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Interview: Im Gespräch mit der französischen Filmemacherin Athina Gendry konnten wir mehr über ihren 36-minütigen Kurzfilm „Short Notice“ erfahren, der im ‚Wettbewerb Mittellanger Film‘ des 46. Filmfestival Max Ophüls Preis 2025 seine Deutsche Premiere feierte, wie die Geschichte aus dem Bedürfnis heraus entstand, dass es mehr queere Liebesgeschichte mit Happy End geben müsste und warum Leipzig so einen zentralen Platz im Film einnimmt.
The original english language interview is also available.
Wie ist die Idee zu Deinem Kurzfilm entstanden?
Ich würde sagen, die Hauptinspiration für den Film ist der Film „Before Sunrise“ von Richard Linklater.
Mir ist klar geworden, dass es in den meisten Filmen eine Handlung gibt, und die Dialoge ergeben sich aus dieser Handlung. Das Besondere an „Before Sunrise“ ist jedoch, dass die Dialoge die Handlung vorgeben. Das ist es, was ich an diesem Film immer geliebt habe: Das Gespräch zwischen den beiden Figuren ist so zentral, dass es die Geschichte erschafft, und genau das wollte ich auch bei „Short Notice“ machen. Ein Wechsel zwischen kleinen und großen Gesprächen, der uns eine authentische Begegnung mit den Figuren ermöglicht, die sich auch gegenseitig kennenlernen.
Parallel dazu wollte ich die Geschichte einer deutsch-französischen Beziehung erzählen, und wie kulturelle und sprachliche Unterschiede sowohl eine Mauer als auch eine Brücke für Intimität sein können, was durch meine eigenen Erfahrungen inspiriert wurde.
In welchem Rahmen ist Dein Kurzfilm entstanden?
Das Projekt wurde ursprünglich von drei Personen ins Leben gerufen: Lea Haufler (Produktion), Lily Horn (Produktionsdesign) und mir (Buch und Regie). Wir haben uns im Januar letzten Jahres zum ersten Mal getroffen, mit dem Vorsatz, einen queeren Kurzfilm in Leipzig zu drehen. Zuerst haben wir versucht, Geld von einer deutsch-französischen Förderung zu bekommen. Und damit unser Projekt deren Vorstellungen entspricht, haben wir ihnen gesagt, dass wir den Film mit einem halb französischen, halb deutschen Team machen würden. Wir haben die Finanzierung nicht bekommen, aber wir haben diese coole Idee behalten! Also begannen wir sowohl in Frankreich als auch in Deutschland mit dem Aufbau des Teams und versuchten, in jeder Filmabteilung eine Mischung aus den beiden Ländern zu haben.
Wenn man die Postproduktion mitzählt, waren wir am Ende ein Team von 50 Leuten, von denen einige sehr erfahren waren, während andere ihre allererste Erfahrung am Set machten. Der multikulturelle Aspekt dieses Projekts war sehr cool, und ich habe das Gefühl, dass die Kommunikation auf Englisch alles noch reibungsloser gemacht hat!
Am Ende wurde das Projekt durch ein Crowdfunding und durch Soli-Events, die wir in Bars und Cafés organisiert haben, bekannt gemacht, und natürlich konnte der Film dank eines wunderbaren Teams von fünfzig Freiwilligen existieren, die durch ihre Leidenschaft für das Kino und/oder die Darstellung von Queer und/ oder deutsch-französischen Themen zusammengebracht wurden.
Wieso habt ihr euch für Leipzig entschieden?
Ich habe damals in Leipzig gelebt, und die Geschichte von Lucy (der französischen Figur) und wie sie in Deutschland landet, ist meiner eigenen ziemlich ähnlich. Bevor ich dorthin zog, hatte ich noch nie etwas von Leipzig gehört (in Frankreich kennt man von diesem Teil Deutschlands oft nur Berlin) und ich dachte, dass man es entdecken muss! Auf der Leinwand wird immer nur Berlin gezeigt (und es stimmt, es ist sehr filmisch), aber Leipzig ist so schön, friedlich, mit vielen charmanten versteckten Orten.
Außerdem lebten viele Leute aus dem Team auch in Leipzig. Es war also eine gute Mischung aus meinem ‚ausländischen Blick‘ auf die Stadt und dem guten Wissen der Einheimischen aus dem Team über Leipzig. Wir konnten beide über diese Entdeckung der Stadt staunen und uns durch die Stadt bewegen, als ob wir schon seit Jahren dort leben würden.
Wie ist als Kapatult als Band zu dem Projekt dazu gekommen?
Lea Haufler (die Produzentin) und ich haben mit Inga Habiger, der Sängerin der Band, Fußball gespielt. Inga und ich hatten eine enge Beziehung zueinander, und ich glaube, sie war von Anfang an offen für dieses Projekt, wofür ich sehr dankbar bin. Die Band hat einen ziemlich vollen Terminkalender, deshalb waren wir sehr froh, dass sie einen Drehtag mit uns buchen konnten. Wir hatten vorher nicht geübt und nur ein paar Stunden Zeit, um diese Konzertszene mit vielen Statisten an unserem ersten Drehtag zu drehen und es lief super gut!
