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Filmkritik: Das deutsche Drama „Rohbau“ von Tuna Kaptan, das seine Deutschlandpremiere auf den 57. Hofer Filmtage 2023 feierte, erzählt mit Hilfe eines Aufeinandertreffens zweier Menschen von illegaler Arbeit, Migration und sozialer Not.
Eines Nachts kommt auf der Baustelle eines Luxusbauprojekt ein illegaler Arbeiter ums Leben. Der Bauleiter Lutz (Peter Schneider), der diesen zum Kostensparen eingestellt hatte, verschleiert den Unfall und lässt ihn verschwinden. Bald schon denkt er selbst aufgrund des ganzen Stresses und der Deadlines nicht mehr daran. Erst als die 14-jährige Irsa (Angjela Prenci) bei ihm auf der Baustelle auftaucht, sieht er sich mit seinen Taten konfrontiert und beschließt, der Tochter des Arbeiters zu helfen, aber so, dass es ihm auch selbst nützt.
Der deutsche Drehbuchautor und Regisseur Tuna Kaptan, der an der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF) studiert hat und mit seinen Kurzfilmen wie „Are you Listening, Mother?“ (2019) bereits erfolgreich auf vielen Festivals unterwegs war und gewann u.a. auf dem 31. Filmfest Dresden 2019 einen Goldenen Reiter, konnte mit seinem ersten Langspielfilm auf dem 57. Hofer Filmtagen 2023, auf dem er seine Deutschlandpremiere feierte, gleich den Förderpreis Neues Deutsches Kino gewinnen. Er erzählt eine Geschichte aus dem Herzen Deutschlands, wo immer wieder auf illegale Schwarzarbeit zurückgegriffen wird oder Arbeiter:innen aus anderen Ländern ausgenutzt werden, um Kosten zu sparen. Hätte der Film sich mehr auf diese Aspekte konzentriert, hätte er ein starkes Bild dieser Zeit, den Arbeitsbedingungen und den dafür oft ausgenutzten Migrant:innen werden können. Doch Kaptan, der auch das Drehbuch dazu schrieb, schwenkt bald zu einer anderen Geschichte über.
Es geht ihm dann mehr um die Schuld des Bauleiters und seine verzweifelten Versuche, sich die Hände rein zu waschen. Dadurch entsteht eine seltsame Verbindung zwischen der jungen Irsa und ihm, der man rein emotional wie narrativ nur schwer folgen kann. Würde die eigene Schuld wirklich so weit reichen, ans andere Ende der Welt zu fahren? Der Roadmovie-Part wirkt so auch unpassend und mit einer anderen Tonalität bestückt. So ist der Film zwar realitätsnah, gut inszeniert und zeigt auch kurz die Schattenseite der deutschen Wirtschaft auf, verliert sich dann aber leider mit der flachen Charakterisierung der Figuren immer mehr. So sieht man dem Langfilmdebüt seine ernsten Absichten und auch einen spannenden Ansatz an, aber es findet nicht den stimmigen Weg, diese Geschichte weiter zu erzählen.
Fazit: „Rohbau“ ist das Spielfilmdebüt des Regisseurs Tuna Kaptan, der darin von gesellschaftsrelevanten Themen erzählt, aber leider seinen Fokus so gesetzt hat, dass sich der Film narrativ etwas verliert und nicht so sehr den Finger in die Wunden legt, wie er das tun könnte.
Bewertung: 5/10
Kinostart: 26.09.2024
Trailer zum Film „Rohbau“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 57. Internationale Hofer Filmtage 2023 – Katalog (Programm ‚Langfilme‘)
- Eintrag des Films „Rohbau“ beim Distributor Woodwaterfilms
- Eintrag des Films „Rohbau“ beim Missing Films Filmverleih
- Bavaria Film, ‚Förderpreis in Hof vergeben – Bavaria Film erneut Preisstifter‘, bavaria-film.de, 2023
- MFG Filmförderung, ‚MFG-gefördertes Drama „Rohbau“ des Regisseurs Tuna Kaptan gewinnt in Hof den „Förderpreis Neues Deutsches Kino“‘, mfg.de, 2023
Rudolf Worschech, ‚Kritik zu Rohbau‘, epd-film.de, 2024