„Reminiscence: Die Erinnerung stirbt nie“ (2021)

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Filmkritik: Der amerikanische Spielfilm „Reminiscence – Die Erinnerung stirbt nie“ (OT: „Reminiscence “, USA, 2021) ist das Spielfilmdebüt der Regisseurin Lisa Joy, welche hier in  klassischer Manier, wie auch Filme wie „Blade Runner“ (1982), die Genre Science-Fiction und Film Noir gelungen miteinander kombinieren.

Nachdem Miami von den Fluten heimgesucht wurde und die Hitze mittlerweile unerträglich ist, haben die Menschen ihre aktives Leben auf die Nachtzeit verlegt. So auch Nicolas Bannister (Hugh Jackman) und seine Kollegin Watts (Thandiwe Newton), welche eine Maschine anbieten, mit derer Hilfe man in seine Erinnerungen eintauchen kann. Meist treffen sie dabei auf Stammkunden und können sich eher schlecht als recht über Wasser halten. Eines Abends kommt Mae (Rebecca Ferguson) zu ihnen in den Laden. Sie möchte nur wenige Stunden zurück in die Zeit reisen, um ihre Schlüssel wieder zu finden. Nicolas verliebt sich sofort in sie. Doch eines Tages verschwindet sie einfach, aber er kann sie nicht vergessen und begibt sich auf die Suche nach ihr, was ihn in die kriminellen Abgründe der Stadt führt.

Rebecca Ferguson und Hugh Jackman

„Reminiscence: Die Erinnerung stirbt nie“ ist das Debüt der Regisseurin Lisa Joy (*1972), welche ihr Handwerk als Produzentin, Autorin und Regisseurin bei Serien wie „Pushing Daisies“ (2007-2009), „Burn Notice“ (2009-2011) und „Westworld“ (2016) gelernt hat. Hier erzählt sie eine klassische Film-Noir-Geschichte. Im Zentrum steht ein mürrischer Mann, der durch die Liebe zu einer Frau aus seiner gewohnten Umgebung ausbricht und dabei seine eigenen (meist moralischen) Grenzen überschreitet. Auch in dieser Geschichte werden im Laufe des Films Verstrickungen, Abgründe und Geheimnisse aufgedeckt, was die Geschichte durchweg spannend macht. Auch wird die schwermütige Stimmung solcher Filme hier wunderbar übertragen. So vereint sich hier gekonnt klassische Detektivarbeit, mit actiongeladenen Szenen und verklärenden, romantischen Erinnerungsbildern. Die Ähnlichkeit zu den großen Klassikern des Genres wie „Frau ohne Gewissen“ (1944) und auch den Neo Noirs wie „L.A. Confidential“ (1997) ist beabsichtigt und zollt ihnen auf diese Weise Respekt. Zudem wird hier eine Genre wieder reaktiviert, was lange nicht mehr auf den Leinwänden zu sehen war.

Hugh Jackman

All das spielt sich in einer nahen Zukunft ab, in der Miami aufgrund der klimatischen Veränderungen versunken ist und das Leben vor allem nachts stattfindet. Natürlich kann man hier wunderbar Kritik am Umgang mit der Natur herauslesen, aber vor allem ist es eine gelungene Kulisse für die Geschichte. Denn es hat seinen eigenen dystopischen Charme, wenn die Straßen voller Wasser sind und gefühlt Alles in diffuses Licht getaucht ist. Hier haben die Setdesigner alles richtig gemacht. Kostüme und Ausstattung sind dagegen eher rückwärtsgewandt und schmiegen sich an die Film-Noir-Handlung an. Auch die DarstellerInnen hauchen den Atmen alter Filme. Rebecca Ferguson („Girl on the Train“ (2016), „Dune“ (2021)) ist die perfekte Femme Fatale zwischen scheinbarer Zerbrechlichkeit und intrigenhaften Berechnung. Hugh Jackman („Wolverine“ (2013), „Greatest Showman“ (2017)) gibt den mürrischen Mann, der nur in dieser Liebe sein Glück zu finden scheint, genauso wie Thandiwe Newton („Solo – A Star Wars Story“ (2018)) die toughe, aber verschmähte Kollegin spielt. Durch und durch ist der Film formal ein Hochgenuss und bietet den perfekten Rahmen für die düstere, melancholische Geschichte, so dass man der Regisseurin Joy auch die Nähe zu Filmen wie „Blade Runner“ (1982) oder „Total Recall“ (1990) gerne verzeiht.  

Thandiwe Newton und Hugh Jackman

Fazit: Der Spielfilm „Reminiscence: Die Erinnerung stirbt nie“ ist ein Thriller im klassischen Noir-Stil, der als Kulisse ein zukünftiges Miami wählt, das durch die Klimakrise stark verändert wurde. Mit sehr guter Besetzung, perfekten Settings und einem starken melancholischen Grundgefühl führt uns die Regisseurin in ihrem Debüt durch die düstere Heldengeschichte. 

Bewertung: 7,5/10

Kinostart: 26. August 2021 / DVD-Start: noch unbekannt

Trailer zum Film „Reminiscence: Die Erinnerung stirbt nie“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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