Sechs Fragen an Jennifer Drake

Doreen Kaltenecker
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Interview: Im Gespräch mit der an der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF) studierenden Regisseurin Jennifer Drake, konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „God is Grey“ erfahren, der auf dem 46. Filmfestival Max Ophüls Preis 2025 als Bester Kurzfilm ausgezeichnet wurde, wie die Geschichte auch was mit ihrer Biographie zu tun hat, warum sie diese nach London verlagerte statt wie ursprünglich geplant in Ghana zu drehen. 

Kannst Du mir zur Ausgangsidee für Deinen Kurzfilm entstehen?

Die Idee hatte ich, nachdem ich nach München gezogen war. Es war das erste Mal, dass ich weg von meiner Familie war und das Gefühl von Freiheit hatte. Doch ich konnte es nicht ganz annehmen. Ich war in einem inneren Konflikt gefangen. Ich begann mich zu fragen: Was wäre, wenn ich eine Familie außerhalb meiner biologischen Familie, meiner Gemeinschaft hätte? Wie würde das aussehen? Und das war der Anfang.

Wie kam das Projekt nach Großbritannien? 

Jolade Obasola

Ursprünglich wollte ich das Projekt in Ghana drehen, wo ich aufgewachsen bin. Allerdings ist das Land nach wie vor zutiefst homophob. Eine Zeit lang dachte ich über Südafrika nach, da es zu diesem Zeitpunkt das einzige afrikanische Land war, in dem Homosexualität legalisiert war. Dennoch blieb der kulturelle Umgang mit Homosexualität negativ und beunruhigend. Nachdem ich mehrmals Großbritannien besucht hatte, wurde mir schließlich etwas Interessantes klar: Obwohl es sich um eine relativ offene Gesellschaft handelt, halten viele Migranten aus konservativen Ländern an diesen konservativen Werten und Lebensstilen fest. Mir wurde klar, dass Großbritannien der perfekte Ort war, um die Geschichte dort spielen zu lassen. Es hat wunderbar funktioniert. Fast alle Schauspieler und Teammitglieder konnten sich mit dieser Spannung zwischen persönlicher Freiheit und gesellschaftlichen Erwartungen identifizieren.

Was war Dir visuell wichtig?

Es war mir äußerst wichtig, im Film ein starkes Gemeinschaftsgefühl aufzubauen. Ich wollte, dass das Publikum die Gemeinschaft spürt – ihre Wärme, wenn man dazugehört, und ihre Kälte, wenn man gegen die Regeln verstößt. Die Farben des Films spiegeln diese unterschiedlichen emotionalen Seiten wider. 

Der Film ist sehr gut besetzt – wie hast Du Deine Darsteller:innen gefunden?

Jolade Obasola und Frederick Yeboah

Ich war schon immer ein großer Fan der Serie „Top Boy“. Jolade [Obasola] hat da auch mitgespielt. Ich habe mich an ihre Agentin gewandt, die ihr das Drehbuch zukommen ließ. Sie meldete sich und wir führten ein ausführliches Gespräch über das Drehbuch. Sie war wirklich begeistert – bis ihr klar wurde, dass es sich um ein unbezahltes Projekt handelte. Nach einigem Zureden von mir und meiner Produzentin Rebekka Schug erklärte sie sich schließlich bereit, bei uns mitzumachen, und es war eine so lohnende Zusammenarbeit. Nachdem sie an Bord war, begannen wir mit dem Casting für die Rolle des Sohnes. Unsere brillante Casting-Direktorin Daniella [D’aiuto] fand mehrere talentierte Schauspieler aus Großbritannien, und schließlich besetzten wir die Rolle des Chris mit Frederick [Yeboah].

Kannst Du mir mehr zu Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?

Frederick Yeboah

Ich wusste schon immer, dass ich Storyteller werden wollte. Mit etwa 12 oder 13 Jahren habe ich angefangen zu schreiben, obwohl ich noch nicht wusste, in welchem Medium ich mich letztendlich bewegen würde. Während meines Studiums in Ghana lernte ich eine Gruppe von Filmemachern kennen und entdeckte das Drehbuchschreiben – das war es. Ich verliebte mich in Film und Drehbuchschreiben. Nachdem ich nach Deutschland zurückgekehrt war, beschloss ich, mich voll und ganz darauf zu konzentrieren.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Jolade Obasola, Frederick Yeboah und Jada Addo

Zuletzt habe ich einen Spielfilm mit dem Titel „Camouflage“ produziert, bei dem Mykyta Gibalenko das Drehbuch geschrieben hat und Regie führte. Und nächstes Jahr werde ich bei meinem nächsten Projekt, „Little Lady“, Regie führen. Wir befinden uns derzeit in der frühen Phase der Vorproduktion.

Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „God is Grey

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