Sieben Fragen an Rafa Dengra Oliver

Doreen Kaltenecker
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Interview: Im Gespräch mit dem spanischen Regisseur und Drehbuchautor Rafa Dengra Oliver konnten wir mehr über seinen Horror Short „Imago“ erfahren, der im Genre-Programm des 26. Landshuter Kurzfilmfestivals 2026 zu sehen war, wie er den Film mit eigenen Mitteln und als Proof-of-Concept für den Spielfilm erstellt hat, wie wichtig ihm handgemachte Effekte sind und wie er sich das Filmemachen autodidaktisch beigebracht hat.

The original english language interview is also available.

Wie ist die Idee zu dem Kurzfilm entstanden?

Eigentlich ist „Imago“ ein Spielfilm, den ich aufgrund der vielen praktischen Spezialeffekte, die ich darin haben möchte, nicht in Eigenregie produzieren kann. Deshalb habe ich beschlossen, einen Kurzfilm aus der Eröffnungsszene des Spielfilms zu machen, der als eigenständige Geschichte funktioniert. Der Hauptunterschied besteht darin, dass der Kurzfilm mit zwei Schwestern beginnt, während der Spielfilm mit einer Mutter und ihrem 8- bis 10-jährigen Sohn Pau startet. Tatsächlich begann alles mit der Grundidee, dass ein Kind zu seiner Mutter sagt: „Ich bin nicht Pau, ich habe Pau gegessen.“ Das ging mir tagelang durch den Kopf, bis ich anfing, die Idee weiterzuentwickeln. Im Spielfilm gelangt das in dem Zimmer aufgenommene Video nach dieser Eröffnungsszene zu einem audiovisuellen Experten, der seine Echtheit überprüfen soll. Marta, Santi und Paus Familie suchen nach ihnen, weil sie verschwunden sind, und der einzige Hinweis, den sie haben, ist das Video, das ihnen anonym zugesandt wurde. Die Ermittlungen führen zu weiteren erschreckenden Videos und einer sehr, sehr düsteren Handlung.

Mayka Dengrá und Laura P. Gracia

In welchem Rahmen und mit welchem Mittel konntet ihr den Film realisieren?

Ich habe einige Zeit damit verbracht, nach Finanzmitteln für den Spielfilm „Imago“ zu suchen. Dann kam die Pandemie und alles kam zum Stillstand, also beschloss ich, die Eröffnungsszene als Kurzfilm zu drehen – etwas, das ich selbst produzieren konnte und auf das ich mich nach so langer Zeit, in der dieses Drehbuchprojekt unvollendet herumlag, sehr freute. Die Idee entstand 2016, und das Drehbuch habe ich seit 2017. Ich habe meine eigenen Ressourcen genutzt, darunter technische Ausrüstung wie Kamera, Objektive, Beleuchtung, Tonausrüstung usw., sowie ein sehr kleines Team: Drei Schauspieler und drei Personen für die technische Seite. Glücklicherweise bin ich in der Lage, viele Dinge selbst zu erledigen, was die Umsetzung eines kleinen Projekts erheblich erleichtert. In diesem Fall habe ich Regie, Kamera, Fotografie, Schnitt und Musik übernommen und wir haben bei einem Freund zu Hause gedreht.

Was lag euch visuell am Herzen?

Mayka Dengrá und Laura P. Gracia

Visuell lege ich immer mehr Wert auf die Bedeutung des Lichts und versuche, die Botschaft durch Kamerawinkel, Kameraführung und das Tempo des Schnitts zu unterstreichen – all das macht die audiovisuelle Erzählung aus. Ich bin der Meinung, dass der visuelle Aspekt in einem Film 60 bis 70% ausmacht, und dass der Ton alles verstärken muss, was man mit den Bildern ausdrücken möchte. Ich versuche, einen kreativen und visuell ansprechenden Look zu erzielen, der fesselnd genug ist, um die Zuschauer zu bannen.

