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Filmkritik: Auf den 57. Hofer Filmtagen 2023 wurde die Langzeitdokumentation „Frank Meyer“ (Deutschland, 2023) mit dem Granit – Hofer Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet. Jetzt befindet sich der Film über einen ehemaligen Bodybuilder, der von einem Comeback träumt, auf Kinotournee und kann im Streaming gesehen werden.
Im Jahr 2011 hat Frank Meyer mit seinen 45 Jahren seine größten Erfolge als Bodybuilder bereits hinter sich, er hat das Geschäft seines Vaters geerbt und trainiert fleißig weiter, um seinen Körper in Form zu halten. In dieser Zeit lernt er die beiden Filmemacher kennen, die beschließen, ihn von da an zu begleiten. Mit der Zeit beginnt er, sich ihnen gegenüber zu öffnen, über seine schwierige Kindheit zu sprechen und warum er sich gleichzeitig nach Nähe sehnt, aber diese doch nicht erhält. Sein ganzes Leben verändert sich, als seine Nieren versagen und ein Herz- und Hirnschlag ihn körperlich wie auch in seiner Sprache beeinträchtigen. Trotzdem träumt er von einer Rückkehr zum Bodybuilding und will dafür trainieren.
Über zehn Jahre haben die beiden Filmstudenten Leonhard Hofmann und Riccardo Dejan Jurkovic den ehemaligen Bodybuilder begleitet. In der ersten Hälfte des Films merkt man, dass Frank die Kamera und die damit verbundene Aufmerksamkeit liebt. Er versucht die Bilder und die Art der Aufnahmen zu bestimmen, erzählt von seinen großen Plänen und verbreitet einen stetigen Optimismus, um sich auch stets in ein gutes Licht zu rücken. Doch schon zu diesem Zeitpunkt kann man hinter die Fassade des Sprüche klopfenden Mannes blicken, der allein lebt und nur Tieren seine Zuneigung schenken kann. Durch ein paar Aussagen vor allem das Gespräch mit seiner Mutter kann das Publikum schon da erahnen, dass es Frank nicht immer leicht hatte und darunter sein Leben lang leidet und sich nach Anerkennung sehnt. Nachdem ihn seine Gesundheit niedergestreckt hat, tritt es offen zu Tage. Der Mann, der sich nicht mehr artikulieren kann, findet Halt bei Verwandten und Freunden, aber träumt immer noch von einem eigenständig bestimmten Leben. Er will zurück zu dem, wie er vor Jahrzehnten war. Diese Tragik trifft die Zuschauenden ganz unmittelbar. Die Einsamkeit und die Frage, wie es von diesem Punkt weitergehen kann, nehmen einen emotional mit. Das wird auch durch die sehr nahe und unmittelbare Kameraarbeit unterstützt. Diese bleibt im 4:3 Format sehr nah an Frank dran, zeigt ihn und seine Muskeln in Großaufnahmen, aber verstärkt so auch den Eindruck der Einsamkeit. Das Besondere an Langzeit-Dokumentationen, gerade bei solchen Portraits wie hier, ist die Nähe von den Filmenden zu den Portraitierten, die sich natürlich in den Jahren verändert, so merkt man zum einen eine gewisse Emanzipation der Filmschaffenden selbst, aber auch eine starke Vertrautheit, da sie zu Franks Leben gehören und so auch von der Familie akzeptiert wurden.
Fazit: „Frank Meyer“ ist eine Langzeit-Dokumentation von Leonhard Hofmann und Riccardo Dejan Jurkovic. Zehn Jahre haben sie den ehemaligen Bodybuilder begleitet, ihn nach Schicksalsschlägen getroffen und über die Zeit lässt es Frank zu, auch seine Narben und Einsamkeit zu sehen. Dieses Projekt haben sie über die Zeit beinah als Zwei-Mann-Team auf die Beine gestellt und haben damit den Dokumentarfilmpreis auf den 57. Hofer Filmtagen 2023 gewonnen.
Bewertung: 7/10
Der Film ist auf Kinotour. Hier erfahrt ihr mehr: Website zum Film
Außerdem kann man den Film hier streamen: Special auf Kino on Demand
Trailer zum Film „Frank Meyer“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Doreen Kaltenecker, ‚Zehn Fragen an Leonhard Hofmann und Riccardo Dejan Jurkovic‘, testkammer.com, 2025
- Eintrag des Films „Film : Frank Meyer“ auf der Website des Regisseurs Leonhard Hofmann
- Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF, ‚FRANK MEYER von Regiestudent Leonhard Hofmann gewinnt Hofer Dokumentarfilmpreis‘, filmuniversitaet.de, 2023
- Sebastian Schönfeld, ‚Frank Meyer – Dokumentarfilm‘, dokka.de, 2024
- Internationale Hofer Filmtage, ‚FRANK MEYER auf Kino-Tour‘, hofer-filmtage.de, 2025
- Frankfurter Neu Presse, ‚ Zwischen Selbstverwirklichung und -zerstörung‘, fnp.de, 2025

