“Ich, Daniel Blake” (2016)

© 2016 PROKINO Filmverleih GmbH

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Filmkritik: Dem 1936 in Großbritannien geborenen Regisseur und Autor Ken Loach verdanken wir viele Filme, die uns Einblicke in die Gesellschaftsstrukturen und die Geschichte seines Landes geben, sowie uns in die Köpfe unterschiedlichster (meist vom Schicksal gebeutelter) Menschen hineinblicken lassen. So bleibt er uns mit Komödien wie “Angel’s Share – Ein Schluck für die Engel” (2012) und Historiendramen á la “The Wind that shakes the Barley” (2006) im Gedächtnis. Sein neuester Film “Ich, Daniel Blake” (OT: “I, Daniel Blake”, GB/ Frankreich/ Belgien, 2016) schließt dort nahtlos an.

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Daniel Blake (Dave Johns) hat 40 Jahre als Tischler gearbeitet und ist nun, nachdem er durch einen Herzinfarkt berufsunfähig wurde, auf Hilfe des Staates angewiesen. Doch da ihm die Sozialhilfe verweigert wird und auch der Widerspruch sich noch länger hinzuziehen scheint, geht er aufs Arbeitsamt, um finanzielle Unterstützung zu erhalten. Dort begegnet ihm Katie (Hayley Squires), alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern, die gerade erst nach Newcastle gezogen ist. Diese steckt in ähnlichen Problemen, was die beiden bald zusammenschweißt. Zusammen versuchen sie die Hürden der Bürokratie und das Leben in Armut zu meistern.

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Ken Loach gelingt mit “Ich, Daniel Blake” ein Meisterstück. Die Geschichte ist so nah an der Realität dran, dass es schmerzhaft ist, sie anzusehen. Die menschlichen Schicksale der Protagonisten, ihre Versuche dem zu entfliehen und ihr Kummer rührt den Zuschauer zu Tränen. Aber auf der anderen Seite kann der Film einen auch mit der Absurdität der bürokratischen Unmöglichkeiten, die vielleicht dem ein oder anderen auch in Deutschland vertraut sind, zum Schmunzeln bringen. Der feine Humor bleibt vorhanden, unabhängig davon, wie dunkel es um die Protagonisten ist. Die Geschichte, die eigentlich nicht mehr erzählt als die Suche zweier Menschen nach finanzieller Sicherheit, zieht einen in den Bann und fesselt den Betrachter. Leider schafft es Loach nicht immer allen Klischees auszuweichen, überrascht dann aber immer wieder mit Aufnahmen, mit denen man so nicht gerechnet hätte. Die beiden Darsteller Dave Johns und Hayley Squires geben ihren Figuren so viel Natürlichkeit, Herz und Lebendigkeit, dass man das Gefühl bekommt dem Leben von realen Personen beizuwohnen. Im Gesamten ist es ein empfehlenswerter Film, der Wahres anspricht und tief im Herzen berühren kann. Es wäre schön, wenn er den verdienten Platz in der Filmgeschichte als großes, wenn auch leises britisches gesellschaftskritisches Kino bekommen würde.

© Le Pacte

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Fazit: Der neueste Film von Ken Loach – “Ich, Daniel Blake” – kann auf allen Ebenen überzeugen. Das Drama besitzt trotz aller Schwere einen leisen Humor, der das Gezeigte ertragbarer macht. Die Geschichte ist voller Wahrheiten und schafft es wohl, den meisten Menschen, die sich darauf einlassen können, Tränen zu entlocken. Es ist ein höchst emotionaler, gesellschaftskritischer und empfehlenswerter Film.

Bewertung: 8,5/10

Kinostart: 24.11.2016

geschrieben von Doreen Matthei

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