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Kurzfilm / Deutschland / Dokumentation / 2025
Filmkritik: Der deutsche Kurzfilm „rückblickend betrachtet“ (ET: „In Retrospect“) der beiden Filmemacher:innen Daniel Asadi Faezi und Mila Zhluktenko, der im ‚Berlinale Shorts‘-Programm der 75. Berlinale 2025 seine Weltpremiere feierte, erzählt als dokumentarische Collage von der Marginalisierung rassistischer motivierter Verbrechen in Deutschland.
München wurde über die Jahre immer wieder zum Schauplatz rassistisch motivierter Taten. So bei dem Anschlag 1970 bei den Olympischen Sommerspielen, aber auch 2016 bei einem weiteren Anschlag in der Nähe des Olympia-Einkaufszentrums. Warum spielte sich das alles in der Nähe von mit der Olympiade verbundenen Orten ab, die doch einen ganz anderen Geist versprühen will? Bereits in den 80er Jahren hat der Filmemacher Sohrab Shahid Saless mit seinem Film darauf hingewiesen und aufgezeigt, dass Migrant:innen als Sündenböcke oft den Kopf hinhalten müssen.
Die beiden Künstler:innen und Filmschaffenden Mila Zhluktenko und Daniel Asadi Faezi haben sich für eine Installation mit rassistisch motivierten Verbrechen in Deutschland, insbesondere in München, beschäftigt. Dafür haben sie Plätze gefilmt, an denen solche Verbrechen stattgefunden haben. Einen dieser Orte – eine Kreuzung beim Olympia Einkaufszentrum – sehen wir auch in verschiedenen Aufnahmen in dem 14-minütigen Kurzfilm. Sie stellen sich die Fragen, wie es
immer wieder zu solchen Verbrechen, gerade in Zusammenhang mit Olympia kommen kann. Sie zeigen mit Archivaufnahmen, wie der Olympia-Park entsteht und knüpfen die Verbindung zu den migrantischen Arbeiter:innen, die an diesen Ort geschuftet haben. Dabei verwenden sie Material von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart. So spannen sie einen großen Bogen, der ein Gesamtbild entstehen lässt, bei dem Einwander:innen ein integraler Bestandteil sind und trotzdem angefeindet, ausgegrenzt und getötet werden. Diesen Themen spürte auch der iranische Filmemacher Sohrab Shahid Saless (1944-1998) in seinem Film „Empfänger unbekannt“ (1983) nach. Szenen aus diesem Film bauen die Filmemacher:innen ebenfalls in ihre Arbeit ein und liefern so einen vielschichtigen Kurzfilm, der die richtigen Fragen stellt und auch klar die Misstände und Untaten anprangert.
Fazit: „rückblickend betrachtet“ ist ein Kurzfilm von Daniel Asadi Faezi und Mila Zhluktenko, der sich mit rassistisch motivierten Gewalttaten und Anschlägen in München beschäftigt, Zusammenhänge über die Jahre herstellt, klar die Taten verurteilt und dazu beitragen will, umzudenken und die Taten aufzuzeigen und zu hinterfragen. Visuell kombinieren sie dabei eigene Aufnahmen von Orten, an denen Straftaten begangen wurden, mit Archivmaterial und einem Spielfilm aus den 80er Jahren.
Bewertung: 8/10
Trailer zum Kurzfilm „rückblickend betrachtet“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 75. Internationale Filmfestspiele Berlin 2025 – Katalog (Programm ‚Berlinale Shorts‘)
- Doreen Kaltenecker, ‚Sechs Fragen an Mila Zhluktenko und Daniel Asadi Faezi‘, testkammer.com, 2025
- Eintrag des Films „Rückblickend bertrachtet“ auf der Website des Regisseurs Daniel Asadi Faezi
- Aurelie Geron, ‚Berlinale 2025: In Retrospect (dirs. Daniel Asadi Faezi & Mila Zhluktenko)‘, film-fest-report.com, 2025
- Redmond Bacon, ‚In Retrospect by Daniel Asadi Faezi and Mila Zhluktenko‘, journeyintocinema.com, 2025