Berlinale Shorts 2025

Doreen Kaltenecker
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11. bis 23. Februar 2025 / Kino Arsenal, Stage Bluemax Theater, Botschaft von Kanada, Colosseum, Cubix, Filmtheater am Friedrichshain, Kino im Zeiss-Großplanetarium, Silent Green, Urania, Zoo Palast,

Shorts im CUBIX

Festivalbericht: Zu einem festen Bestandteil gehört seit 2007 das ‚Berlinale Shorts‘-Programm, das seit sechs Jahren von Anna Henckel-Donnersmarck kuratiert wird. Auch in diesem Jubiläumsjahr des Festivals waren die Shorts-Programme, die in vielen Spielstätten gezeigt wurden, oft ausverkauft und zeigten wieder eine fein kuratierte Auswahl an 20 Kurzfilmen aus 18 Ländern.

Den Goldenen Bären für den Besten Kurzfilm erhielt die Regisseurin Lesley Loksi Chan für ihren Kurzfilm „Lloyd Wong, Unfinished“. Der titelgebende Künstler fertigte in den 90er Jahren eine Videoarbeit an, die das Leben mit der Aids-bedingten Krankheit thematisiert. Er selbst konnte die Arbeit nie fertigstellen. Als das verschwunden geglaubte Rohmaterial auftauchte, wurde die Regisseurin darum gebeten, dieses zu einem Film zu verarbeiten, indem sie das Rohmaterial mit ihren eigenen Recherchen kombiniert. Dafür erhielt der Film ebenfalls den Teddy Award: Bester Kurzfilm.

Colosseum

Auch andere Filme arbeiten mit Originalmaterial als dokumentarische Formen, um ihre Geschichte zu erzählen. Die beiden Filme „Citizen-Inmate“ von Hesam Eslami (über die massiv im Iran eingesetzten elektronischen Fussfesseln) und „Their Eyes“ von Nicolas Gourault (über die Datenfütterung für selbstfahrende Autos) beschäftigen sich mit technischen Entwicklungen und schauen dabei auf das Menschliche dahinter. Klassisch dokumentarisch arbeitete Jakob Krese in seinem Film „Ceasefire“: Darin portraitiert er Hazira und ihre Familie, welche in den 90er Jahren im ehemaligen Jugoslawien flüchten mussten. Über mehrere Jahre hinweg fängt er ihr Leben ein und zeigt, ob sie sich in Bosnien und Herzegowina angekommen fühlen. Einen anderen künstlerischen Ansatz wählen die beiden Kurzfilm „Rückblickend betrachtet“, der sich narrativ mit dem antisemitischen Anschlägen in München beschäftigt und dabei gewöhnliche Alltagsaufnahmen der Tatorte liefert, sowie der niederländische Kurzfilm „Koki, Ciao“. Der Regisseur vermischt dabei Aufnahmen des angeblichen Koki, früher der Kakadu des ehemaligen jugoslawischen Autokraten Josip Broz Tito mit Archivmaterial. Besonders an seinem Film ist die von dem Vogel selbst eingesprochene Tonspur, welche das Gesehene auf seine Weise mit einem begrenzten Wortschatz kommentiert. Der Film wurde mit dem Berlinale Shorts Cupra Filmmaker Award ausgezeichnet.

Filmemacher:innen von „Stone of Destiny“

Auch eine kleine Auswahl an Animationsfilmen befand sich im Wettbewerb. Der japanische Kurzfilm „Ordinary Life“ von Yoriko Mizushiri gewann den Silbernen Bär Preis der Jury. Ohne Worte und mit sich wiederholenden Details erzählt sie von einem unscheinbaren, zurückgezogenen Leben und der Frage, ob man sich vielleicht auch daraus befreien kann. Zudem befand sich unter den Animationsfilmen ein Musical: „Stone of Destiny“ von Julie Černá erzählt beschwingt von den Hürden, Wünschen und Sorgen eines Lebens. Mit ganz anderen Hürden – vor allem bürokratischen – hat die Hauptfigur in „Mother’s Child“ von Naomi Noir zu kämpfen. Die Regisseurin erzählt in ungewöhnlichen Zeichnungen von dem Leben als Mutter mit einem erwachsenen Kind, das aber auf Hilfe angewiesen ist. Der Berlin Short Film Candidate For The European Film Awards wurde der Mix-Film „How are you?“ von Caroline Poggi und Jonathan Vinel. Dieser erzählt mit 3D-Animationen und Liveaufnahmen, von Tieren, die an einer verlassenen Küste gestrandet sind und sich da die Zeit totschlagen, bis sie das Katapult wieder woanders hinbringt. 

Lau Charles, Regisseurin von „Casa chica“

Doch auch klassisch narrativ erzählte Spielfilme fand man im Programm. Dabei gab es zwei Filme, die sich speziell auf die Sicht von Kindern eingelassen haben: „Casa Chica“ von Lau Charles schildert einen Tag aus der Sicht zweier unterschiedlich alter Geschwister und wie sie die Ereignisse um sich herum wahrnehmen. Der singapurische „Children’s Day“ erzählt warmherzig von einer Mädchenfreundschaft. Auch zwei Coming-of-Age-Geschichten sind im Programm zu finden: „Close to September“ (Regie: Lucía G. Romero) erzählt von einer jungen Frau, die ihr Leben an einem Touristenort, der nur im Sommer begehrt ist, lebt und wie sie ihre Tage verbringt. Als eine neue Besucherin in den Ort kommt, entwickelt sich eine Sommerromanze, aus der vielleicht auch mehr werden könnte. In „Extracurricular Activity“ von Dean Wei ist bereits mehr zwischen dem Sohn einer gutbetuchten Familie und seiner Mitschülerin passiert. Die Mutter kann nicht zulassen, dass er seine Zukunft wegwirft und sorgt während einer nächtlichen Autofahrt für Ordnung. Auch gab es m Programm Geschichten über die Sehnsucht nach Liebe („Through your Eyes“) und einer Therapie einer suizid gefährteten jungen Frau („Living Stones“). 

CUBIX

Fazit: Das ‚Berlinale Shorts‘-Programm der 75. Berlinale 2025 war eine gelungene Zusammenstellung verschiedener sowohl narrativ als auch visuell erzählter Kurzfilme aus 18 Ländern. Dabei merkte man den Filmen auch in diesem Jahr die Schwere der aktuellen Zeit an. Viele Filme beschäftigten sich über ihre erzählte Geschichte hinaus mit größeren, universell lesbaren Themenfeldern. So konnte man auch wieder wunderbar über den eigenen Tellerrand schauen und in der Kürze der Zeit einen differenzierten Blick über die Welt schweifen lassen. 

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Fotografien von Michael Kaltenecker

Quellen:

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