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Filmkritik: Der Spielfilm „Maria“ (OT: „Maria“, Italien/Deutschland/Chile/USA, 2024) von Pablo Larraín schließt seine „Lady-with-heels“-Trilogie nach „Jackie: Die First Lady“ (2016) und „Spencer“ (2021) ab und brachte Angelina Jolie wieder groß zurück auf die Leinwände. Dafür wurde sogar auf eine Oscarnominierung spekuliert, aber der Film bekam nur eine Nominierung in der Kategorie ‚Beste Kamera‘.
Die berühmte Opernsängerin Maria Callas (Angelina Jolie) hat sich im Paris der 70er Jahre in ihrer Wohnung isoliert. Ihre großen Auftritte sind längst vorbei, ihre Stimme will nicht mehr wie früher und der Tod ihres Liebhabers Aristoteles Onassis (Haluk Bilginer) schlägt sich immer noch auf sie nieder. Nur noch selten verlässt sie ihr Haus, nimmt zu viele Tabletten und gibt sich ihren Gedanken und Erinnerungen hin. An ihrer Seite sind ihre beiden langjährigen Angestellten, ihre Haushälterin Bruna (Alba Rohrwacher) und ihr Chauffeur Ferruccio (Pierfrancesco Favino). Sie schöpft erst wieder neue Lebenskraft als ein junger Mann (Kodi Smit-McPhee) sie interviewen will und sie gleichzeitig wieder heimlich an ihrem Gesang zu üben beginnt.
Der chilenische Filmemacher Pablo Larraín, der im letzten Jahr mit seinem schrägen Vampir-Film „El Conde“ (2023) bei den Oscars vertreten war, hat 2016 mit „Jackie – Die First Lady“ begonnen, sich berühmten Frauen zu widmen, in dem er sich nur wenige Tage in deren Leben anschaut. Natalie Portman als Jackie sowie Kristen Stewart als Prinzessin Diana in „Spencer“ (2021) verkörpern dabei die Rollen, in denen sie ihren historischen Figuren nahe kommen, aber trotzdem eine eigene Versionen sind, welche den Frauen noch mehr geben, als es das faktische Wissen über sie zulässt. Auch in „Maria“, dessen Drehbuch wieder von Stephen Knight geschrieben wurde und der in Venedig seine Premiere feierte, bleibt Larraín dieser Struktur treu. Er beleuchtet die letzten Tage der Sängerin vor ihrem Tod im Alter von 53 Jahren. Dabei konzentriert sich der Film kammerspielartig auf wenige Personen, die dabei nicht mal alle real sein müssen, sondern dazu beitragen, ihre Gefühlslage zu erläutern. Durch die Gespräche mit dem Reporter (Kodi Smit-McPhee) kommt es auch zu einem Off-Kommentar ihres Lebens, da so Erinnerungen aufblitzen und sie selbst ihr Leben kommentieren kann. So entstand auch hier kein Film, der eine umfangreiche Biographie erzählt, sondern ein psychologisches Portrait einer Frau, die selber denkt, dass die Welt mit ihr abgeschlossen hat.
Die Inszenierung des Films passt sich in jeder Hinsicht dem Metier der Oper an. Die Bilder sind imposant, die Musik ist zentral und konzentriert sich ausschließlich auf die Opern, in denen Maria Callas aufgetreten ist. Dabei verwenden sie Musik aus neun Opern u.a. „Medea“ (Luigi Cherubini), „I Puritani“ (Vincenzo Bellini), „Anna Bolena“ (Gaetano Donizetti) und „Otello“ (Giuseppe Verdi). Die Musik ist dabei immer stimmungsvoll eingebaut und bekommt auch viel Filmzeit, so dass man sich auch als Nicht-Kenner hier mit der Oper im Kleinen beschäftigen kann. Dabei unterscheidet sich die groß angelegte orchestrale Musik der Erinnerungen stark von den Tagen in Paris. Um diese Musik in ihrer Fülle und Intensität zum Leben zu erwecken, arbeitete Larraín eng mit dem britischen Tontechniker John Warhurst (bekannt durch seine Arbeit an „Bohemian Rhapsody“ (2018)) zusammen. Dieser mixte die Stimme Angelina Jolies, welche dafür ein halbes Jahr Gesangsunterricht nahm, mit den Aufnahmen von Maria Callas. Dabei ließen sie in den Triumphmomenten die Stimme von Callas zu 90%-95% die Oberhand gewinnen und in den schwachen Momenten hört man dann umso mehr Angelina Jolies Gesang. Auch wenn die Besetzung nicht auf den ersten Blick 100% stimmig scheint, ist sie eine grandiose Verkörperung dieser Diva. Ihre Bewegungen, ihre Starrheit und ihre Attitüde spiegeln eine Frau wider, die noch genau weiß, wer sie einmal war, die immer noch das Scheinwerferlicht auf sich spürt und nun an sich, an ihrer versagenden Stimme und ihrem Alter zu zerbrechen droht. Dabei ist sie nicht sympathisch, jedoch kann man durch die beiden Nebenfiguren, die warmherzig und liebenswert von Alba Rohrwacher und Pierfrancesco Favino verkörpert werden, die Empfindungen mit diesem ungewöhnlichen Dreiergespann teilen. Für Jolie ist die Rolle ein Glücksgriff, nach so vielen nichtssagenden und nichtssagenden Actionfilmen ist es schön, dass ihre Talente in diese Rolle einfließen können.
Das Große und Erhabene der Figur Maria Callas manifestiert sich auch in den Bildern, der Umgebung und den Einrichtungen. Besonders gelungen ist die Kameraarbeit von Edward Lachman, der dafür zum zweiten Mal in Folge mit einer Oscarnominierung bedacht wurde. Er setzt die beiden Erzählebenen nicht nur mit der Verwendung von Farbe und Schwarz-Weiß voneinander ab, sondern verwendet auch unterschiedliche Filmformate wie 35-mm-, 16-mm- und Super-8-mm-Film und nutzt Vintage-Objektive, um den unterschiedlichen Zeiten eine differenzierte Qualität zu geben. Auch arbeitet er gern mit statischen Aufnahmen, welche den ganzen Raum zeigen oder geht ganz im Gegensatz dazu nah an die Gesichter heran, um jede Mimik zu erfassen.
Fazit: „Maria“ von Pablo Larraín ist das Ende seiner Trilogie über berühmte Frauen. Dabei erzählt er auch hier nur von wenigen Tagen aus dem Leben der Opernsängerin Maria Callas. Er besetzte diese Rolle mit Angelina Jolie, die hier beweisen kann, dass sie auch differenzierter spielen kann. Hinzu kommt eine Inszenierung, die sich das Opernhafte auf die Fahnen geschrieben hat und sich auch genügend Zeit für die Musik nimmt.
Bewertung: 7,5/10
Kinostart: 6. Februar 2025
Trailer zum Film „Maria“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Wikipedia-Artikel über den Film „Maria“
- Tina Kakadelis: Maria, in Podcast: Movies with My Dad, 18.12.2024.
- Lida Bach, ‚Maria – Kritik‘, moviebreak.de, 2024
- Moritz Holfelder und Rita Argauer, ‚Angelina Jolie als Maria Callas: Von Diva zu Diva‘, br-klassik.de, 2024
- Angelina Jolie als Operndiva: Pablo Larrin inszeniert Maria Callas, in Podcast; Ditt & Datt & Dittrich – der tiefgründige Gesellschaftspodcast, 24.12.2024.
- Babygirl / Maria + Pablo Larrain / Secretary (2002), in Podcast: Truth & Movies: A Little White Lies Podcast, 10.01.2025.


