„Spencer“ (2021)

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Filmkritik: Der neunte Spielfilm „Spencer“ (OT: „Spencer“, Deutschland/UK/USA/Chile, 2021) von Pablo Larraín erzählt von ein paar Tagen aus dem Leben der ehemaligen Prinzessin von Wales, Lady Di, und zeigt ein fiktionalisiertes, aber emotionales Portrait einer unter Depressionen leidenden Frau auf und konnte damit eine Oscar-Nominierung für die ‚Beste Hauptdarstellerin‘ auf der 94. Oscarverleihung 2022 erhalten. 

Im Jahr 1991 am Weihnachtswochenende beschließt Diana (Kristen Stewart) sich von ihrem Mann Prinz Charles (Jack Farthing) und der königlichen Familie zu lösen, da sie unter dem Druck zusammenzubrechen zu droht. Doch während alles sich um die gemeinsamen Essen und Pressetermine drehen, versucht Diana immer wieder auszubrechen, sei es beim Spiel mit ihren Söhnen Harry (Freddie Spry) und William (Jack Nielen) oder wenn ihre Garderobiere Maggie (Sally Hawkins) ihr zur Seite steht. 

Kristen Stewart und Sally Hawkins

Nach einem Drehbuch von Steven Knight (*1959), der u.a. die Bücher für Filme wie „No Turning Back“ (2013), „Allied – Vertraute Fremde“ (2016) und Serien wie „Peaky Blinders“ (2013-2022) und „See – Reich der Blinden“ (2019) schrieb, inszeniert der chilenische Regisseur Pablo Larraín (*1976), dem wir auch das starke Portrait von Jackie Kennedy („Jackie“ (2016)) verdanken, ein berührendes Portrait einer gequälten Prinzessin. Die 1997 verstorbene Prinzessin gehört zum festen Inventar der Fan-Liebe der Briten und man hat das Gefühl ihr Leben bereits in allen Details durch Medien und Berichterstattungen zu kennen. Larraín wählte deswegen einen zwar gut recherchierten, aber fiktionalen Ansatz, um zu seiner Figur vorzudringen. Er versucht dabei glücklicherweise gar nicht erst, ihr ganzes Leben einzufangen, sondern beschränkt sich auf ein paar Tage und strickt daraus ein psychologisches Portrait. So fängt er nicht nur das königliche Leben ein, sondern dringt auch in den Kopf von Diana vor, zeigt wie sie diese Welt wahrnimmt und wie sie an den Blicken, Verantwortungen und Aufgaben zu zerbrechen droht und sich an jeden Menschen klammert, der ihr abseits des royalen Betriebes Halt geben kann. Stark und einfühlsam ist die Geschichte geworden und zeigt die Prinzessin aus einem ganz neuen Blickwinkel.

Kristen Stewart

Dass dies so gut funktioniert liegt auch an der detailverliebten Ausgestaltung und der großartigen Besetzung. Zum einen schaffen es Larrain und sein Team die 90er Jahre im schönsten Zeitkolorit einzufangen. Zudem sind die Wiedergabe der Kostüme und die Auftritte der Royals perfekt nachempfunden. Daran merkt man auch, dass der Film Freude an den verschiedenen Kleidern der Prinzessin hatte und diese ebenso benutzt um Dianas Stimmung zu untermalen, die meist in einem starken Kontrast dazu steht. So sind die Zeit, die Mode und der ganz Habitus perfekt eingefangen und machen die damalige Zeit sehr lebendig. Hinzu kommt die winterliche Tristesse des Landes, denn es wird hier kein Winter-Märchen-Wunderland, sondern eine kühle Umgebung und die raue Natur eingefangen, die ebenfalls die Seelenlage unterstreichen. Lady Di wird perfekt verkörpert von Kristen Stewart, die sich schon mit Filmen wie „On the Road“ (2012), „American Ultra“ (2015) und „Jean Seberg“ (2019) von ihrem „Twilight“-Image losgelöst und ihr Schauspielertalent bewiesen hat. Sie erweckt die Prinzessin auf ganze eigene Weise, aber doch nah dran an der realen Figur, zum Leben. Sie schafft es, die Zerbrechlichkeit, aber auch ihre Stärken u.a. als Mutter einzufangen. Auch der Nebencast ist hervorragend. Timothy Spall („Harry Potter“ (2004-2011), „The Party“ (2017)) ist die Personifizierung der Überwachung, der sich Diana ausgesetzt fühlt, und Stella Gonet verkörpert als König Elisabeth das kalte Herz der Familie. Freunde findet sie in den Angestellten wie dem Koch Darren McGrady, dargestellt von Sean Harris („Mission: Impossible 5 – Rogue Nation“ (2015), „Macbeth“ (2015)), und der Garderobiere Maggie, die mit viel Gefühl von Sally Hawkins („Happy Go Lucky“ (2008), „Paddington“ (2014), „Maudie“ (2016), „The Shape of Water“ (2017)) verkörpert wird. So ist der Film auch optisch und darstellerisch ein Genus und es gelingt allen zusammen, ein starkes Portrait einer unter dem Druck stehenden und unter Depressionen leidenden Prinzessin einzufangen, wie man Lady Di vermutlich noch nie wahrgenommen hat. 

Jack Farthing, Stella Gonet, Kristen Stewart, Jack Nielen und Freddie Spry

Fazit: „Spencer“ ist ein hervorragend inszeniertes und gespieltes Drama über die Princess of Wales. Dabei beschränkt sich der Regisseur Pablo Larraín auf wenige Tage und schuf mit ein paar Kniffen ein starkes psychologisches Portrait der jungen Frau, die immer im Licht der Öffentlichkeit stand und heute noch zum britischen Gedächtnis gehört.

Bewertung: 8/10

Kinostart: 13. Januar 2022

Trailer zum Film „Spencer“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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