Außerdem war es für mich sehr wichtig, dass die Band live spielt, um die Authentizität der Szene zu gewährleisten: Erstens, weil ich dachte, dass es für die Band schwer wäre, zu einem ‚falschen Publikum‘ zu ‚schauspielern‘ und Lippen zu synchronisieren, da sie keine Schauspieler sind; Zweitens, weil die Menge selbst viel freier und authentischer tanzen und agieren würde, wenn sie tatsächlich in ein echtes Konzert eintauchen könnte, noch dazu mit so guter Musik.
Am Ende der Postproduktion hat Inga auch den deutsch-französischen Soundtrack „Balade ensemble“ eingespielt. Wir haben ihn zu dritt mit Lea komponiert, Inga hat den deutschen Part gesungen und ich den französischen. Wir hatten nur einen Tag Zeit, um den Song zu schreiben, und einen Abend, um die Hauptstruktur aufzunehmen, und wir lieben es, wie er geworden ist!
Die beiden Hauptdarstellerinnen sind sehr gut besetzt. Wie hast Du sie gefunden?
Wir haben Angela Sichanh (Lucy) und Victoria Findlay (Janna) über die wichtigsten Casting-Websites in den jeweiligen Ländern gefunden (Cineaste.org in Frankreich, Crew United für Deutschland). Beide passten nicht so sehr zu den körperlichen Eigenschaften der Figuren, wie sie im Drehbuch beschrieben waren, aber sobald wir ihre Showreels sahen, war es offensichtlich, dass sie perfekt für Lucy und Janna waren! Wir mochten die natürliche Verspieltheit, die Authentizität und die Subtilität in ihrem Spiel. Es war auch wichtig, dass wir auf menschlicher Ebene zusammenpassen, da wir drei keine Zeit hatten, uns vorher persönlich zu treffen. Bis zum Tag vor den Dreharbeiten hatten die beiden Schauspielerinnen überhaupt nicht miteinander gesprochen! Und unser erster Drehtag war dann die Kussszene! Wir haben also auch Leute ausgewählt, bei denen wir das Gefühl hatten, dass es viel Sorgfalt, flüssige Kommunikation, Offenheit und Spaß geben würde! Und dabei natürlich super professionell sind. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir mehr als glücklich waren, mit diesen großartigen Schauspielerinnen zusammenzuarbeiten, noch dazu bei einem unbezahlten Projekt.
Kannst Du mir noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?
Ich begann das Filmemachen mit einer Recherche über queeres Kino. Meine These war: „Warum gibt es keine queeren Happy Ends auf der Leinwand?“ Ich habe viel zu diesem Thema geschrieben und gemerkt, dass ich selbst versuchen wollte, eine unterhaltsame Darstellung von Queer zu machen, eine, die ich als Teenager gerne gesehen hätte. Obwohl ich nie zuvor Film studiert oder gedreht hatte, dachte ich: „Die Queers hungern nach einer schönen Darstellung ihrer selbst auf der Leinwand, lass es uns etwas versuchen!“. So habe ich 2021 meinen ersten Kurzfilm gedreht: „Bonsoir“. Danach habe ich einige Jahre als Filmkritikerin vor allem für das queere Kino gearbeitet. Ich habe auf eine neue Filmidee gewartet, und die kam dann letztes Jahr!
Sind bereits neue Projekte geplant?
Ja! Als das „Short-Notice“-Team im November zur Frankreich-Premiere nach Paris kam (auf dem Chéries Chéris Festival, wo wir die Chance hatten, den Preis der Jury zu bekommen!), nutzten wir die Gelegenheit, wieder zusammen zu sein, um einen weiteren (sehr) kurzen queeren Film zu drehen. Ihr könnt euch den Film hier ansehen: „Répéter la lecture“. Er wurde für einen französischen Filmwettbewerb gedreht, bei dem man einen zwei-minütigen Film über ein Thema drehen muss (dieses Jahr war das Thema „eine Superpower“). Es hat sehr viel Spaß gemacht, wieder zusammen zu drehen! Jetzt sind wir ein deutsch-französisches Kollektiv, das sich Let’s gay prod nennt, aber es ist noch nicht offiziell.
Außerdem weiß ich nicht, ob das hier auch eine deutsch-französische Produktion wird, aber ich schreibe gerade einen Langfilm. Es ist ein One-Take-Film, der während eines Flinta*-Fußballspiels spielt. Das ist eine coole Herausforderung, ich kann es kaum erwarten!
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Short Notice“
Interview: In our conversation with French filmmaker Athina Gendry, we learned more about her 36-minute short film „Short Notice„, which celebrated its German premiere in the ‚Competition Medium Length Film‘ of the 46th Filmfestival Max Ophüls Preis 2025, how the story was born out of the need for more queer love stories with happy endings and why Leipzig occupies such a central place in the film.
How did the idea for your short film come about?
I would say that the main inspiration of the film is the movie „Before Sunrise“ by Richard Linklater.
