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Filmkritik: Der amerikanische Regisseur Robert Zemeckis ist bekannt für Filme, mit denen man sich wohlfühlt und die sich auch oft als Weihnachtsfilme anbieten – sei es seine „Zurück in die Zukunft“-Trilogie (1985-1990), „Forrest Gump“ (1994) oder „Der Polarexpress“ (2004). Sein mittlerweile 22. Spielfilm – „Here“ (OT: „Here“, USA, 2024) – erschien nur kurz vor dem Weihnachtsfest und sollte genauso ein Film werden.
mitten in Amerika: Erst pure Natur, dann der Weg zum Anwesen von Benjamin Franklin, dann wird hier ein Haus gebaut, in dem über die kommenden Jahrhunderte viele Menschen leben werden. In das im 19. Jahrhundert erbauten Haus zog gleich am Anfang der Pilot John (Gwilym Lee) mit seiner Frau Pauline (Michelle Dockery) ein, danach das Erfinder-Pärchen Leo (David Fynn) und Stella (Ophelia Lovibond). Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen sich der Kriegsveteran Al Young (Paul Bettany) und seine Frau Rose (Kelly Reilly) dort nieder und bekamen drei Kinder. Der älteste Richard (Tom Hanks) wächst heran, will Maler werden und lernt Margaret (Robin Wright) kennen. Als sie schon früh schwanger wird, beschließen sie, zu seinen Eltern in das Haus zu ziehen. Von nun an leben sie ihr Leben und vergessen dabei, sich ihre eigenen Träume zu erfüllen.
Basierend auf der Graphic Novel „Here“ (2014) von Richard McGuire (*1957). Diese erzählt in verschiedenen Bildern die Geschichte eines Hauses und verlässt dabei nie seine feste Position. Robert Zemeckis, der zusammen mit seinem langjährigen Weggefährten Eric Roth das Drehbuch schrieb, orientiert sich dabei nur grob an der Graphic Novel und greift dort vor allem den Blickwinkel und die ein oder andere Begebenheit heraus. Die Geschichte von Richard ist lang nicht so ausführlich im Buch, wie sie hier den Raum als Hauptgeschichte des Films einnimmt. Alle anderen Episoden im Film – vor allem jene vor dem Hausbau – sind nur kurze, teils unterhaltsame, teils wenig überzeugende Episoden aus dem Leben vieler. Zemeckis nimmt dabei sehr deutlich die Position der weißen, amerikanischen Mittelklasse-Schicht ein und schafft es kaum (auch wenn er es in den Jetztzeit-Szenen versucht) über seinen Tellerrand zu blicken. So langweilig dieser Blickwinkel ist, so oft gesehen sind auch die Geschichten der Beziehungen selbst. Männer und Frauen, die aufgrund der Ehe aneinander gebunden sind und sich ihre Träume nicht erfüllen können, stehen dabei im Fokus. Eine positive Ausnahme ist die Episode aus den 1940er Jahren: Diese sprüht vor Energie und wirklicher Liebe. Alles andere darum herum sind schleppende Geschichten, die mehr unglücklich machen, als dass man hier mitfühlen könnte. Hinzu kommt ein häufiges Hin- und Herspringen zwischen den Episoden, das wohl den einen oder anderen Zuschauenden vor eine Herausforderung stellt.
Diese Sprünge resultieren aus der Form des Films. Die Position der Kamera verlässt (beinah) nie ihren Standpunkt, zeigt uns dabei die Geschehnisse des Wohnzimmers mit Blick auf die gegenüberliegende Villa oder vor dem Hausbau als kleines Stück Natur oder angelegten Weg. Dies ist per se reizvoll, auch das eingesetzte Spiel mit den Rahmen, wodurch sich Handlungen und Bilder überschneiden, hat was für sich. Doch zu Verbindungen oder Analogien kommt es in den Geschichten nicht. Auch die Ausgestaltung passt sich seiner biederen Geschichte an. Natürlich finden sie einen passenden Look für alle Zeiten u.a. einen Staubsaugerroboter für die Gegenwart, aber dabei ist nichts neu oder herausragend. Der Film wie der Look scheinen in der Zeit stecken geblieben zu sein. Natürlich nicht auf der Ebene der CGI-Effekte. Dafür wird der Film vermutlich einen Platz in der Filmgeschichte (ohne Wertung) bekommen, denn er hat das De-Aging der Schauspieler:innen hier sehr weit getrieben, sodass Tom Hanks und Robin Wright ihre Figuren zwischen der Jugend und dem hohen Alter selbst spielen können. Doch auch hier besteht das Problem, das schon „The Irishman“ (2019) von Martin Scorsese hatte, denn auch wenn die Gesichter überzeugend verjüngt sind, sind es die Bewegungen nicht. So stellt sich neben einem gewissen Gringe-Gefühl auch die Frage, ob das wirklich notwendig ist oder ob man nicht einfach für junge Schauspieler:innen den Platz räumen sollte. Auch ist man als Zuschauer:in zu lange damit beschäftigt, mit dem Look des Films klarzukommen, oder wirklich Freude daran zu entwickeln. Das hätte aber eine ansprechende Geschichte wettmachen können, aber da diese ebenso fehlt, ist „Here“ leider kein Wohlfühl-Weihnachtsfilm geworden, sondern ein Beispiel für technisch hochentwickelte Langeweile.
Fazit: „Here“ ist der neueste Film von Robert Zemeckis, der uns bisher viele liebgewonnene Filme beschert hat. Hier aber verrennt er sich in einer langweiligen, nicht ausdifferenzierten Geschichte und stark CGI-veränderten Bildern. Der bekannte Cast kann zwar von der banalen Story hin und wieder ablenken, macht den Film aber trotzdem nicht gut oder wenigstens unterhaltsam.
Bewertung: 4/10
Kinostart: 12. Dezember 2024
Trailer zum Film „Here“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Wikipedia-Artikel über den Film „Here“
- Podcast Tele-Stammtisch, ‚Here | Von Zeit und Raum‘, tele-stammtisch.de, 2024
- Tom Hanks Movie and What’s Make Us Happy, in Podcast: Pop Culture Happy Hour, 01.11.2024.
- Tom Westerholt und Anna Wollner: „Here“ mit Tom Hanks; Zurück in die Vergangenheit, in Podcast: Eine Stunde Film – Deutschlandfunk Nova, 11.12.2024.
- Britta Schmeis: Here, in: epd Film, S. 62-63.


