- Sieben Fragen an Jona Schloßer - 24. April 2026
- „Trance“ (2026) - 24. April 2026
- Kinostarts 23.04.2026 - 22. April 2026
Filmkritik: Der Spielfilm „Mond“ (OT: „Mond“, Österreich, 2024) ist der zweite Spielfilm der im Irak geborenen, österreichischen Filmemacherin Kurdwin Ayub, die mit ihrem Debütfilm „Sonne“ auf der 72. Berlinale 2022 den Preis der Gesellschaft zur Wahrnehmung von Film- und Fernsehrechten als Bester Erstlingsfilm gewinnen konnte. Bevor der Film jetzt in den Kinos startet, konnten die Besucher:innen des 46. Filmfestival Max Ophüls Preis 2025 in der Nebenreihe ‚Watchlist‘ sehen.
Sarah (Florentina Holzinger) muss ihre Karriere als Martial-Arts-Kämpferin an den Nagel hängen. Danach entsteht erst einmal eine große Lücke und die Frage, was sie mit ihrem Leben anfangen soll, schwebt über allem. Als sie das Angebot erhält, in Jordanien drei Schwestern einer reichen Familie zu trainieren, klingt das nach einem einfachen und gut bezahlten Job. So packt sie ihre Sachen und verlässt Österreich. Doch vor Ort wird ihr schnell klar, dass nicht nur die drei Schwestern Nour (Andria Tayeh), Fatima (Celina Antwan) und Shaima (Nagham Abu Baker) unmotiviert sind, sondern dass noch mehr in der großen Villa vor sich geht.
Die im Irak geborene Regisseurin und Drehbuchautorin Kurdwin Ayub begeisterte bereits mit ihrem Erstlingswerk „Sonne“, das eine Geschichte über das Erwachsenwerden dreier junger Frauen mit Migrationshintergrund erzählt. Dieses Mal steht eine erwachsene Österreicherin im Zentrum der Geschichte. Diese trifft aber mit ihrer Unsicherheit bezüglich ihrer Zukunft auf drei junge Frauen, die erst einmal nicht so wirken, als shoppen gehen zu wollen und ihre Social-Media-Kanäle zu checken. Doch mit dem Verlauf des Films wandelt sich die Geschichte immer mehr in einen Thriller und es geht um patriarchalen Missbrauch und den Drang und Wunsch nach Freiheit, auch wenn das bedeutet, sich von seiner Familie zu lösen. Der Film basiert auf der wahren Geschichte der Prinzessin Latifa, die 2018 versuchte aus dem väterlichen Königreich Dubai zu fliehen und damit scheiterte. So geht es auch in Ayubs zweiten Film um Emanzipierung und weibliche Ermächtigung. Dabei muss die Regisseurin die relevanten Aussagen nicht wörtlich ausformulieren, sondern transportiert sie über die Geschichte und das Mitgefühl, was man als Zuschauende den Frauen entgegenbringt.
Dass dies so gut funktioniert, verdankt der Film seiner starken Inszenierung, die es schafft, die luxuriöse Villa wie einen traurigen Käfig wirken zu lassen und die stets dem Realismus verschrieben ist. Das passt perfekt mit dem grandiosen Spiel der Schauspielerin und Performancekünstlerin Florentina Holzinger zusammen, die hier ihr Kinodebüt abliefert und es schafft, die stolze, reservierte Sarah so zu verkörpern, dass man die Risse in ihrer Stärke und auch ihre Ohnmacht und Erschöpfung spüren kann. Doch was bleibt einem anderes übrig, als weiter zu kämpfen? Auch die drei Jungdarsteller:innen Andria Tayeh, Celina Antwan und Nagham Abu Baker als die Geschwister sind sehr gut besetzt und schaffen es mit ihrem ambivalenten Spiel, die Zuschauer:innen anfänglich im Unklaren zu lassen und dann klar auf ihre Seite zu ziehen.
Fazit: „Mond“ ist der zweite Spielfilm der Regisseurin Kurdwin Ayub, die dieses Mal eine Geschichte zwischen Culture Clash, schädlichem Patriarchat sowie weiblichen Befreiungsbemühungen und Selbstermächtigung erzählt. Großartig inszeniert, zwischen Drama und Thriller, sowie stark besetzt, zieht einen „Mond“ in seinen Bann und lässt die Zuschauenden nervös dem Ende entgegenfiebern.
Bewertung: 7,5/10
Kinostart: 27. März 2025
Trailer zum Film „Mond“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 46. Filmfestival Max Ophüls Preis 2025 – Katalog (Programm ‚Watchlist‘)
- Eintrag des Films „Mond“ auf der Website der Regisseurin Kurdwin Ayub
- Eintrag des Films „Mond“ beim Österreichischen Filminstitut
- Wikipedia-Artikel über den Film „Mond“
- Elena Philipp, ‚Kurdwin Ayub: Mond – Preisgekrönter Spielfilm mit Florentina Holzinger‘, nachtkritik.de, 2025
- Valerie Dirk, ‚Regisseurin Kurdwin Ayub: „Ich bin patriarchal aufgewachsen – ganz arg“‘, derstandard.at, 2025
- Locarno Filmfestival: Interview mit Kurdwin Ayub zu „Mond“, in: Podcast – Moviebreak Podcasts, 16.08.2024.
- Julia Baschiera: Das größte Talent des österreichischen Kinos: „Mond“ von Kurdwin Ayub, in Podcast: Deutschlandfunk Kultur – Vollbild, 17.08.2024.
- #578 Kurdwin Ayub: „Sonne“, „Mond“ und „Sterne“ / 02.09.22 in Podcast: Über Medien reden – 365, der tägliche Podcast, 02.09.2022.
- Petra Dorrmann, ‚ttt – titel, thesen, temperamente: Performance-Star Florentina Holzinger im Thriller ‚Mond‘‘, ardmediathek.de, 2025