Kannst Du mir zum Monsterdesign und den Effekten erzählen?

Ich bin mir sicher, dass Spezialeffekte in Horror- und Fantasyfilmen unglaublich wichtig sind. Und ich habe keinen Zweifel daran, dass ich praktische Effekte den Digitalen vorziehe. Das Organische hat etwas Magisches an sich, und vor allem verleiht es dem Gesehenen Realismus und Glaubwürdigkeit. Etwas, das digitale Effekte meiner Meinung nach nicht erreichen, wodurch man unwillkürlich aus der Geschichte herausgerissen wird. 

Das Problem ist, dass ich nicht über die Fähigkeiten verfüge, realistische praktische Effekte zu erstellen, und dass es sehr teuer ist, sie in Auftrag zu geben. Bei diesem Kurzfilm war mir ganz klar, dass ich etwas Unglaubliches wollte, das aber auf einer realistischen Grundlage beruht, damit es die gewünschte Wirkung auf den Zuschauer hat: die Realität zu verzerren und etwas, das Sicherheit vermittelt – die Gestalt des Partners, der Schwester, des Kindes – in etwas Schreckliches zu verwandeln. Das Ziel war also, eine realistische Laura (die Darstellerin, die Marta spielt) zu schaffen, die auf unmögliche Weise deformiert war, sodass ich bei den letzten Einstellungen verweilen und zusammen mit dem Ton genau am Ende den Höhepunkt maximalen Schreckens erzeugen konnte. Wir haben versucht, den Effekt praktisch umzusetzen, aber er erreichte nicht das Maß an Realismus, das ich brauchte, also musste ich eine Version erstellen, die auf später gedrehtem Filmmaterial von Laura basierte, wobei ich die Beleuchtung der Szene simulierte, sie verzerrte und in After Effects übereinanderlegte. Ich denke, es hat funktioniert, aber es ist nicht das, was ich angestrebt habe, und im Spielfilm wird es anders sein.

Das Spiel der Darstellenden ist großartig. Kannst Du mir zur Auswahl der Darstellenden berichten?

Raúl Delacruz

Ich finde sie auch fantastisch. Es war mir sehr wichtig, die Darstellungen glaubwürdig zu gestalten, damit die Wirkung umso größer ist, wenn die Geschichte eine düstere Wendung nimmt. In diesem Fall war die Besetzung sehr einfach, und das war auch ein Grund, warum ich den Kurzfilm gedreht habe, denn ich hatte die Schauspieler bereits im Kopf, und sie stehen mir sehr nahe. Es sind Mayka Dengrá (meine Schwester), Laura P. Gracia (meine Partnerin) und Raúl DelaCruz, ein sehr enger Freund, mit dem ich schon seit vielen Jahren zusammenarbeite. Wir haben die Dialoge für jeden Schauspieler ein wenig angepasst, um der Szene Realismus zu verleihen, und ich finde, das funktioniert perfekt.

Kannst Du mir noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?

Ich drehe schon seit vielen Jahren Kurzfilme, fast alle im Fantasy- und Horror-Genre, dazu kommen ein paar Horrorkomödien. Als ich mich zum ersten Mal für Film interessierte, konnte ich leider keine formelle Ausbildung absolvieren, da ein Filmstudium in Spanien damals sehr teuer war und ich es mir nicht leisten konnte. Das führte mich jedoch auf einen anderen Weg – einen viel längeren, der mir aber Unabhängigkeit verschafft hat: das Autodidaktentum. Nach und nach investierte ich Geld in Filmausrüstung, lernte dazu und drehte unzählige Kurzfilme, Videos und Testaufnahmen. Anfangs waren sie furchtbar, aber nach und nach lernt man dazu, verbessert seine Fähigkeiten und rüstet seine Ausrüstung auf. Dieser Lernprozess und die Fähigkeit, viele Dinge selbst zu erledigen – Drehbuch schreiben, Regie führen, filmen, beleuchten, Farbkorrekturen vornehmen, schneiden, Musik komponieren, Effekte erstellen und sogar schauspielern (was für die Regie von Schauspielern sehr hilfreich ist) – geben mir die Unabhängigkeit und die Möglichkeit, Projekte zu entwickeln, ohne ein großes Team zu benötigen. 

