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Interview: Im Gespräch mit dem Regisseur Matteo Sanders und der Drehbuchautorin Vanessa Swoboda konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „Taschengeld“ erfahren, der seine Premiere auf dem 46. Filmfestival Max Ophüls Preis 2025 feierte, wie die Arbeiten Ken Loachs die Bildgestaltung beeinflusst haben und wie es war, in einem Einkaufszentrum im laufenden Betrieb zu drehen.
Kannst Du mir zu der Idee für Deinen Kurzfilm erzählen?
Am Anfang stand die wahre Geschichte eines Busfahrers, der sehr viel Geld in seinem Bus gefunden hat. Für unseren Film wollten wir diese als Ausgangspunkt nehmen, um zu erkunden, wie schwierig es sein kann, seinen eigenen Werten gerecht zu werden, wenn die äußeren Umstände einem entgegenstehen. Wir fanden es reizvoll zu zeigen, wie ein auf den ersten Blick glücklicher Zufall zu einem moralischen Dilemma führen kann, das jedoch mehr Optionen bietet, als zunächst vermutet.
In welchem Rahmen ist der Kurzfilm entstanden?
Der Kurzfilm ist im Rahmen von Matteos Ausbildung an der Filmakademie entstanden. Die Produzentin Sophie Tschach, Studentin im Fach Produktion, war sehr kreativ im Lukrieren weiterer finanzieller Mittel, die uns mehr Drehtage und tolle Locations ermöglicht haben.
Ihr habt als Spielort ein Einkaufszentrum gewählt. Wie war es, vor Ort zu drehen? Welche Hürden brachte das mit sich?
Das Einkaufszentrum war ein wichtiger Teil der Geschichte, da es ein Ort des Konsums ist, aber auch ein Ort der Begegnung. Die vielen visuellen und auch akustischen Eindrücke können überfordernd sein und dienen uns als Spiegel für die Überforderung unseres Protagonisten mit seiner Situation. Als Drehort hat ein Einkaufszentrum viele Vorteile. Man ist wettergeschützt, hat immer ein WC in der Nähe und eine große Auswahl an Restaurants für die Pausen. Die Hürde Nummer Eins waren sicher die vielen Menschen, die immer wieder in die Kamera geblickt haben und gleichzeitig sahen wir sie auch als Gewinn. Der Film erhält damit eine dokumentarische Dimension. Die Authentizität des Ortes und der Menschen wird so zu einer eigenen Ebene, die den fiktiven Teil des Filmes ergänzt und herausfordert.
Was lag euch visuell am Herzen?
Visuell war Sebastian Kubelka (Kamera) inspiriert vom Kamerastil Robbie Ryans in den Filmen „Sorry, we missed you“ und „I, Daniel Blake“, von Ken Loach. Wir arbeiteten also mit Teleobjektiven und Stativ, um Distanz zu haben und gleichzeitig die Welt zu verdichten. Wir wollten nicht zu sehr die Identifikation mit dem Hauptdarsteller befördern. An einer Stelle, gegen Ende des Films, als der Busfahrer Stefan von den Ereignissen komplett überfordert ist, haben wir dann eine Steadicam und weitwinklige Objektive verwendet, um auch physisch näher an ihm zu sein. Besonders am Herzen lagen uns die Supertotalen, die Wimmelbilder wie aus Kinderbüchern. Von hoch oben gefilmt, war die Idee, eine distanzierte Position zum Hauptdarsteller und seine spezifische Situation einzunehmen. Einen übergeordneten Blick auf die Welt und damit vielleicht eine allgemeine Reflexion, über die Thematik des Filmes zu erlauben.
Stefan Rager spielt seine Rolle sehr authentisch – was war Dir bei der Wahl des Darstellers wichtig?
Stefan Rager ist ein toller Schauspieler, der in einem Ausdruck Freude und Leid zusammenfassen kann und das ist im Prinzip die Essenz der Figur – die wir gleich Stefan genannt haben. Zusammen haben wir vor vielen Jahren einen Imagefilm für ein Busunternehmen gedreht. Er besitzt einen Busführerschein und war früher auch Rennfahrer, deshalb wirkt er hinter dem Steuer glaubhaft. Seitdem wir begonnen haben zu schreiben, hatten wir ihn im Kopf.
Kannst Du mir mehr zu Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?
Matteo studiert an der Filmakademie Wien, Regie und Drehbuch und arbeitete davor bei einer Filmproduktionsfirma, die ein Werbevideo über einen Busfahrer der Wiener Linien produzierte, welcher eine Tasche mit € 390.000,- (Dreihundertneunzigtausend) in seinem Bus gefunden und zurückgegeben hatte. Das war die Inspiration für den Film und eine lange gehegte Idee von Matteo.
Vanessa ist Quereinsteigerin beim Film und hat bereits bei früheren Projekten von Matteo mitgeholfen und dramaturgisch unterstützt.
Sind bereits neue Projekte geplant?
Derzeit ist ein Kurzdokumentarfilm zu Wildschweinen in Rom in Entstehung.
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Taschengeld“