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Filmkritik: „Islands“ (Deutschland, 2025), der seine Weltpremiere auf der 75. Berlinale 2025 in der Sektion ‚Berlinale Special Gala‘ feierte, ist der dritte Spielfilm des deutschen Regisseurs Jan-Ole Gerster, der hier zum ersten Mal in Englisch und außerhalb Deutschland drehte und dabei trotzdem seinem Œuvre – dem verlorenen Menschen – treu bleibt.
Tom (Sam Riley) ist schon seit vielen Jahren Tennistrainer in einem luxuriösen Inselhotel auf Fuerteventura. Seine Tage verlaufen stets gleich. Er wacht etwas zu sehr verkatert auf, gibt den ganzen Tag Tennisunterricht und vergnügt sich abends in den Bars – auch gerne mit Touristinnen. Als die Familie Maguire auftaucht, bringt sie seinen Rhythmus durcheinander. Die Mutter Anne (Stacy Martin) fordert Unterricht für ihren Sohn Anton (Dylan Torrell) beharrlich ein und so lernt er auch den Vater Dave (Jack Farthing) kennen, der ihn um sein Sunnyboy-Leben beneidet. Für die Familie nimmt er sich frei von seinem Alltag und zeigt ihnen die Insel. Als Dave eines Tages verschwindet, scheint mehr dahinter zu stecken und so wird auch Sam involviert.
Der deutsche Regisseur Jan-Ole Gerster, der hier zusammen mit Blaž Kutin und Lawrie Doran das Drehbuch schrieb, war selbst im Urlaub und fing dort eine Unterhaltung mit einem Tennistrainer an. Sein Leben und auch eine gewisse Schwermut über die wenigen Veränderungen, sowie den Kontrast zu dem, wie Touristen solch einen Urlaubsort erleben, formten das Drehbuch. Der Film beginnt als leichtes Drama und Workplace-Film beginnt und verwandelt sich dann mit dem Verschwinden einer Person in einen Thriller. Gerster selbst hat dafür den Begriff ‚Vacation Noir‘ aufgegriffen, der wunderbar die Elemente sonniges Inselurlaub-Lebens mit Krimi-Ermittlungen und einer Prise Verwicklungen und Intrigen beschreibt. Dabei ist es wohltuend, dass Jan-Ole Gerster nicht das Bedürfnis hat, dem Publikum alles zu erklären, sondern sich die Worte spart und es den Betrachter:innen überlässt, welche Puzzleteile sie wie zusammenfügen. Bis zur letzten Minute ist der Film spannend, hinterlässt aber nach dem Verlassen des Kinosaals ein schwermütiges Gefühl.
Die Inszenierung schmiegt sich ganz dem Genre an. Die Schönheit der Insel, das entspannte Leben in den Hotels und Bars wird in Kontrast zu dem (Arbeits-)Alltag und schlussendlich der Vermisstensuche gestellt. Der Film wurde direkt vor Ort gedreht und fängt die bekannte Urlaubsinsel auch von anderen Seiten ein. Bei der starken Kameraarbeit geht es oft um Gleichzeitigkeit im Bild: So sieht man im Vorder- und Hintergrund Figuren, bei denen man es den Zuschauer:innen überlässt, worauf sie den Fokus setzen. Zum ersten Mal hat Jan-Ole Gerster rein englischsprachig und mit internationalen Darsteller:innen u.a. Stacy Martin und Jack Farthing gedreht. Der größte Coup ist die Besetzung der Hauptrolle mit Sam Riley, der mühelos die Indifferenz seiner Figur zu spielen weiß. Man glaubt ihm gleichermaßen, dass es das Leben ist, was er will, aber auch, dass er feststeckt und sich nach etwas anderem sehnt. Mit Nonchalance spielt er Tom und macht seine Figur mit allen ambivalenten Gefühlen greifbar und auf gewisse Weise verletzlich. So steht auch in diesem Film wieder eine einsame Figur im Zentrum von Gersters Geschichte, doch wählt der Regisseur diesmal einen anderen Weg weg vom Drama hin zum Thriller.
Fazit: „Islands“ ist der dritte Spielfilm von Jan-Ole Gerster, in dessen Zentrum wieder ein einsamer Mensch steht. Dieses Mal ist es ein Tennistrainer, der auf der Urlaubsinsel Fuerteventura arbeitet und in einen Krimi verwickelt wird. Sehr gut gespielt, stimmig umgesetzt und mit höchster Spannung inszeniert, packt einen der Film von der ersten Minuten und lässt einen nicht mehr los.
Bewertung: 8/10
Kinostart: 8. Mai 2025
Trailer zum Film „Islands“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 75. Internationale Filmfestspiele Berlin 2025 – Katalog (Programm ‚Berlinale Special Gala‘)
- Wikipedia-Artikel über den Film „Islands“
- Tom Westerholt: Filmfestival: Was die erste Tricia-Tuttle-Berlinale kann – und was nicht, in: Deutschlandfunk Nova – 1 Stunde Film, 19.02.2025.
- Britta Bürger, ‚„Oh Boy“ bis „Islands“: Jan-Ole Gerster über das Filmemachen‘, deutschlandfunkkultur.de, 2025
- Martin Schwarz, ‚Nur die Sonne war Zeugin: „Islands“ von Jan-Ole Gerster‘, tip-berlin.de, 2025
- Berlinale-Kritik: Jan-Ole Gersters „Islands“, in Podcast Deutschlandfunk Kultur – Studio 9, 17.02.2025.


