“Vom Ende einer Geschichte” (2017)

Poster zum Film "Vom Ende einer Geschichte"Filmkritik: Der viel gelobte Film “Lunchbox” von Ritesh Batra verhalf dem Regisseur zu internationalen Erfolgen. Dies führte vermutlich dazu, dass er einen britischen, oft ausgezeichneten Roman verfilmen durfte. Im Sommer 2017 startete in deutschen Kinos die Verfilmung “Vom Ende einer Geschichte” (OT: “The Sense of an Edging” / Großbritannien, 2017).

Tony Webster (Jim Broadbent) ist ein typischer alter, grimmiger Mann, der seine Tage mit seiner Ex-Frau Margaret (Harriet Walter), seiner schwangeren Tochter Susie (Michelle Dockery) oder in seinem kleinen Fotoladen verbringt. Eines Tages erreicht ihn ein notarieller Brief, der verkündigt, dass Sarah (Emily Mortimer), die Mutter seiner Exfreundin Veronica (dargestellt von Freya Mavor und Charlotte Rampling) ihm das Tagebuch von einem alten Schulfreund vermacht hat. Dieser seltsame Umstand lässt Tony (jung von Billy Howle verkörpert) gedanklich in seinen Vergangenheit reisen und darüber grübeln, warum gerade ihm das Tagebuch seines Freundes Adrian (Joe Alwyn) vermacht werden sollte.

Der 2011 erschienene Roman “Vom Ende der Geschichte” (OT: “The Sense of Ending”) des englischen Schriftstellers Julian Barnes (*1946) hat es als einer der bedeutendsten britischen Romane in die BBC-Auswahl geschafft. So ist es nicht verwunderlich, dass eine Verfilmung nicht lange auf sich warten ließ. Entstanden ist ein recht typischer britischer Film, um einen älteren Mittelklasse-Mann, welche es vor allem in den letzten Jahren öfters mal gab. Das Drehbuch schrieb Nick Payne (*1984) und die Regie übernahm der Inder Ritesh Batra (*1979).

Gemeinsam schufen sie einen gut inszenierten Spielfilm, der zeigt, wie Erinnerungen eine Person formen und sich mit der Zeit auch verändern können. In zwei Zeitebenen werden die Ereignisse und ihre Auswirkungen viele Jahre später geschildert. Dabei bekommt der Zuschauer die Vergangenheit bruchstückhaft und teils widersprüchlich präsentiert, so dass sich das Bild erst nach und nach zu einem großen Ganzen zusammenfügt. Aber auch am Ende bleiben Fragen offen und es zeigt sich, dass Erinnerungen nostalgisch, subjektiv und manchmal sogar falsch sind. Durch diese Irritationen kommen auch hin und wieder Längen auf, aber die exzellenten Darsteller können das wunderbar überspielen. Allen voran Jim Broadbent (gesehen in: “Moulin Rouge” (2001) und “Paddington” (2014)), der die scheinbar perfekte Verkörperung von Altersstarrsinn und wehmütiger Nostalgie verkörpert. Aber auch die Nebendarsteller mit Größen wie Charlotte Rampling (“Broadchurch” (2013-2017) und “Red Sparrow” (2018)) und Emily Mortimer (“The Party” (2017)) sowie den unbekannten Jungdarstellern wurden gut ausgewählt und passen perfekt zu den gut arrangierten Bildern von Vergangenheit und Gegenwart. So glänzt der Film vor allem als Schauspielerkino und kann die ein oder andere Schwäche des Drehbuchs überspielen.

Fazit: Der britische Spielfilm “Vom Ende der Geschichte” unter der Regie von Ritesh Batra nach dem gleichnamigen Roman von Julian Barnes erzählt von Erinnerungen und wie sie einen Menschen formen können. Dabei wählt der Film einen nostalgischen, immer hübsch anzusehenden Blick. Auch wenn die Geschichte an der einen oder anderen Stelle mal ins Stocken gerät, ist der Film großartiges Schauspielerkino mit u.a. Broadbent, Mortimer und Rampling und kann so die Zuschauer an sich binden und gut unterhalten.

Bewertung: 7/10

Kinostart: 14. Juni 2017, DVD-Start: unbekannt

Der Trailer zum Film “Vom Ende einer Geschichte”:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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