Sieben Fragen an Joyce A. Nashawati

Doreen Kaltenecker
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Interview: Im Gespräch mit der französischen Regisseurin Joyce A. Nashawati konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „Never Have I Ever“ (OT: „Jamais je n’ai“) erfahren, der im ‚Shock Block‘-Programm des 25. Landshuter Kurzfilmfestival 2025 lief, wie die Geschichte etwas über persönliche Ängste erzählt, was sie inspiriert hat und warum es kein Happy End geben durfte.

The original english language interview is also available.

Wie ist die Idee zu Deinem Kurzfilm entstanden?

Ich hatte schon seit einiger Zeit keinen Film mehr gedreht und werde dieses Jahr einen Spielfilm drehen. Meine Produzenten, Yann Gonzalez und Flavien Giorda, haben mich gebeten, mir etwas zu überlegen, das bescheiden und persönlich ist. Ich bin ihnen immer noch dankbar für die kreative Freiheit, die sie mir gegeben haben.

Warum durfte es kein Happy End geben?

Weil ich meine Angst vor dem Tod teilen wollte, und der Tod lässt sich nicht vermeiden. Auch wenn ich im Leben an Happy Ends glaube, finde ich sie im Film oft konservativ. Ich denke, was für jeden Film wichtig ist, ist das passendste und stärkste Ende, nicht nur ein wünschenswertes.

Visuell ist der Film besonders und konsequent. Auf was habt ihr bei der Inszenierung wert gelegt?

Ich achte sehr auf das Handwerk und liebe technische Herausforderungen. Der Kameramann, der Künstlerische Leiter und der erste Assistent, mit denen ich zusammengearbeitet habe, waren echte Partner bei der Entwicklung der Welt des Films.

Mathieu Genet

Wie war es für die Schauspieler:innen dies so zu spielen? Nach welchen Kriterien hast Du Deine Besetzung ausgesucht?

Sie sind beide hervorragende Schauspieler, die ich über das Nationale Konservatorium kennengelernt habe. Jade Labeste bewies große Eleganz und emotionale Intelligenz, indem sie in den Film investierte, ohne dass ihr Gesicht zu sehen war. Ihre Stimme war gedämpft, aber ihre Seele war präsent.

Dein Film ist in vielerlei Hinsicht so anders als andere Genrefilm. So erklärt sich bei Dir nicht der Bösewicht oder das Opfer bekommt unvorstellbare Kräfte. Es wirkt so viel echter. Wie gehst Du mit dem Genre um, in dem dein Film beheimatet ist? 

Jade Labeste

Ich wollte bei der Darstellung einer persönlichen Angst ehrlich sein. Ich denke, Konventionen blockieren manchmal Gefühle. Außerdem dachte ich an den Serienmörder, der oft glamourös dargestellt wird, als eine Figur, der ich die Verführungskraft nehmen wollte. Er ist weder charmant, noch besonders. Ich dachte auch an die Bildtradition von „Der Tod und die Jungfrau“.

Kannst Du mir noch kurz erzählen, wie Du selbst zum Film gekommen bist?

Mathieu Genet

Es war ein komplizierter Weg, weil ich mir das nicht einfach erlauben konnte. Ich stamme aus einer eingewanderten Arbeiterfamilie, die mich lieber in einem sicheren Job sehen würde. Zunächst wollte ich Universitätsprofessorin werden, dann fand ich den Mut, den Sprung zu wagen und produzierte Kurzfilme.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Ich arbeite gerade an meinem nächsten Spielfilm, einem Gothic Horror, der in Griechenland spielt.

Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Never Have I Ever


Interview: In our conversation with French director Joyce A. Nashawati, we learned more about her short film „Never Have I Ever“ (OT: „Jamais je n’ai“), which screened in the ‚Shock Block‘ program of the 25th Landshut Short Film Festival 2025, how the story tells something about personal fears, what inspired her and why there couldn’t be a happy ending.

How did the idea for your short film come about?

I hadn’t shot a film for some time and I’m shooting a feature film this year. My producers, Yann Gonzalez and Flavien Giorda, invited me to think of something which would be modest & personal. I still thank them for the creative freedom they gave me. 

Why couldn’t there be a happy ending?

Because I wanted to share my fear of death, and death cannot be avoided. Also, though I believe in happy ends in life, I find them often conservative in film. I think what matters for each film is the most pertinent and strong ending, not just a wishful one. 

Visually, the film is special and consistent. What was important to you in the production?

I’m very attentive to craft and love technical challenges. The Dop, art director and first assistant I worked with were real partners in devising the film’s world. 

How was it for the actors to play it like this? What criteria did you use to select your cast?

They’re both excellent actors which I found through the national conservatory. Jade Labeste demonstrated great elegance and emotional intelligence by investing the film without her face being visible. Her voice was muffled but her soul was present. 

Your movie is so different from other genre films in many ways. The villain doesn’t explain himself and the victim doesn’t get unimaginable powers. It seems so much more real. Why did you decide to abandon certain genre conventions? 

I wanted to be honest in the depiction of a personal fear. I think conventions sometimes block emotions. Also, I thought of the serial killer, which is often glamorized, as a figure that I wanted to strip of seductive power. He is not charming, nor special. I also thought of the pictorial tradition of „death and the maiden“. 

Can you briefly tell me how you got into filmmaking?

It was a complicated path because it wasn’t something I could allow myself easily. I come from an immigrant working class family who would rather see me in a more secure job. I first was aiming to become a university film professor then found the courage to make the dive through self produced short films.

Are there any new projects planned?

I’m working on my next feature film which is a gothic horror set in Greece.

Questions asked by Doreen Kaltenecker

Read on the german review of the short film „Never Have I Ever

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