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Interview: Im Gespräch mit dem französischen Filmemacher Antoine Pinson konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Sweet, Dear Family“ (OT: „Merci la Famille“) erfahren, der auf den 58. Hofer Filmtagen 2024 im Kurzfilmprogramm lief, wie die Geschichte sich um das Kernthema Bildung kreist und wie er in diesem Film auf narrativer wie auch visueller Ebene mit dem Auslassen und Nichtzeigen gearbeitet hat.
The original english language interview is also available.
Wie ist die Idee zu Deinem Kurzfilm entstanden?
Die ursprüngliche Idee für den Film war es, einem Teenager zu folgen, der zum Kollateralopfer einer Familientrennung wird. Die Themen Elternschaft und Erziehung stehen – obwohl ich nicht genau weiß, warum – im Mittelpunkt fast aller meiner Projekte. Außerdem versuche ich immer zu vermeiden, allzu lineare Geschichten zu erzählen, also verlasse ich mich darauf, das Publikum zu führen, um ein Gefühl der Irreführung zu erzeugen.
Das hat mich dazu gebracht, den Film mit einem ersten Teil zu strukturieren, der in das Thema einführt und gleichzeitig den Eindruck vermittelt, dass der Protagonist in einer strengen und autoritären Familie homosexuell sein könnte.
Ich finde, Dein Film zeigt ganz stark, wie falsche Verhaltensmuster – der Umgang mit dem Sohn, aber auch mit dem Hund – familiär weitergegeben werden. Das hat mich wirklich berührt. Kannst Du mir sagen, welche Botschaften Dir mit dem Film wichtig waren?
Ich hoffe, der Film vermittelt die einfache Idee, dass Bildung eine große Verantwortung ist. Um dies zu verdeutlichen, wollte ich zu Beginn viel Empathie für die Hauptfigur wecken, damit die Zuschauer den Schock über die Aufforderung an seinen älteren Bruder mit all der Gewalt, für die seine Konditionierung steht, nachempfinden und in gewisser Weise einen Teil der Schuld von ihm nehmen können.
Was lag Dir visuell am Herzen?
Visuell war es meine Priorität, mit dem Offscreen-Raum zu experimentieren, ohne Frustration beim Publikum auszulösen. Mit großer Unterstützung meines Kameramanns Julien Meurice wollte ich die Wahrnehmung des Publikums vertiefen, indem ich nur Figuren zeigte, die den Protagonisten moralisch hätten erheben können. Es gibt auch das wiederkehrende Bild des Waldes und ein Spiel von Licht und Schatten, das das Thema des Obskurantismus unterstreicht.
Der Cast ist sehr gut besetzt – nach welchen Gesichtspunkten und wie hast Du ihn zusammengestellt?
Ich danke Dir. Um den Film zu finanzieren, wurden wir von einer Region unterstützt, die ziemlich weit von meinem Wohnort entfernt ist. Also habe ich Anzeigen in den sozialen Medien geschaltet und E-Mails an alle Mittel- und Oberschulen geschickt, die Theaterprogramme hatten. Auf eine dieser Anzeigen hin meldete sich schließlich Étienne Galoo.
Für die Rolle des älteren Bruders wusste ich schon beim Schreiben, dass ich mit Julien Frison arbeiten würde, einem sehr guten Schauspieler, den ich schon lange kenne. Ich war mir sicher, dass er die Subtilität und das Fachwissen mitbringen würde, die für diese Schlüsselszene erforderlich sind. Ihn an meiner Seite zu haben, war sehr beruhigend.
Kannst Du mir noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?
In der Schule war ich kein besonders guter Schüler. Es machte mir Spaß, mit dem Camcorder meines Vaters zu spielen, und ich erwähnte einmal die Idee, Film zu studieren, gegenüber dem Vater eines Freundes, dem Maler Herrn Kern, der dies für eine sehr gute Idee hielt. Von da an habe ich ernsthaft darüber nachgedacht und in Paris an der ESRA studiert, wo ich die Chance bekam, einen Kurzfilm zu drehen, der auf Festivals einige Erfolge erzielte. Danach habe ich ein wenig in der Werbung, im Fernsehen und in Comics gearbeitet und mich schließlich auf das Drehbuchschreiben spezialisiert.
Sind bereits neue Projekte geplant?
Ich bereite einen neuen Kurzfilm in Zusammenarbeit mit Julien Frison vor, mit dem ich mich zusammengetan habe. Es ist ein ehrgeiziges Projekt, das sich um das Klettern dreht, das seine Leidenschaft ist. Wir haben gerade die Finanzierung gesichert und hoffen, im Jahr 2025 drehen zu können. Außerdem haben wir derzeit drei Spielfilmprojekte in der Entwicklung.
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Sweet, Dear Family“
Interview: In our conversation with French filmmaker Antoine Pinson, we learned more about his short film „Sweet, Dear Family“ (OT: „Merci la Famille“), which screened in the short film program at the 58th Hof Film Festival 2024, how the story revolves around the core theme of education and how he worked with omission and non-display on both a narrative and visual level in this film.
How did the idea for your short film come about?
The original idea for the film was to follow a teenager who becomes a collateral victim of a family breakup. The themes of parenthood and education are—though I don’t really know why—at the heart of almost all my projects. Then, I always try to avoid telling overly linear stories, so I rely on directing the audience to create a sense of misdirection.
This is what led me to structure the film with a first part that introduces the theme while giving the impression that the protagonist might be homosexual within a strict and authoritarian family.
I think your film shows very clearly how wrong behavioral patterns – the way the son and the dog are treated – are passed on within the family. That really touched me. Can you tell me what messages were important to you in the film?
I hope the film conveys the simple idea that education is a great responsibility.
To illustrate this, I wanted to create a lot of empathy for the main character at the beginning so that viewers could feel the shock of his request to his older brother, with all the violence that his conditioning represents, and, in a way, remove some of the blame from him.
What was important to you visually?
Visually, my priority was to experiment with off-screen space without creating frustration for the audience. With great support from my cinematographer, Julien Meurice, I wanted to deepen the audience’s perception by showing only characters who could have morally uplifted the protagonist. There is also the recurring image of the forest and a play of light and shadow that underpins the theme of obscurantism.
The casting is excellent. How did you assemble it?
Thank you. To finance the film, we were supported by a region quite far from where I live. So, I posted ads on social media and sent emails to all the middle and high schools that had theater programs. In the end, it was through one of these ads that Étienne Galoo responded.
For the older brother, I knew from the writing stage that I would work with Julien Frison, who is a very accomplished actor I’ve known for a long time. I was certain he would bring the subtlety and expertise needed for this pivotal scene. Having him by my side was very reassuring.
Can you tell me a bit more about yourself and how you came to filmmaking?
I wasn’t a very good student in school. I enjoyed playing with my father’s camcorder, and I once mentioned the idea of studying film to the father of a friend, the painter Mr. Kern, who thought it was a very good idea. From then on, I began to seriously consider it, and I studied in Paris at ESRA, where I got the chance to make a short film that achieved some success in festivals. After that, I worked a bit in advertising, television, and comics, and I eventually specialized in screenwriting.
Are there any new projects in the works?
I’m preparing a new short film in collaboration with Julien Frison, with whom I’ve partnered. It’s an ambitious project centered around climbing, which is his passion. We’ve just secured the funding and hope to shoot in 2025. We also have three feature film projects currently in development.
Questions asked by Doreen Kaltenecker
Read on the german review of the short film „Sweet, Dear Family„