- Acht Fragen an Idir Serghine - 16. April 2026
- „Oni“ (2025) - 16. April 2026
- Kinostarts 16.04.2026 - 15. April 2026
Interview: Im Gespräch mit dem kanadischen Regisseur Rémi St-Michel konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Zoé“ erfahren, der auf dem 25. Landshuter Kurzfilmfestival 2025 den Deadline Award gewinnen konnte, wie er zu dieser ungewöhnlichen Zombie-Geschichte kam und worauf er bei der Inszenierung und Besetzung Wert gelegt hat.
The original english language interview is also available.
Wie ist Die Idee zu Deinem Kurzfilm entstanden?
Ein Produzent bot mir die Gelegenheit, über eine Idee für einen Zombie-Kurzfilm nachzudenken. Es war kein Genre, von dem ich dachte, dass ich es jemals erkunden würde, aber ich war daran interessiert, es zu probieren. Mir war sofort klar, dass ich eine Zombie-Figur in den Mittelpunkt stellen und sie eher als Opfer denn als Monster darstellen wollte.
Dein Zombie unterscheidet sich von vielen anderen Darstellungen – Warum hat Dein Zombie Gefühle und gibt es trotzdem filmische Vorbilder, an denen Du Dich orientierst?
Das ist also der Hauptgrund, warum Zoe Gefühle haben muss, wenn ich möchte, dass das Publikum mit ihr mitfiebert und sogar mit ihr mitleidet. Eine meiner Hauptinspirationen für die Dynamik der Figuren war der Film „Raum“ von Lenny Abrahamson.
Visuell ist der Film sehr spannend – wählt Dein Film doch oft die Perspektive des Zombies. Kannst Du mir zum visuellen Konzept erzählen?
Auch hier war die Perspektive des Zombies für mich sowohl eine formale Erkundung als auch eine Möglichkeit, Sympathie für diese normalerweise verhasste Kreatur zu erzeugen. Wir haben nicht nur versucht, die Perspektive einzunehmen, sondern auch das nachzubilden, was wir uns unter der sensorischen Erfahrung eines Zombies vorstellen. Das Konzept der Verzerrung und des Tunnelblicks leitete uns dabei, eine gebrochene und veränderte Version der Realität darzustellen.
Das Sounddesign trägt viel zum Film bei. Worauf hast Du dabei Dein Augenmerk gelegt?
Der Ton wurde mit der gleichen Einstellung und wahrscheinlich auf noch extremere und effizientere Weise erstellt. Es ist vielleicht interessant zu wissen, dass am Drehort überhaupt kein Ton aufgenommen wurde und dass mein Sounddesigner Samuel Gagnon Thibodeau und ich ihn erst im Nachhinein im Studio nachgebaut haben. Wir wollten uns mit einer realistischen Darstellung dazu zwingen, Distanz zu wahren und etwas zu schaffen, das die Härte des Zustands nachahmt.
Wie hast Du Deine Besetzung gefunden?
Für die Rolle der Zoe haben wir einen Casting-Aufruf gestartet und eine ganze Reihe von Bewerberinnen erhalten. Ich wählte dann etwa ein Dutzend für ein sehr ungewöhnliches Vorsprechen aus, bei dem wir sie baten, auf nur einem Bein zu knurren, zu fallen und sich zu bewegen…. Nisha war auf Anhieb die Richtige für mich! Sie hatte diese unglaubliche Fähigkeit, all das zu tun, ohne dabei cartoonhaft zu wirken, und sie konnte gleichzeitig diese Wut und Zärtlichkeit zeigen. Ohne sie hätte der Film nicht funktioniert.
Ich finde diesen Ausgangspunkt für einen Zombiefilm sehr interessant – könntest Du Dir vorstellen, daraus noch mehr zu machen?
Ich frage mich, ob dieser Ansatz in einem Spielfilm interessant bleiben könnte. Ich fürchte, es könnte nach einer Weile ermüdend werden. Aber ich schließe nicht aus, dass ich es eines Tages ausprobieren könnte.
Kannst Du mir kurz noch etwas mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?
Ich habe Film studiert und etwas mehr als 20 Jahre lang Theater gespielt, aber seit 2013 mache ich aktiv und professionell Filme, nachdem ich an die Universität für Film in Montreal zurückgekehrt war. Ich glaube, ich liebe es einfach, diese imaginären Welten und Figuren zu erschaffen und ganz in ein Projekt einzutauchen.
Sind bereits neue Projekte geplant?
Ich stehe kurz vor den Dreharbeiten zu meinem zweiten Spielfilm, der lose auf einer wahren Geschichte über Bankräuber in dem Vorort basiert, in dem ich aufgewachsen bin. Er heißt „Fake Guns“.
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Zoé“
Interview: In our conversation with Canadian director Rémi St-Michel, we were able to find out more about his short film „Zoé„, which won the Deadline Award at the 25th Landshut Short Film Festival 2025, how he came up with this unusual zombie story and what was important to him when staging and casting it.
How did The idea for your short film come about?
The opportunity came to me from a producer to think about a zombie short film idea. It was not a genre I thought I would ever explore but I was interested in giving it a shot. Almost immediately, it was clear to me that I wanted to put the focus on a zombie character and explore it more as a victim than a monster.
Your zombie is different from many other portrayals – why does your zombie have feelings and are there any cinematic role models that you take inspiration from?
So that is the main reason why Zoe must have feelings if I wanted the audience to care and even root for her. One of my main inspirations for the characters dynamic was the movie Room directed by Lenny Abrahamson.
Visually, the film is very exciting – your film often chooses the perspective of the zombie. Can you tell me about the visual approach?
Again, the perspective of the zombie’s point of view for me was both a formal exploration and a way to generate sympathy for this usually hated creature. We tried not only to have the perspective but also to recreate what we imagined the sensorial experience of a zombie would be. The concept of distortion and tunnel vision guided us to represent a fractured and altered version of reality.
The sound design contributes a lot to the movie. What did you focus on here?
The sound was created with the same mindset and probably in an even more extreme and efficient way. It might be interesting to note that no sound at all was recorded on set and that my sound designer Samuel Gagnon Thibodeau and I have recreated it in the studio only afterward. The wish here was to force ourselves to keep a distance with a realistic depiction and create something that would emulate the hardship of the condition.
How did you find your cast?
For the role of Zoe we proceeded with a casting call and received quite a few candidats. I then chose maybe a dozen for a very unusual audition where we asked them to growl, fall and move on just one leg…. Nisha was instantly the one for me! She had this incredible ability to do all that without being cartoonish and she was able to have this anger and tenderness at the same time. Without her, the film would have never worked.
I find this starting point for a zombie movie very interesting – could you imagine doing more with it?
I wonder if this approach could remain interesting in a feature film. I am afraid it might become tiring after a while. But I am not excluding the possibility of exploring it someday.
Can you tell me a bit more about yourself and how you came to filmmaking?
I studied in cinema and did some theatre for a bit more than 20 years now but I have been actively and professionally doing films since 2013 after I had returned to university for film in Montreal. I think I just love to create those imaginary worlds and characters and dive into a project completely.
Are there any new projects planned?
I am about to shoot my second feature film that is loosely based on a true story of bank robbers in the suburb where I grew up. It is called Fake Guns.
Questions asked by Doreen Kaltenecker
Read on the german review of the short film „Zoé„



