“True Detective” (Serie, Staffel 1, 2014)

Poster zur ersten Staffel der Serie "True Detective"

© HBO

Serienkritik: Die amerikanische Serie “True Detectives” zeigt in den acht Folgen der ersten Staffel, wie eine konsequente Serienentwicklung funktionieren kann. Dabei überzeugen das Serienkonzept, die Ausgestaltung und vor allem die Besetzung mit den hochkarätigen Stars Woody Harrelson, Matthew McConaughey und Michelle Monaghan.

Louisana, 1995: Die beiden ungleichen Polizisten Marty Hart (Woody Harrelson), ein typischer Südstaaten-Konservativer, und der nihilistische, eigenbrötlerische Rustin „Rust“  Cohle (Matthew McConaughey) werden Partner. Gleich ihr erster gemeinsamer Mordfall – ein Ritualmord an einer Prostituierten – wird sie lange beschäftigen, bis sie schlussendlich vor der Lösung stehen. Doch 17 Jahre später werden die beiden, mittlerweile an unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben angekommen, zu diesem alten Fall befragt und es scheint, dass es Ähnlichkeiten zu einer neueren Reihe von Morden gibt.

© HBO

Der Plot mit all seinen Elementen ist eine klassische Genre-Geschichte, welche vermutlich jedem Zuschauer bekannt vorkommen müsste. Doch der amerikanische Autor Nic Pizzolatto (*1975), der bisher durch das Drehbuch zu “Die glorreichen Sieben” (2016) auffiel, schuf ein achtstündiges, abgeschlossenes Werk. In den acht Folgen erzählt er dabei nicht nur von einem ungleichen Polizistenpaar, das zusammen einen grausamen Mord löst, sondern er blickt schonungslos hinter die Kulissen seiner Figuren und so auch hinter das Gesicht der amerikanischen Gesellschaft. Die beiden Protagonisten stehen beide für einen Typus Mensch, der eine hält sich durch Selbstbetrug am Leben und der andere zerbricht an der Welt. So nutzt der Autor Pizzolatto die Chance, eine nihilistische Weltsicht und ein intellektuelles Panoptikum in den Plot einzuflechten. Cohle, mit seiner Alkoholsucht weit entfernt von einem Heiligen, legt den Finger in die richtigen Wunden.

© HBO

Die Inszenierung der Geschichte schmiegt sich dabei perfekt an. Die Regie übernahm der amerikanische Regisseur Cary Fukunaga (*1977), der sich mit seinen Filmen “Sin nombre” (2009) und “Jane Eyre” (2011) einen Namen gemacht hat. Diese geschlossene Einheit von einem Autor und nur einem Regisseur ist bei Serien keine Selbstverständlichkeit und trägt viel zur kohärenten Wirkung von “True Detective” bei. Eine Geschichte, die auf acht Folgen konzipiert wurde, ist nicht nur abgeschlossen in sich, sondern kann sich vor allem auch in der Erzählung Zeit lassen. In diesem Sinne gelingt den Serienmacher ein Kunststück, als Zuschauer fühlt sich das Erzählte gedehnt an mit ausreichend Platz für intellektuell gefärbte Dialoge und Zeiten von Stillstand, doch gleichzeitig schreitet die Geschichte unablässig voran, so dass man die verrinnende Zeit zu spüren meint.

© HBO

Wie in mittlerweile vielen US-amerikanischen Serien werden die Figuren mit prominenten Schauspielern besetzt, sei es Kevin Spacey in “House of Cards” (seit 2013) oder Brian Cranston in “Breaking Bad” (2008-2013). So verwundert es nicht, dass die Serie “True Detective” mit ihrer besonders narrativen Struktur und der Besonderheit des nicht wechselnden Regisseurs und Schreibers namhafte Schauspieler für sich gewinnen konnte. Matthew McConaughey (*1969), der spätestens seit seiner oscar-prämierten Rolle in “Dallas Buyers Club” (2013) in einer höheren Liga spielt, und der vielseitige und oft schon wunderbare Woody Harrelson (bekannt aus “Three Billboards outside Ebbing, Missouri” (2017), “Schloss aus Glas” (2017) und “Natural Born Killers” (1994)) geben ein wunderbares Duo. McConaughey schafft es dabei einem eigentlich Unsympathen ein starkes Profil mit vielen Facetten zu geben und Harrelson, der von der Art liebenswürdiger ist, besitzt genug charakterliche Fehler, um kein Abziehbild zu sein. Abgerundet wird das von dem hervorragenden Nebendarsteller-Cast, allen voran die bezaubernde Michelle Monoghan, die als Martys Frau viel ertragen muss, aber kein klassisches Opfer ist, sondern ihrer Figur viel Stärke und Persönlichkeit verleiht.

© HBO

Abgerundet wird das ganze von einem Look, welcher den Film wunderbar unterstützt. Mit ungeschöntem Blick fängt er die raue Wirklichkeit von Louisiana ein. Dabei sehen wir nicht nur weite Landschaften und hübsche Vorstadt-Häuschen, sondern auch die arme Bevölkerung in all ihren Facetten. Staubig und dreckig wirken die Bilder und lassen die 90er Jahre ganz anders aussehen, als in manch einem Gedächtnis. Genauso passend ist der fast 1,5-minütige Vorspann, der viel von dem, was in der die Serie erzählt wird, emotional mit seinem wunderbaren Song ‘Far from Any Road’ von The Handsome Family und den passenden Bildern vorweg nimmt. Dieser wurde sogar mit einem ‘Creative Arts Emmy’ ausgezeichnet.

© HBO

Fazit: Die amerikanische Serie “True Detectives” erzählt in ihrer ersten Staffel eine abgeschlossene, fast klassische Detektiv-Geschichte. Dabei besticht sie vor allem mit ihren starken Charakterisierungen der Figuren, herausragend dargestellt von Harrelson und McConaughey, und einem wirklichen, ungeschönten Look. Sie wurde dabei konsequent nur von dem Autor Nic Pizzolatto erdacht und von Cary Joji Fukunaga realisiert. Das alles macht die acht Folgen zu je einer Stunde so packend und packt mehr an Geschichte hinein, als man sich für diese Zeit hätte vorstellen können. So ist die Serie eine absolute Empfehlung und man ist gespannt, wie die zweite Staffel mit einem komplett neuen Cast sich weiter entwickelt.

Bewertung: 5/5

Trailer zur ersten Staffel der Serie “True Detectives”:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Ein Gedanke zu ““True Detective” (Serie, Staffel 1, 2014)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.