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Interview: Im Gespräch mit dem portugiesischen Regisseur Alexander David konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Water Hazard“ (OT: „À Tona d’Água“) erfahren, der auf dem 25. Landshuter Kurzfilmfestival 2025 den Dräxlmaier Internationalen Kurzfilmpreis gewonnen hat. Er erzählt wie die Geschichte sich aus verschiedenen Einflüssen zusammenfügte, wo sie den Film umsetzen konnten und wie schwierig es war, die perfekte Hauptdarstellerin zu finden.
The original english language interview is also available.
Wie ist die Idee zu Deinem Kurzfilm entstanden?
Als ich noch klein war, verbrachten meine Familie und ich unsere Sommerferien in einem Golfresort im Süden Portugals. Keiner von uns spielte Golf – wir konnten uns nicht einmal Golfschläger leisten. Mein Vater arbeitete als Maler auf dem Bau, und während des Sommers lieh uns sein Chef kostenlos ein Haus in der Anlage. Während er arbeitete, hingen meine Mutter und
meine Schwestern im Teenageralter am Pool herum. Ich selbst hatte diesen riesigen Spielplatz ganz für mich allein. Ich fuhr mit dem Fahrrad durch die gepflegten Straßen und spielte auf den Schaukeln, während die anderen Kinder mit ihren Familien zu Abend aßen. Der ganze Ort kam mir fremd vor – mit seinen schicken Golfplätzen, künstlichen Seen und perfekt ausgerichteten Häusern. In meinen Augen war es ein Reich der Moderne, ein krasser Gegensatz zu meinem ländlichen Dorf. Es machte mir auch Spaß, den Leuten beim Golf spielen zuzusehen – ein Sport, den ich sonst langweilig fand. Ich fand es sogar noch seltsamer, Kinder in meinem Alter spielen zu sehen. Manchmal stellte ich mir vor, ich wäre einer von ihnen und würde mit ihrem Vater spielen. Ein anderes Mal stellte ich mir vor, ich wäre der coole Vater, der meinen eigenen Kindern das Spiel beibringt. Ich konnte mich nicht entscheiden, welche Rolle mir besser gefiel. Versteckt in einer Ecke des Golfplatzes gab es ein unbenutztes Wasserhindernis, das mit trübem Wasser gefüllt war. Es war der einzige unordentliche Teil der Anlage, und aus irgendeinem Grund fühlte ich mich zu ihm hingezogen. Einige Arbeiter versuchten, es in etwas Schönes zu verwandeln, aber ich habe das Endergebnis nie gesehen. Kinder durften sich nicht in der Nähe aufhalten, aber ich konnte nicht widerstehen, mich dorthin zu schleichen. In meiner Fantasie stellte ich mir vor, wie ich als Erwachsener das Wasserhindernis baute.
Jahre später lernte ich ein Kind kennen, das eine Geschlechtsumwandlung durchmachte. Ihre Eltern unterstützten sie voll und ganz – es war keine dramatische Geschichte. Das blieb mir im Gedächtnis. In den Medien werden Trans-Personen so oft durch die Brille des Leidens oder der Opferrolle dargestellt, aber vielleicht sollten wir mehr Geschichten erzählen, die das Leben von Trans-Personen feiern. Meine eigenen Kindheitserinnerungen, in denen ich mich in andere Rollen hineinprojiziert habe, und die Zukunftsprojektionen dieses Kindes haben sich irgendwie vermischt – und das gab dem Drehbuch seine Form.
Du fängst perfekt diese Stimmung eines Sommers als Heranwachsender ein. Was lag Dir dabei visuell am Herzen?
Die Sommerferien sind immer eine Zeit – für Kinder und sogar für Erwachsene – in der man faulenzen, nachdenken und sich irgendwie neu organisieren kann. Es gibt etwas an diesen Erinnerungen, das bei einem hängen bleibt. Sie kristallisieren sich heraus, fast wie Traumbilder. Die Idee war immer, nah an der Perspektive der Kinder zu bleiben, da sie ihre eigene Fiktion erschaffen. Deshalb wurden die Gesichter der Erwachsenen immer weggeschnitten – sie bedeuten dem Protagonisten nicht wirklich etwas (wie in „Peanuts“, dem Zeichentrickfilm). Aber in gewisser Weise projiziert der Protagonist auch sich selbst auf das Bild dieser Erwachsenen.
Wo habt ihr gedreht und wie viel Drehtage hattet ihr?
