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Interview: Im Gespräch mit der Regisseurin und Animationskünstlerin Sofija Živković konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „Do Something“ erfahren, der auf dem 37. Filmfest Dresden 2025 gleich zwei Preise – Goldener Reiter Animationsfilm und Goldener Reiter des Publikums – gewinnen konnte, erfahren. Sie erzählt von der eigenen Motivationslosigkeit, welche Künstler ihren Stil beeinflussen und wie sie den Animations-Kurzfilm als Zweijahresfilm mit einer rechten großen Crew und vielen Sprecher:innen umgesetzt haben.
Wie ist die Idee zu Deinem Kurzfilm entstanden?
Aus der Situation, dass ich mich in einer Phase befand, in der ich jeden Tag energielos aufwachte und mich von Zimmer zu Zimmer geschliffen habe. Aufstehen hat sich unmöglich angefühlt und ich fragte mich aber währenddessen, was für ein Chaos gerade wohl in meinem Inneren geschehen muss. Ich scribbelte eine grobe Idee runter, in der eine Person versucht, ein Glas Wasser zu erreichen und es immer wieder Schnitte zu ihren Organen gibt, die überzogen nach Hilfe jammern. Erst nach ein paar Brainstorm-Sessions kam dann der Gedanke, den Organen mehr Aufmerksamkeit zu schenken und den Fokus wirklich auf das Innere zu legen.
Der Film ist ein Uni-Film, richtig? Wie viel Zeit hattest Du und wie groß war Dein Team?
Genau! Es handelt sich um meinen Zweitjahresfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg. Wir hatten vom September 2023 bis zum Juli 2024 Zeit, also fast ein ganzes Jahr. Das Kernteam bestand aus meiner Produzentin Cosi Gerrish, meinem Filmmusiker Jurij Espenschied, meinem Sounddesigner Florian Heidecker und mir. Mit den 17 Sprechrollen zusammen haben insgesamt 29 Leute bei dem Film mitgearbeitet! Wir waren 6 Animator*innen und haben zu viert die Hintergründe gezeichnet.
Es war schon ein relativ großes Team für einen Zweitjahres-Animationsfilm und ich bin jeder einzelnen Person unglaublich dankbar für ihre Hilfe! Ohne sie wäre das unmöglich gewesen.
Ich liebe Deine Animationen, was war Dir für den Look wichtig?
Beim generellen Look war mir wichtig, dass das Innere des Körpers verspielt und farbig bleibt. Ich wollte eine Parallele zum Kosmischen haben und nicht versuchen, realistisch zu bleiben. Die einzelnen Organe haben alle leicht unterschiedliche Stile, sowohl von den Hint
ergründen, den Farben als auch von den Animationen her. Bei der Animation war mir das subtile Schauspiel wichtig, die Mimik der Charaktere und kleine Eigenheiten herauszuheben, die die einzelnen Figuren in ihrer Gestik haben.
Geholfen hat es, dass ich die einzelnen Organe an verschiedene Animator*innen verteilt habe. Marius Lübke hat das Herz animiert, Paul Kley die Nieren, Anh Tú Nguyen die Leber und ich die Blutzelle(n), die Lunge, das Gehirn und die Außenwelt.
Gibt es künstlerische Vorbilder, an denen Du Dich orientierst?
Visuell waren die Hinterglasmalereien von Gerhard Richter eine Inspiration für die Hintergründe.
Was das Storytelling und den Humor angeht, wurde ich definitiv von Shows wie „South Park“, „Bojack Horseman“, „Rick and Morty“ inspiriert.
Einige ‚„Adult Swim“-Produktionen [US-amerikanischer Fernsehsender der vor allem Zeichentrick- und Puppentrickfilme zeigt, die sich an erwachsenes Publikum richten] haben mich schon einige Jahre sowohl visuell als auch dramaturgisch beeinflusst. Ebenfalls haben mich die Dialoge in den Filmen von Richard Linklater sehr gerührt.
Auch die Sprecher:innen tragen viel zum Gelingen bei – wie hast Du diese ausgewählt?
Tatsächlich waren fast alle Freunde von mir (und Freunde und Geschwister von Freunden) die zufällig auch super talentiert im Voice Acting sind! Wir hatten einen Casting Call für manche Organe, bei anderen hatten wir aber auch schon eine relativ klare Vorstellung wen ich gerne fragen wollte und glücklicherweise stimmten die Sprecher*innen zu und es passte einfach super!
Kannst Du mir noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum (Animations-)Film gekommen bist?
Ich habe lustigerweise schon mit sechs Jahren einen 4-minütigen Animationsfilm über eine Ente zu einem Radiohead-Song gemacht. Mein Vater ist unter anderem Illustrator und hatte damals schon ein Zeichentablet, auf dem ich animieren konnte. Ich verlor Animation während der Schulzeit wieder aus dem Auge, habe aber nach meinem Abitur 2020 angefangen, mehr zu zeichnen und schließlich auch zu animieren.
Welches Projekt steht als Nächstes an?
Nach „Do Something“ habe ich vor ein paar Monaten „blargh“ fertiggestellt, einen Animationsfilm, den ich während meines Austauschsemesters an der SVA in New York City gemacht habe. Gerade werte ich den Film aus und schicke ihn an Festivals! Ich arbeite aber parallel an einem Piloten für ein Serienkonzept, ebenfalls Animation. :-)
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Do Something“
