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Kurzfilm / Frankreich / Fiktion / 2023
Filmkritik: Der französische Kurzfilm „Sweet, Dear Family“ (OT: „Merci la Famille“) von Antoine Pinson war im Kurzfilmprogramm der 58. Hofer Filmtage 2024 zu sehen und erzählt in nur zehn Minuten, welchen Einfluss die Erziehung auf das Handeln und Denken von jungen Menschen haben.
Der 15-jährige Paul (Etienne Galoo) lebt mit seiner Familie am Stadtrand und führt auf den ersten Blick ein ruhiges, zurückgezogenes Leben. Doch in Paul brodelt es und das nicht nur, weil er an der Reihe ist, den Hund zu bestrafen, sondern auch weil sein älterer Bruder Gabriel (Julien Frison) schon lange nicht mehr zu Hause war.
Antoine Pinson, der bei dem Kurzfilm Regie führte und das Drehbuch dazu geschrieben hat, behandelt in seinem Film verschiedene Themen. Es geht ihm um familiäre Strukturen und Erziehung und darum, dass falsche Verhaltensweisen und Muster auch ‚vererbt‘ und konditioniert werden können. Dabei wird man als Zuschauer:in mitten ins Geschehen geworfen. Die Situation ist nicht klar, etwas liegt in der Luft, was aber erst nach und nach
greifbar wird. Auch was mit dem Hund passieren soll, ist nicht sofort ersichtlich. Erstaunlich dabei ist, wie entspannt die Familie mit dem, was sie dem Tier antun, umgeht. Gleichzeitig ist es auch ein Widerhall zu dem, wie sie mit dem Bruder umgeben. Nur Gabriel versucht noch, den Kontakt zu halten, doch er geht dabei den falschen Weg. Doch durch seine Erziehung ist ihm das nicht klar und wird es ihm vermutlich auch niemals klar werden. Der Kurzfilm, der äußerst realitätsnah inszeniert ist, aber die Kamera nicht drauf hält, sondern mit dem Nicht-Sichtbaren arbeitet, ist ein gelungene Geschichte darüber, wie schädlich Einfluss – familiär wie gesellschaftlich – sein kann, und wie schwierig es gerade als junger Mensch ist, sich davon zu lösen.
Fazit: „Sweet, Dear Family“ ist ein Kurzfilm des französischen Filmemachers Antoine Pinson, der darin aufzeigt, wie Erziehung und familiärer Einfluss den Verstand und den Charakter eines Menschen beeinflussen. Er findet dafür eine gelungene Bildsprache, die ihren Inhalt auch ohne Explizität oder deutlich ausgesprochene Fakten eindringlich transportiert.
Bewertung: 7,5/10
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 58. Internationale Hofer Filmtage 2024 – Katalog (Programm ‚Kurzfilme‘)
- Doreen Kaltenecker, ‚Sechs Fragen an Antoine Pinson‘, testkammer.com, 2025
- Eintrag des Kurzfilms „Sweet, Dear Family“ beim Chelsea Film Festival