Wir haben monatelang nach Golfplätzen an der Algarve im Süden Portugals gesucht – aber alles war absurd teuer, und unsere Drehtermine rückten gefährlich nahe. Eines Tages erwähnte der künstlerische Leiter einen Golfplatz in der Nähe von Lissabon (wo wir leben!), der zum Teil verlassen war und zur Hälfte nicht mehr genutzt wurde, was sich tatsächlich zu unseren Gunsten auswirkte. Es gelang uns, ein gutes Angebot zu bekommen, und wir beschlossen, dass dies unser Standort sein würde. Dann kam ein weiterer kniffliger Teil – wir brauchten ein Haus in der Nähe des Golfplatzes. Also gingen wir buchstäblich von Tür zu Tür und klingelten an jeder Tür in der Gegend, in der Hoffnung, dass uns jemand sein Haus überlassen würde. Schließlich trafen wir einen sehr reichen Mann, der von der Idee begeistert war und ja sagte. Wir waren erleichtert – aber etwa zwei Wochen vor den Dreharbeiten schickte er uns eine E-Mail mit einem saftigen Preis für die Miete des Hauses. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir keine andere Wahl. Was soll ich sagen… je reicher sie sind, desto geiziger werden sie manchmal. Ich habe zehn Tage lang gedreht.
Die Rollen sind sehr gut besetzt – wie hast Du Deine Darsteller:innen gefunden?
Ana, die kichernde Schwester, wurde eigentlich mit meiner Nichte im Hinterkopf geschrieben – die Rolle war also von Anfang an ihre.
Ursprünglich waren wir auf der Suche nach einem trans- oder nicht-binären Kind für die Hauptrolle. Ich dachte, es könnte eine coole Gelegenheit für einen neuen Schauspieler sein, vor allem in Portugal, wo es immer noch einen solchen Mangel an Vielfalt und echten Möglichkeiten gibt. Aber es war schwierig. Mein Casting-Direktor und ich kontaktierten Verbände, Schulen, jeden, der uns einfiel… aber es schien, als sei niemand wirklich interessiert. Schließlich trafen wir uns mit AMPLOS – der Vereinigung der Eltern von Transkindern – und sie gaben uns eine wichtige Perspektive. Sie sagten, dass es vielleicht noch zu früh für ein Kind sei, eine solche Rolle zu übernehmen, weil es zu viel von sich preisgeben könnte. Und sie hatten Recht. Also haben wir das Casting für Mädchen zwischen 9 und 12 Jahren geöffnet – und da haben wir Ada getroffen. Sie hat uns völlig überrascht. Sie hat so viel Talent.
Für die Rolle des Erwachsenen am See haben wir einen offenen Aufruf in den sozialen Medien gestartet. Wir haben viele Leute getroffen, aber als ich Vicente Paredes traf, war ich wirklich gerührt. Wir haben ein Zoom-Gespräch mit ihm und Ada geführt, und die Chemie stimmte sofort – es hat einfach Klick gemacht. Das war’s. Viele der Leute, die für diese Rolle vorgesprochen haben, tauchen auch in dem Kurzfilm auf – in anderen Rollen. Alle erwachsenen Figuren im Film werden von transsexuellen oder nicht-binären Schauspielern gespielt. Das war für uns wichtig. Obwohl sie nur kleine Rollen haben, waren wir entschlossen, ihre Sichtbarkeit in der portugiesischen Filmlandschaft zu verstärken, die in der Vergangenheit mit der Vielfalt zu kämpfen hatte.
Kannst Du mir kurz noch etwas mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?
Ich wollte schon immer Filmemacher werden, aber ich hatte keine Ahnung, wie ich damit anfangen oder auch nur üben sollte – vor allem, weil ich in einem kleinen Dorf aufgewachsen bin, in dem das einfach nicht in Frage kam. Als ich mit der High School fertig war, wusste ich nicht, was ich als nächstes tun sollte. Meine Mutter schlug mir vor, Theater zu studieren. Ich hatte als Teenager einmal in einem Theaterstück mitgewirkt, und offenbar hatte sie etwas in mir gesehen. Das führte dazu, dass ich meine Karriere als Filmschauspieler begann. In gewisser Weise habe ich also das Filmemachen gelernt, indem ich andere am Set beobachtet habe.
Sind bereits neue Projekte geplant?
Ich habe wieder mit Ada und einem anderen jungen Schauspieler an einem neuen Kurzfilm gearbeitet, in dem eine Gruppe von Kindern ein Theaterstück auf der Grundlage einer biblischen Geschichte inszeniert. Ich warte auf die Finanzierung, um voranzukommen. Außerdem bin ich dabei, ein Drehbuch für einen Spielfilm fertigzustellen – diesmal mit erwachsenen Figuren.
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Water Hazard“
Interview: In our conversation with Portuguese director Alexander David, we were able to find out more about his short film „Water Hazard“ (OT: „À Tona d’Água“), which won the 25th Landshut Short Film Festival 2025 and the Dräxlmaier International Short Film Award. It tells how the story came together from various influences, where they were able to realize the film and how difficult it was to find the perfect leading actress.
How did the idea for your short film come about?
