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Filmkritik: Die deutsche Langzeit-Dokumentation „Sisterqueens“ (OT: „Sisterqueens“, Deutschland, 2024) von Clara Stella Hünecke, die bereits auf vielen Festivals zu Besuch war und dort Preise gewinnen konnte u.a. den ‚Young Eyes‘-Award auf dem 67. DOK Leipzig 2024, kommt jetzt in die Kinos und bringt uns das Leben dreier Mädchen in Berlin näher.
Die drei Mädchen Rachel, Faseeha und die etwas jüngere Jamila lernen sich bei dem Rap-Projekt „Sisterqueens“ im Mädchenzentrum MÄDEA kennen. Zusammen mit den Betreuerinnen gründen sie die Rap-Gruppe Sisterqueens und kommen dafür regelmäßig zusammen, halten auch während der Corona-Zeit Kontakt und texten und üben fleißig für ihre Auftritte. Aber auch so passiert in den Leben der Mädchen viel in den vier Jahren und ihre Träume und Wünsche verändern sich oder nehmen klare Gestalt an.
Die Dokumentarfilmerin Clara Stella Hüneke lernte über ihre Dramaturgin Rebecca Ajnwojner das Mädchenzentrum MÄDEA und die Mädchen kennen. Über eine lange Annäherungsphase hinweg wurde nach einer Abstimmung mit allen Beteiligten die filmische Dokumentation beschlossen. In den nächsten vier Jahren – auch über die Pandemie-Zeiten hinweg – haben sie an 70 Drehtagen die titelgebenden Sisterqueens, auch im privaten Rahmen außerhalb des Zentrums, begleitet. Recht schnell war klar, dass es ein längeres Projekt werden sollte, damit die Protagonistinnen eine Entwicklung durchlaufen und das Publikum so ihre Träume und Wünsche und deren
Veränderungen mit ihnen erleben kann. Dafür wählt die Regisseurin einen klassischen Dokumentarfilmstil zwischen Interviews und Beobachtungen. Kein Off-Kommentar begleitet die Mädchen, sondern sie dürfen – auch im Gespräch mit Eltern und Erzieherinnen – stets für sich selbst sprechen. Dabei überträgt sich wunderbar ihre Energie auf die Zuschauenden. Auch ihre Meinungen über die Gesellschaft und die Stellung sowie der Blick in die Gedankenwelt dieser jungen Frauen sind ein Geschenk. Auch wenn ernste Themen natürlich dazugehören, ist der Film selbst nie schwer oder anstrengend. Mit viel Leichtigkeit und Erzählfreude wird man sofort auf die Seite der jungen Protagonistinnen gezogen. Das trifft für ein junges Publikum genauso zu wie für Erwachsene. So entstand ein Film, der einen wunderbar an die Hand nimmt, einen feministischen und ja auch kämpferischen Blick auf die Gesellschaft wirft und trotzdem sehr gut unterhalten kann, so dass man die drei Protagonistinnnen ganz unweigerlich ins Herz schließt.
Fazit: „Sisterqueens“ ist eine Langzeitdokumentation von Clara Stella Hüneke, die darin drei Mädchen vier Jahre porträtiert, die heranwachsen, ihre Träume verfolgen und einen kritischen Blick auf die patriarchalischen Strukturen werfen und mit der Rap-Musik zu sich selbst finden. Mit einer klassischen Dokumentar-Struktur und viel Leichtigkeit nimmt „Sisterqueens“ das Publikum mit auf eine unterhaltsame und dediziert weibliche Erkundung der Gesellschaft.
Bewertung: 8/10
Kinostart: 6. März 2025
Trailer zum Film „Sisterqueens“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 67. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm 2024 – Katalog (Programm ‚Young Eyes‘)
- Doreen Kaltenecker, ‚Acht Fragen an Clara Stella Hüneke‘, testkammer.com, 2025
- Eintrag des Films „Sisterqueens“ beim Dokumentale Film Festival
- Sabrina Vetter, ‚Dokumentale’24: Sisterqueens – Kurzkritik‘, filmloewin.de, 2024
- Eintrag des Films „Sisterqueens“ bei der Jugend Filmjury der Deutschen Film- und Medienbewertung
- Filmakademie Baden-Württemberg, ‚Grund zum Jubeln für die FABW bei DOK Leipzig‘, filmakademie.de, 2024