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Kurzfilm / Litauen, USA / Fiktion / 2024
Filmkritik: Der Kurzfilm „Resentment“ (OT: „Obraza“ / „Образа“) von Gleb Osatinski, der im Internationalen Wettbewerb des 37. Filmfest Dresden 2025 zu sehen war, erzählt eine Coming-of-Age-Geschichte aus den 90er Jahre in der Ukraine, aber baut dabei viele zeitaktuelle Themen mit ein.
Sowjetukraine, 90er Jahre: Der 17-jährige Yasha (Vladyslav Baliuk) lebt in Charkiw und wie jeder andere Jugendliche in den Tag hinein, sei es in dem er Punkmusik in einer Band spielt oder sich mit Freuden trifft. Aber seine Umgebung und auch die Direktorin seiner Schule haben ihn immer wieder im Visier. Er und seine Familie sind jüdisch, deshalb werden sie teils gewalttätig, teils unterschwellig angefeindet. Yasha träumt davon, aus diesem Leben auszubrechen.
Der in der Ukraine geborene und in den USA lebende Regisseur Gleb Osatinski, der zusammen mit Elise Segal das Drehbuch geschrieben hat, verarbeitet in seinem 30-minütigen Kurzfilm seine eigene Jugend in Charkiw (Ukraine). Neben den typischen Coming-of-Age-Themen wie das erste Aufwiegeln gegen das Bestehende, (rebellisches) Musikmachen und sich ein bisschen Treiben-Lassen, zeigt der Film, dass Yashas Leben durch starke Abneigung bestimmt wird. Über Allem hängt eine ständig lauernde Gefahr, wegen der Religion seiner Familie angegriffen oder benachteiligt zu werden. Auch 30 Jahre später führt Antisemitismus zu solchen Verhalten und zwingt die Betroffenen in einer Ecke. Durch den derzeitigen Konflikt im Nahen Osten, der auf alle anderen Länder u.a. die USA Auswirkungen hat, erkennt die Zeitaktualität dieses Themas und auch den Explosivität.
So ist die Geschichte aus den 90er Jahren sehr aktuell und zeigt, dass es sich dabei um kein momentanes Problem handelt oder es sich auf Regionen beschränkt. Neben diesem großen Thema schafft es Osatinski aber auch, diesen Lebensabschnitt mit viel Energie einzufangen. Man kann sich mühelos in die jungen Menschen hineinversetzen, gerade auch wenn man selbst in dieser Zeit groß geworden ist. Das Charkiw der 90er Jahre hat Osatinski mit seinem Team überzeugend in Vilnius aufleben lassen und so besitzt sein Film – auch durch die Kostüme und Aussattungsgegenstände und Musikwahl – den perfekten Zeitkolorit. Seine Darsteller:innen, vor allem der Hauptdarsteller Vladyslav Baliuk, füllen ihre Rollen mit viel Authentizität und lassen das Publikum nah an sie heran, so dass man alle Hochs und Tiefs hautnah mit ihnen erlebt.
Fazit: „Obraza“ ist ein 30-minütiger Kurzfilm von Gleb Osatinski, der darin von seiner eigenen Jugend in den 90er Jahren in der Ukraine und ganz allgemein von Antisemitismus und dessen Ausprägungen erzählt. So schlägt er auch indirekt einen Bogen zur heutigen Zeit und schuf mit seiner authentischen Inszenierung einen starken Film, der viel zu sagen hat.
Bewertung: 8/10
Trailer zum Kurzfilm „Resentment“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 37. Filmfest Dresden 2025 – Katalog (Programm ‚Internationaler Wettbewerb‘)
- Doreen Kaltenecker, ‚Sieben Fragen an Gleb Osatinski‘, testkammer.com, 2025
- Eintrag des Kurzfilms „Obraza“ bei der Berlinale
- Website des Kurzfilms „Resentment“
- Lida Bach, ‚Resentment – Kritik‘, moviebreak.de, 2025
- Eintrag des Films „Pidviska“ auf der Website des Regisseurs Gleb Osatinski