When I was little, my family and I used to spend our summer vacations at a golf resort in the south of Portugal. None of us played golf — we couldn’t even afford golf clubs. My dad worked as a construction painter, and during the summer, his boss would lend us a house in the resort for free. While he worked, my mom and teenage sisters hung out by the pool. As for me, I had this massive playground all to myself. I rode my bike through the neat streets and played on the swings while the other kids were having dinner with their families. The whole place felt strange to me — with its fancy golf courses, artificial lakes, and perfectly aligned houses. It was a realm of modernity in my eyes, a stark contrast to my rural village. I also enjoyed watching people play golf — a sport I found boring otherwise. It felt even weirder seeing kids my age playing it. Sometimes I’d imagine myself as one of them, playing with their dad. Other times I’d picture myself as the cool dad teaching my own kids how to play it. I couldn’t decide which role I liked better. Hidden in a corner of the golf course, there was an unused water hazard filled with murky water. It was the only messy part of the resort, and for some reason, I was drawn to it. Some workers were trying to turn it into something beautiful, but I never saw the final result. Kids weren’t allowed near it, but I couldn’t resist sneaking over. In my imagination, I’d picture myself as a grown-up building the water hazard.
Years later, I met a kid who was going through a gender transition. Their parents were fully supportive — it wasn’t a dramatic story. That stayed with me. The media so often portrays trans characters through a lens of suffering or victimhood, but maybe we should tell more stories that celebrate trans lives. My own childhood memories of projecting myself into other roles and that kid’s future projections kind of blended together — and that gave shape to the screenplay.
You perfectly capture that mood of a summer as an adolescent. What was visually important to you?
Summer vacation is always a time — for kids and even for adults — to be lazy, to reflect, and to somehow restructure yourself. There’s something about those memories that sticks with you. They become crystallized, almost like dream-images. The idea was always to stay close to the kid’s perspective, as they are creating their own fiction. So the adults’ faces were always cut off — they don’t really mean anything to the protagonist (like in „Peanuts“, the cartoon). But in a way, the protagonist also projects themselves onto the image of those adults
Where did you shoot and how many shooting days did you have?
We spent months searching for golf resorts in the Algarve, in southern Portugal — but everything was absurdly expensive, and our shoot dates were getting dangerously close. One day, the art director mentioned a golf course near Lisbon (where we live!) that was partly abandoned, with half of it no longer in use, which actually worked in our favor. We managed to get a decent deal and decided that would be our location. Then came another tricky part — we needed a house next to the golf course. So we literally went door to door, ringing every bell in the area, hoping someone would let us use theirs. Eventually, we met a very rich man who got excited about the idea and said yes. We were relieved — but about two weeks before the shoot, he sent us an email with a hefty price for renting the house. We had no choice at that point. What can I say… sometimes the richer they are, the stingier they get. I was shooting for 10 days.
The roles are very well cast – how did you find your actors?
Ana, the giggly sister, was actually written with my niece in mind — so that role was hers from the start.
Initially, we were looking for a trans or non-binary kid for the lead. I thought it could be a cool opportunity for a new actor, especially in Portugal, where there’s still such a lack of diversity and real opportunities. But it was tough. My casting director and I contacted associations, schools, everyone we could think of… but it felt like no one was really interested. Eventually, we had a meeting with AMPLOS — the association of parents of trans kids — and they gave us an important perspective. They said that maybe it was still too early for a child to take on a role like this, because it could expose too much of themselves. And they were right. So, we opened up the casting to girls between 9 and 12 years old — and that’s when we met Ada. She completely took us by surprise. So much talent.
For the role of the adult at the lake, we did an open call on social media. We met a lot of people, but when I met Vicente Paredes, I was genuinely moved. We did a Zoom call with him and Ada, and the chemistry was immediate — it just clicked. That was it. Many of the people who auditioned for that role also appear in the short — in other parts. All the adult characters in the film are played by trans or trans non-binary actors. That was important to us. Although they have small parts, we were determined to amplify their visibility within the Portuguese film landscape, which has historically struggled with diversity.
Can you tell me a bit more about yourself and how you came to filmmaking?
I always wanted to be a filmmaker, but I had no idea how to start — or even practice — especially growing up in a small village where that just didn’t feel like an option. When I finished high school, I had no clue what to do next. My mum suggested I study Theatre. I had done a play once as a teenager, and apparently, she saw something in me. That led me to start my career as a film actor. So, in a way, I learned filmmaking by observing others on set.
Are there any new projects planned?
I’ve been working with Ada again, along with another young actor, on a new short film where a group of kids are staging a play based on a Bible story. I’m waiting for funding to move forward. I’m also finishing a screenplay for a feature film — this time with adult characters.
Questions asked by Doreen Kaltenecker
Read on the german review of the short film „Water Hazard„