Ich bin außerdem Gründer und Leiter eines Kurzfilmfestivals namens Fantosfreak, das sich auf Fantasy, Horror und Freak-Filme konzentriert. Dieses Jahr feiern wir die 27. Ausgabe, und es ist einfach großartig. Im Juli haben wir fünf Nächte lang Kurzfilme aus aller Welt unter freiem Himmel gezeigt und jeden Abend mehr als 2.000 Menschen zusammengebracht. Filme auf einer großen Leinwand zu sehen und diese Erfahrung mit anderen Zuschauern zu teilen, ist magisch und verwandelt das Erlebnis in etwas ganz anderes, als wenn man sie allein zu Hause anschaut.

Gibt es weitere Projekte?

Nachdem ich bereits viele Kurzfilme gedreht habe, von denen einige auf führenden Genre-Festivals mehrfach ausgewählt und ausgezeichnet wurden, möchte ich mich nun dem Spielfilmformat zuwenden. 2022 habe ich einen selbst produzierten Fantasyfilm mit Horrorelementen namens „Emerge“ gedreht, was eine sehr lehrreiche Erfahrung war. Die Erzählweise unterscheidet sich von der eines Kurzfilms, und es war etwas ganz Neues für mich, einzelne Einstellungen einer Szene zu drehen, ohne mir alle Szenen im Kopf vorstellen zu können. Nach dieser Erfahrung möchte ich erneut nach Finanzmitteln suchen, um den Spielfilm „Imago“ zu realisieren, und in der Zwischenzeit sammle ich Ideen, um bald einen weiteren Spielfilm unabhängig zu drehen. Ich weiß mit Sicherheit, dass es ein Horrorfilm werden wird, und ich möchte mich stark auf die Kameraführung und den Ton konzentrieren, mit dem Ziel, etwas zu schaffen, das gleichzeitig schön, düster und sehr beunruhigend ist.

Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Imageo“


Interview: In our conversation with Spanish director and screenwriter Rafa Dengra Oliver, we learned more about his horror short film “Imago”, which was screened in the genre program of the 26th Landshut Short Film Festival 2026, how he created the film with his own resources and as a proof-of-concept for a feature film, how important handmade effects are to him, and how he taught himself filmmaking.

How did the idea for the short film come about?

Actually, „Imago“ is a feature film that I can’t self-produce because of the number of practical special effects I want it to have. So I decided to make a short film of the feature film’s opening scene, which works as a standalone story. The main difference is that the short begins with two sisters, while the feature film starts with a mother and her 8- to 10-year-old son, Pau. In fact, it all began with the basic idea of ​​a child telling his mother, „I’m not Pau, I ate Pau.“ It stayed in my head for days until I started developing it. In the feature film, after this opening scene, the video recorded in the room reaches an audiovisual expert to verify its authenticity. Marta, Santi, and Pau’s family are looking for them because they’ve disappeared, and the only clue they have is the video that was sent to them anonymously. The investigation leads to other terrifying videos and a very, very dark plot.

In what context and with what resources were you able to make the film?

I spent some time looking for funding for the Imago feature film. Then the pandemic hit and everything came to a halt, so I decided to film the opening scene as a short film, something I could self-produce and that I was excited about after so long with this written project sitting unfinished. The idea originated in 2016, and I’ve had the script since 2017. The resources I used were my own, including technical equipment like a camera, lenses, lights, sound equipment, etc., and a very small crew: three actors and three people for the technical side. Luckily, I’m capable of doing many things, which makes getting a small project off the ground much easier. In this case, I handled the directing, filming, photography, editing, and music, and we filmed at a friend’s house.

