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Filmkritik: Die Dokumentation „Im Prinzip Familie“ von Daniel Abma, der auf der 67. DOK Leipzig 2024 ihre Weltpremiere feierte und auch auf im Programm des 34. Filmfestivals Cottbus 2024 lief, berichtet aus dem Alltag einer Wohngruppe der Kinder- und Jugendhilfe. Sie schafft es nicht nur, gleich drei Preise auf dem DOK zu gewinnen, sondern auch das Publikum restlos zu begeistern.
In einem abgelegenen Haus am See wohnen drei Erzieher:innen zusammen mit einer Gruppe von fünf Jungen, deren Eltern sich zur Zeit nicht um sie kümmern können. Der Regisseur Daniel Abma und sein Team begleiten über ein Jahr lang diese familiäre Gemeinschaft in ihrem Alltag. Dabei liegt der Fokus auf den Erzieher:innen, die den fünf- bis 14-jährigen Jungs ein Zuhause schenken, für Orientierung und Struktur sorgen und den Kontakt zu den Familien aufrecht erhalten. Wir begleiten die Erzieher:innen darüber hinaus bei den stattfindenden Gesprächen mit den Eltern, Jugendämtern und anderen Fürsorge-Ansprechpartner:innen.
Über ein Jahr lang besuchte der Regisseur Daniel Abma mit seinem kleinen Team, bestehend aus dem Kinematographen Johannes Praus und der Tonmeisterin Alexandra Praet, das Haus am See. Dort lernten sie den Alltag der Kinder und Erzieher:innen kennen. Bereits davor besuchte Abma über fünf Jahre lang immer wieder diesen Ort und wurde zum vertrauten Gesicht. So konnte dann, als sie schließlich mit den Dreharbeiten begannen, beinahe unsichtbar das Miteinander eingefangen werden. Der Film begleitet die Erzieher:innen bei ihrem alltäglichen Zusammensein mit den Kindern samt Freizeitaktivitäten, zur Schule fahren und Hausaufgaben machen, sowie bei den Gesprächen mit dem Jugendamt und den Eltern. Der Film konzentriert sich dabei auf die beiden Jungs Niklas und Calvin, und schon nach wenigen Minuten hat man als Zuschauer:in sie (aber auch die anderen Kinder) ins Herz geschlossen. Wir fiebern mit den Erzieher:innen mit, ob und wann die Eltern zu Besuch kommen, ob Regelungen und Absprachen funktionieren und sehen, wie geborgen die Kinder in dieser Einrichtung aufwachsen.
Denn der Kern des Films sind eben nicht die Kinder, sondern die Erzieher:innen. Der Film zeigt uns, welches Talent, welche Leidenschaft und Opferbereitschaft für diesen Beruf nötig sind. Aber er zeigt auch, wie wertvoll, gut und wunderschön das alles ist und was die Kinder den Erzieher:innen zurückgeben. Er ist eine Liebeserklärung an den Beruf und eine Ermutigung, sich für diesen zu entscheiden. Um viele Menschen damit abzuholen, wählten Abma und sein Team eine leichtfüßige Inszenierung. Hier wechseln sich schwere Szenen mit Szenen voller Lachen und Freude ab. Zwischenbilder der Umgebung verschaffen dem Publikum Atempausen und wurden gezielt nach schwierigen Situationen eingebaut. Oft bringt der Film einen zum Lachen, Schmunzeln und am Ende hat man mit Sicherheit ein paar Tränchen in den Augen. So vielschichtig wie der Beruf ist auch der Film und hinterlässt zusammen mit der schönen Musik des Komponisten Henning Fuchs beim Publikum ein warmes Gefühl, so dass man sofort die Botschaft des Films in die Welt tragen möchte.
Fazit: „Im Prinzip Familie“ von Daniel Abma ist eine Liebeserklärung an den Erzieher:innen-Beruf. Mit einer leichtfüßigen Inszenierung, der richtigen Balance zwischen Gefühl und Humor und einer gelungenen Bildsprache schafft es der Film, ein breites Publikum abzuholen. So darf man sich schon jetzt auf den sommerlichen Kinostart im nächsten Jahr freuen.
Bewertung: 9/10
Kinostart: 5. Juni 2025
Trailer zum Film „Im Prinzip Familie“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 67. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm 2024 – Katalog (Programm ‚Deutscher Wettbewerb Dokumentarfilm, DOK im Knast, Schulvorstellung‘)
- Doreen Kaltenecker, ‚Dreizehn Fragen an Daniel Abma‘, testkammer.com, 2024
- Eintrag des Films „Im Prinzip Familie“ beim Camino Filmverleih
- Gundula Lasch, ‚ver.di-Filmpreis für „Im Prinzip Familie“‘, verdi.de, 2024
- Wenke Bruchmüller, ‚67. DOK Leipzig: IM PRINZIP FAMILIE von Daniel Abma‘, berliner-filmfestivals.de, 2024