fazit: „Silo“ ist eine Science-Fiction-Dystopie-Serie, die mit einer spannenden Ausgangslage startet. Viele Fragen und Geheimnisse machen die Serie so packend. Hinzu kommt eine durch und durch gelungene Inszenierung im schönsten, dreckig-authentischen Zukunftslook und eine hervorragende Besetzung mit vielen namhaften Stars.

Bewertung: 4/5

Trailer zur Staffel 1 der Serie „Silo“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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