„The Film Might Be White“ (2023)

Doreen Kaltenecker
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Kurzfilm / Schweden / Fiktion / 2023

Filmkritik: Der schwedische Kurzfilm „The Film Might Be White“ (OT: „Filmen känns för vit“) von Sebastian Johansson-Micci, der im Programm ‚Embodiment‘ des 40. interfilm Festival Berlin 2024 zu sehen war, ist ein bitterböse Dramödie aus dem Herzen des Universitätsbetriebs.

Zwei junge Filmschaffende (Elle Kari Bergenrud und Daniel Nyström) haben ein Werbevideo für die Kunsthochschule erstellt. Als sie ihren fertigen Film dem Kommunikationsbeauftragten (Mattias Silvell) und der Schulleitung (Anna Azcárate und Jessica Liedberg) zeigen, sind erstmal alle begeistert. Doch dann steht auf einmal die Frage immer Raum: „Ist der Film nicht zu weiß?“

Der schwedische Regisseur Sebastian Johansson-Micci griff nach einem Drehbuch, das er zusammen mit Manne Indahl schrieb, die Bewegung der Zeit auf, bei der sich viele Arbeitgeber, Firmen und Institutionen die Fragen stellen, ob sie divers genug aufgestellt sind. Dabei macht sich der Regisseur keineswegs über den Fakt lustig, dass dies ein notwendiger Denkanstoß ist, sondern an welchen Stellen solche Gedanken oftmals platziert werden. Ein Einwand des Einwands wegen ist kein Statement, sondern leere Luft. So greift er wunderbar eine Unsitte in

Anna Azcárate, Jessica Liedberg, Elle Kari Bergenrud und Mattias Silvell

der Arbeitswelt auf, bei der Kolleg:innen gerne mal Widerworte geben, aber dahinter nichts Umsetzbares steht oder es auch nicht so intendiert ist. Diese belastende Arbeitsatmosphäre fängt er ebenso stimmig ein. All das setzt er kammerspielartig in einem Raum um, in dem sich die Kamera auf drei verschiedene Arten – anhand des Fortschreiten der Diskussion – bewegt. Hervorragend von allen Darsteller:innen gespielt, fängt der Film eine wichtige Debatte ein, zeigt aber auch, dass nicht jede Anmerkung in diese Richtung etwas mit ernsthaftem Interesse an dem Themas zu tut hat und verpackt das als pointierte Dramödie, in der man als Zuschauer:in manchmal einfach nur noch den Kopf schütteln kann.

Fazit: „The Film Might Be White“ ist ein pointierter Kurzfilm von Sebastian Johansson-Micci, der einen kritischen Blick auf Personen im Arbeitsleben werfen, die Debatte nur aus Selbstzweck heraus anwerfen. Stimmig inszeniert und hervorragend gespielt, trifft der Film ins Mark.

Bewertung: 7,5/10

Trailer zum Kurzfilm „The Film Might Be White“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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