I realised that in most films, there’s a plot, and dialogues emerge from that plot. On the contrary, the specificity of Before Sunrise, is that the dialogues make the plot. That’s what I always loved about that film: the conversation between the two characters is so central that it creates the story, and that’s what I wanted to do with „Short Notice“ too. An alternation between small and deep talks that enables us to have an authentic encounter with the characters, who are getting to know each other too.
Parallel to that, I wanted to tell the story of a French-German relationship, and how cultural & language differences can be both a wall and a bridge for intimacy, which was inspired by my own experience.
In what context was your short film made?
The project was initially born from three people: Lea Haufler (production), Lily Horn (production design) and me (writing and directing). We met for the first time last January, with the will to create a queer short film in Leipzig. At first, we tried to get money from a French-German funding. And in order to make our project match their value, we told them that we would do the movie with half a French team, half a German team. We didn’t get the funding, but we kept that cool idea! So, both in France and Germany, we started building the team, trying to have a mixture of the two countries in each film department.
Counting the post production, we ended up being a team of 50 people, some being really experienced, others living their very first experience on set. The multicultural aspect of that project was very cool, and I feel like the communication in English actually made everything smoother!
In the end, „Short Notice“ was made with a crowdfunding, with Soli-events that we organised in bars and cafes, and of course, the movie could exist thanks to a wonderful team of fifty volunteers, gathered by a passion of cinema, and /or queer representation, and/or French-German topics.
Why did you choose Leipzig and what was important to you to show about Leipzig?
I was living in Leipzig back then, and the story of Lucy (the French character) and how she ends up in Germany, is quite similar to my own. Before moving there, I had never heard of Leipzig (in France, we often only know Berlin from that area of Germany) and I thought that people had to discover it! It’s always Berlin which is shown on screen (and right, it’s very cinematic) but Leipzig is so beautiful, peaceful, with many charming hidden places.
Besides, lots of people from the team lived in Leipzig too. So it was a good mixture between my „foreigner eye“ of the city, and the good knowledge of Leipzig by the locals from the team. We could both be amazed by this discovery of the city, and navigate through it like we lived there for years.
How did Kapatult as a band get involved in the project?
Lea Haufler (the producer) and I played soccer with Inga Habiger, the singer of the band. Inga and I had close-people in common, so I think she was straight away open to this project, which I’m very grateful for. The band is quite busy in terms of musical agenda, so we were very happy that they could book a day to shoot with us. We didn’t practice before and only a few hours to shoot this concert scene, with a lot of extras, on our first shooting day… And it went super well!
Besides, it was very important for me that the band played live, for the authenticity of the scene: firstly because I thought that it’d be hard for the band to „act“ and lip sync to a „fake crowd“, as they’re not actors ; secondly because the crow itself would dance and act way more freely and authentically if they could actually be immersed in a real concert, all the more with such good music.
At the end of the post production, Inga also joined us for the French-German credit soundtrack „Balade ensemble“. We composed it with the three of us with Lea, Inga sang the German part and I sang the French one. We only had one day together to write the song, one evening to record the main structure of it, and we love how it ended up being!
The two leading actresses are very well cast. How did you find them?
We found Angela Sichanh (Lucy) and Victoria Findlay (Janna) through the main casting websites on each country (Cineaste.org in France, Crew United for Germany). Both of them didn’t match so much the physical traits of the characters like they were written in the script, but as soon as we saw their Showreels, it was obvious that they were perfect for Lucy and Janna! We really liked the natural playfulness, authenticity and subtlety in their acting. It was also essential that we matched on a human level, as the three of us wouldn’t have time to meet in person before. Until the day before shooting, the two actresses hadn’t talked to each other at all! And our 1st shooting day was the kissing scene… So we also chose people with whom we had the intuition that there would be a lot of care, fluid communication, openness, and funniness! While, of course, being super professional. To sum up, we were more than lucky to work with these amazing actresses, all the more on a non-paid project.
Can you tell me a bit more about yourself and how you came to filmmaking?
I started filmmaking with a research on queer cinema. My thesis was: „Why are there no queer happy endings on screen?“ I wrote a lot on that topic, and realised that I wanted to try myself to make an enjoyable queer representation, one that I would have liked to see when I was a teenager. Even though I had never studied or done filmmaking before, I thought: „the queers are starved for happy representation of themselves on screen, let’s go try something“. That’s how I did my first short film in 2021, Bonsoir. Then, I spent some years being a film critic, especially on queer cinema. I was waiting for a new film idea to come up, and it did last year!
Are there any new projects planned?
Yes! When the „Short Notice“ team came to Paris for the French Premiere in November (at the Chéries Chéris festival, where we had the chance to get the jury prize!), we took the occasion of being together again to shoot another (very) short queer film. You can watch the film here: „Répéter la lecture„. It was made for a French film contest, in which you have to direct a 2min movie on a topic (this year, the theme was „a super power“). It was super fun shooting together again! Now we are a French-German collective, called Let’s gay prod, but it’s not official yet.
Besides, I don’t know if this one is going to be a French-German production as well, but I’m writing a feature film at the moment. It’s a one-take film, occuring during a Flinta* soccer game. It’s a cool challenge, I’m impatient!
Questions asked by Doreen Kaltenecker
Read on the german review of the short film „Short Notice„

