“Maudie” (2016)

Filmkritik: Der Fundus an unbekannteren Künstlern scheint immer noch nicht aufgebraucht zu sein. So erzählt der kanadische Spielfilm “Maudie” (OT: “Maudie”, Irland, Kanada, 2016) die Geschichte der von Arthritis gequälten Folk-Künstlerin Maud Lewis, die für viele Zuschauer nicht vertraut sein dürfte.

Maud Dowley (Sally Hawkins) leidet seit ihrer Kindheit an rheumatischer Arthritis und wird aufgrund dessen in den 30er Jahren in dem kleinen kanadischen Dorf an der Ostküste als Ausgestoßene behandelt. Auch ihre Familie hat sichtlich keine Lust, sich um sie zu kümmern. So beschließt sie auszubrechen. Als der einfache Fischhändler Everett Lewis (Ethan Hawke) eine Putzfrau sucht, nimmt sie die Gelegenheit wahr. Schnell wird klar, dass sie dafür ungeeignet ist, stattdessen malt sie das ganze Haus mit farbenfrohen, einfachen Bildern an. Everett behält sie trotzdem und nach und nach entsteht ein zartes Band zwischen den beiden. Später unterstützt er sie dabei ihre Bilder zu verwirklichen und auch zu verkaufen.

Die Künstlerin Maud Lewis (1903-1970) gilt als eine der Pioniere der kanadischen Folk Art. Der Film übernimmt dabei mit viel Liebe zum Detail ihre Lebensgeschichte, die Gestaltung und den Look ihrer Bilder und zeigt, wie Stück für Stück das nur 11 m² große Haus zu einem eigenen Kunstwerk wurde. Dieses Haus und viele ihrer Werke kann man sich in der Kunstgalerie von Nova Scotia (Halifax, Kanada) anschauen. Doch im Vordergrund steht für die Drehbuchautorin Sherry White nicht die künstlerische Laufbahn, sondern die Liebesgeschichte zweier ungleicher Menschen. Der Film handelt in der Zeitspanne von 1938 bis zum Tod von Maud im Jahr 1970 davon, wie sich die beiden Menschen kennenlernen, zuerst ablehnen, aber dann vorsichtig annähern und wie dabei eine Liebe abseits von Romantik und Kitsch entsteht. Verkörpert wird das ungleiche Paar von der britischen Schauspielerin Sally Hawkins (bekannt für “Happy Go Lucky” (2008) und “Blue Jasmine” (2013)) und dem US-amerikanischen Schauspieler Ethan Hawke (u.a. aus “Reality Bites” (1994) und “The Purge” (2013) bekannt). Mit einer guten Maske und viel körperlichem Einsatz spielen sie das Paar über 30 Jahre hinweg. An manchen Stellen meinen es die beiden etwas zu gut und geben dem Film dadurch kurzzeitig etwas Bemühtes.

Die irische Regisseurin Aisling Walsh (*1958) verwandelt das Drehbuch in eine Geschichte zwischen Naturalismus und Romantik. Das Zeitkolorit wurde wunderbar eingefangen und der Film verbreitet einen authentischen Charme. Doch die Liebesgeschichte wird, trotz schlimmer Vorfälle, mit einem zarten Blick betrachtet und dadurch etwas verklärt. Dies ist nicht nur der Tatsache geschuldet, dass es sich um ein Film nach wahren Begebenheiten handelt, sondern, dass das Publikum die warmherzige Liebe Mauds begreifen soll. Herausgekommen ist ein gefühlvoller Film, der vermutlich mehr weibliche Besucher anspricht, der aber auch die Geschichte einer noch nicht entdeckten Künstlerin und einer vergangenen Zeit erzählt.

Fazit: Der Spielfilm “Maudie” ist ein Portrait der unbekannten Künstlerin Maud Lewis mit viel Herz und Gefühl. Das Zeitkolorit wurde wunderbar eingefangen und auch die Darsteller spielen mit Herzblut. Dadurch entstand ein schöner, bewegender Film, der zwar hier und da etwas pathetisch wird, aber auf angenehme Weise eine unbekannte Künstlerin huldigt und für gute Unterhaltung sorgt.

Bewertung: 7,5/10

Kinostart: 29. Oktober 2017, DVD-Start: unbekannt

Der Trailer zu “Maudie”:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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