„Der Phönizische Meisterstreich“ (2025)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: „Der phönizische Meisterstreich“ (OT: „The Phoenician Scheme“, USA/Deutschland, 2025) ist der neueste Spielfilm des amerikanischen Regisseurs Wes Anderson. Er bleibt seinem Stil, seiner Art zu erzählen und den Film mit vielen bekannten Gesichtern zu besetzen, treu, reduziert aber die Geschichten auf ein ungewohntes Minimum. 

Der Unternehmer und Waffenhändler Anatole „Zsa-Zsa“ Korda (Benicio del Toro) schafft es immer wieder, Anschläge zu überleben. Doch nach dem letzten Angriff beschließt er, dass er sein Erbe weitergeben muss. Dafür holt er die angehende Nonne Liesl (Mia Threapleton), seine Tochter, um die er sich nie bemüht hat, zu sich und bietet ihr sein Erbe an. Er gibt ihr Bedenkzeit, während er seinen Meisterstreich – ein groß angelegtes Projekt um sein Kapital zu mehren – retten muss, da die Regierung, vertreten durch Excalibur (Rupert Friend), ihn zu sabotieren versucht. Zusammen mit dem Erzieher und Biologen Björn (Michael Cera) machen sie sich auf die Reise, um alle Geldgeber aufzusuchen und den Erfolg des Projekts sicherzustellen.

Benicio Del Toro, Mia Threapleton und Michael Cera

Der mittlerweile zwölfte Spielfilm von Wes Anderson, bei dem er Regie geführt hat und auch das Drehbuch dazu geschrieben hat, erzählt eine sehr konzentrierte, verdichtete Geschichte. Während sich die Vorgänger-Filme „The French Dispatch“ (2021) und „Asteroid City“ (2023) eher in viele kleine Geschichten aufteilen, ist „Der Phönizische Meisterstreich“ stark fokussiert. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen der titelgebende Meisterstreich – ein groß angelegtes Kapitalinvestment – und das Vater-Tochter-Verhältnis. Alle kleineren Nebenstränge und Ortswechsel stehen in direktem Bezug zu der Hauptgeschichte. Auch die schwarz-weißen Träume, die immer wieder nach den Attentaten auftreten, fügen sich in die Hauptstory mit ein. Diese Konzentriertheit hat ihre Stärke, da man so den Figuren mehr Raum und Zeit zur Entwicklung gibt. Aber sie besitzt auch eine gewisse Schwäche, da dies die einzige Handlung bleibt. Hat man also keine Neigung zu Gangster-Coup-Geschichten, bleibt die Verbindung leider aus. Inspiriert wurde Wes Andersons übrigens von seinem eigenen Schwiegervater, der als Ingenieur und Unternehmer seine Projekte auch in Schuhschachteln lagerte und seiner Tochter das Imperium vermachen wollte. Leider erschwert auch die etwas störrische Tochter-Vater-Beziehung den Zugang zu der Geschichte, da die Beweggründe über die Annäherung zwar deutlich, aber nicht spürbar werden. Wunderbar ist dagegen die Rolle des Biologen und Doppelagenten Björn, der schnell Teil dieser seltsamen Familie wird. 

Benicio Del Toro und Mia Threapleton

Der Look und die Wahl der Darsteller:innen waren schon immer ein wichtiger Faktor im Wes-Anderson-Kosmos. Aber hier muss nochmal erwähnt werden, dass, egal wie durchgestylt die Inszenierung ist, sie doch nie nur Selbstzweck war. Im Zentrum stehen immer die Figuren, ihr Miteinander und die tiefer liegenden Gefühle. Das Gewand, in das dieser Film gekleidet ist, wird von starken Erdfarben geprägt und erinnert stark an die Netflix-Kurzfilme-Reihe Andersons mit Filmen wie „Gift“ (2023) und „Ich sehe was, was du nicht siehst (2023). Man findet dabei in diesem Film alle liebgewonnenen Kameraaufnahmen – wie die Fahrt der Kamera von links nach rechts, dramatische Zooms und statische Bildarrangements, aber man sieht hier auch eine perfekt gemachte Plansequenz während des Vorspanns. Auch der gekonnte Einsatz von Formen und Mustern fällt hier auf. In der Besetzung treffen wir auf viele bekannte Gesichter, wenn auch nur in Kleinstrollen. In den drei Hauptrollen sieht man zum einen die Neuen im Wes-Anderson-Kosmos: Mia Threapleton („Die Gärtnerin von Versaille“ (2014)) und Michael Cera sowie Benicio Del Toro, der von Anfang an als feste Größe für das Projekt eingeplant war. Die Musik stammt auch dieses Mal wieder von Alexandre Desplat, untermalt den Film wieder stimmungsvoll und gibt oft auch einen gewissen Rhythmus vor. 

Michael Cera, Benicio Del Toro und Mia Threapleton

Fazit: „Der Phönizische Meisterstreich“ ist Wes Andersons zwölfter Spielfilm und bleibt sich stilistisch treu. Obwohl hier auch weiterhin gilt, dass der Stil nicht über alles geht. Der Film ist in seiner Erzählhandlung eingedampfter als die vorhergehenden und spricht dann vor allem Freunde von Gangster-Geschichten an. Hervorragend besetzt und toll inszeniert ist der Spielfilm – nicht nur für Fans des  Regisseurs – eine Sichtung wert. 

Bewertung: 7/10

Kinostart: 29. Mai 2025
Streaming: Bisher kein Anbieter

Trailer zum Film „Der Phönizische Meisterstreich“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

  • Wikipedia-Artikel über den Film „Der phönizische Meisterstreich“ 
  • Anke Sternborg: Zum Filmstart von „Der phönizische Meisterstreich“, in Podcast: RBB Radio 3, Film aktuell, 28.05.2025.
  • The Phoencian Scheme, in Podcast: Pop Culture Happy Hour, 09.06.2025.
  • Episode #405: ‚The Phoenician Scheme‘ with Matt Zoller Seitz, in Podcast: Maximum Film!, 06.06..2025.
  • Der phönizische Meisterstreich / Viele Stars, noch mehr Symmetrie, in Podcast: Der Tele-Stammtisch – Der Film- und Serienpodcast, 27.05.2025.
  • Tina Kakedelis: The Phoenician Scheme, in Podcast: Movies with My Dad, 19.05.2025.
  • Pamela Jahn: Für alle Fälle Liesl, in: Ray Filmmagazin, Ausgabe 06/25, S.8-14.
  • Jannek Suhr: Der phönizische Meisterstreich, in: EPD Film, Ausgabe 6/25, S.42-43.

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