What was important to you visually?

Visually, I increasingly emphasize the importance of light and try to enhance the message through camera angles, cinematography, and the pacing of the editing, which is what defines the audiovisual narrative. I believe that in a film, the visual aspect accounts for 60-70%, and then the sound must amplify everything you want to express with the images. I try to achieve a creative and visually appealing look, one that’s compelling enough to hold your attention.

Can you tell me about the monster design and the effects?

I’m certain that special effects in horror/fantasy films are incredibly important. And I have no doubt that I prefer practical effects to digital ones. There’s something magical about the organic, and above all, it lends realism and verisimilitude to what you’re seeing. Something that, in my opinion, digital effects fail to achieve, causing your mind to involuntarily leave the story. The problem is that I don’t have the skill to create realistic practical effects, and they’re very expensive to hire. For this short film, I was very clear that I wanted something unbelievable, but with a realistic foundation, so that it would have the desired effect on the viewer: to distort reality and transform something that conveys security—the figure of your partner, your sister, your child—into something terrifying. So, the goal was to create a realistic Laura (the actress who plays Marta) who was deformed in an impossible way, allowing me to linger on the final shots and, together with the sound, create the peak of maximum terror right at the end. We tried to achieve the effect practically, but it didn’t reach the level of realism I needed, so I had to create a version based on footage shot afterward of Laura, simulating the scene’s lighting, distorting it, and layering it together in After Effects. I think it worked, but it’s not what I was aiming for, and it will be different for the feature film.

The actors’ performances were fantastic. Can you tell me about the casting process?

Thank you so much for your comment; I also think they’re fantastic. It was very important to make the performances believable so that when the story takes a dark turn, the impact would be greater. In this case, the casting process was very simple, and it was also something that motivated me to make the short film because I had the actors in mind, and they’re very close to me. They are Mayka Dengrá (my sister), Laura P. Gracia (my partner), and Raúl DelaCruz, a very close friend with whom I’ve worked for many years. We adapted the dialogue a bit for each actor to give the scene realism, and I think it works perfectly.

Can you tell me a little more about yourself and how you got into filmmaking?

I’ve been making short films for many years, almost all of them in the fantasy and horror genres, with a few horror comedies. When I first became interested in film, unfortunately, I couldn’t pursue formal training because at that time in Spain, studying film was very expensive, and I couldn’t afford it. But that led me down a different path, much longer, but one that has given me independence: being self-taught. Little by little, I invested money in filming equipment, learning and making countless short films, videos, and tests. At first, they were terrible, but gradually you learn, improve your skills, and upgrade your equipment. This learning process and being able to do many things—writing, directing, filming, lighting, color grading, editing, composing music, creating effects, and even acting (which is very helpful for directing actors)—gives me the independence and ability to develop projects without needing a large crew. I’m also the creator and director of a short film festival focused on fantasy, horror, and freak called Fantosfreak. This year we’re celebrating its 27th edition, and it’s amazing. In July, for five nights, we screened short films from all over the world outdoors, bringing together more than 2,000 people each night. Watching films on a big screen and sharing that experience with other viewers is magical and transforms the experience into something very different from watching them alone at home.

Do you have further projects in the works?

Right now, after making many short films, some with numerous selections and awards at leading genre festivals, I want to explore the feature film format. I made one in 2022, a self-produced fantasy film with touches of horror, called Emerge, and it was a very educational experience. The narrative is different from that of a short film, and filming shots of a scene without being able to visually picture all the scenes in my head was something very new. After that experience, I want to seek funding again to make the feature film Imago, and in the meantime, I’m gathering ideas to make another feature film independently soon. I know for sure it will be horror, and I want to focus heavily on the cinematography and sound, aiming for something beautiful, dark, and very unsettling all at once.

Questions asked by Doreen Kaltenecker

Read on the german review of the short film „Imago

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