„Morichales“ (2023)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Die kolumbianische Dokumentation „Morichales“ (OT: „Morichales“, Kolumbien, 2023) von Chris Gude, die ihre Weltpremiere auf dem 67. DOK Leipzig 2024 feierte, erzählt auf 16mm gedreht vom Goldabbau im venezuelanischen Hinterland und schließt damit eine Trilogie über den illegalen Handel mit verschiedenen Waren ab. 

Ein Forschungsreisender besucht die Goldabbau-Gebiete in Venezuela. Er schildert seine gewonnenen Eindrücke, was er sieht und was er über den Abbau weiß. Aber er geht noch weiter. Er bewertet die Arbeit, die Mühseligkeit und den mangelnden Lohn, der daraus resultiert. Er blickt den meist jungen Männern stets mit einem neugierigen, aber kritischen Blick über die Schulter.

Der Forschungsreisende, der das Publikum begleitet, ist fiktiv und gibt dem Film mit seinem aus der Zeit gefallenen Voice-Over einen spöttischen Kommentar. Ernst nehmen sollte man diesen Besucher nicht und so kann man das Gesagte selbst hinterfragen. Doch die Bilder dagegen sind authentisch. Der in Kolumbien lebende US-amerikanische Regisseur Chris Gude fängt die Bemühungen vieler Goldsucher in unterschiedlichen, abgeschiedenen Regionen Venezuelas detailliert ein. Er zeigt deren Arbeit detailliert und aus einer rein beobachtenden Position heraus. Dabei entschied sich der Regisseur für 16mm-Film, was einige Herausforderungen wie einen asynchronen Ton mit sich brachte. Aber diese Art des Filmens war es, die sich am besten vor Ort integrierte. So ist keine Aufnahme länger als 28 Sekunden. Die insgesamt 83 Minuten sind starke Bilder, für die es teilweise gar nicht des Sprechers bedürfte, da man selbst erkennt, wie mühselig die Arbeit ist und wie viel für sie selbst herausspringen wird. Abgerundet wird die Geschichte von einem grandiosen Sound-Design. Dieses ist düster und macht die harte Arbeit und den dahinter stehenden Druck durch das kapitalistische System spürbar. Gude ist mit „Morichales“ eine starke, mit authentischen, faszinierenden Bildern versehene Dokumentation gelungen, die klar den Kapitalismus anklagt und die kleinsten Rädchen im System zeigt. 

Fazit: „Morichales“ ist eine Dokumentation von Chris Gude, die zeigt, welche Arbeit hinter dem Goldschürfen steckt. Dabei filmte er auf 16mm-Film, schuf einen faszinierenden Look, der zwar nicht verschönert, aber eine große Faszination ausstrahlt. Dazu gesellen sich ein starkes Sounddesign und ein unzeitgemäßer, als übertreibendes Element eingesetzter Erzähler.

Bewertung: 7,5/10

Kinostart: unbekannt

Trailer zum Film „Morichales“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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