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Filmkritik: Der estnische Kurzfilm „Room Numbers“ von Silvia Lorenzi, der im ‚Wettbewerb Kurzfilm‘ des 35. Filmfestival Cottbus 2025 seine Weltpremiere feierte, erzählt in kurzen Episoden von Menschen, die in einer Nacht in einem Hotel ein Zimmer reserviert haben.
Unter der strengen Aufsicht von Astrid (Elina Reinold), die mit ihrem an dem Rollstuhl gefesselten Sohn Marko (Karl Laumets) auch in einem der Zimmer wohnt, verbringen die Menschen die Tage und Nächte in einem kleinen Hotel. Hier treffen sich Elena (Serena Osma) und ihr Liebhaber Alex (Hendrik Toompere Jr.) zum heimlichen Stelldichein und ihr Nachbar Aivar (Kaspar Velberg) lebt seine Leidenschaft für Frauenkleidung im Verborgenen aus. Auch Jey Jin (Luke Amiraslanova) ist schon eine Weile hier und vermisst doch vor allem ihre Heimat.
Basierend auf der neugierigen Frage, was wohl hinter den anderen verschlossenen Hoteltüren passiert, entstand das Drehbuch aus der Hand von Silvia Lorenzi, die auch Regie führte. In unter 20 Minuten greift der Film vier verschiedene Geschichten auf und eröffnet damit einen kleinen Kosmos. So unterschiedlich die Gäste sind, so unterschiedlich sind auch ihre Geschichten. Dabei hat sie sich auf düstere Themen konzentriert: Wir erleben hier Menschen, die etwas verstecken müssen – sei es eine Vorliebe oder eine Affäre, und Menschen, die an ihrer Einsamkeit zu zerbrechen drohen, aber unfähig scheinen ihr Schicksal zu
ändern. So spielen sich die Geschichten direkt durch Begegnungen, aber vor allem thematisch indirekt immer die Bälle zu, so dass ein einfühlsamer, aber auch spannender Kurzfilm entstand, der sich der menschlichen Natur annimmt und Fragen nach Beziehungen, Einsamkeit und dem Menschen als Teil der Gesellschaft stellt. Inszeniert ist das alles stimmungsvoll als Hotel-Kammerspiel mit verschieden eingerichteten Räumen, die jeweils auch ein Spiegel ihrer Bewohner:innen sind. Dabei legte der Film Wert auf Realismus und einen natürlichen wirkenden Lichteinsatz. Die Musik schmiegt sich an seine Geschichte an, die ebenso getragen wird von einer Vielzahl gut ausgewählter Darsteller:innen.
Fazit: „Room Number“ ist ein Kurzfilm von Silvia Lorenzi, der mehrere Geschichten von Gästen in einem Hotel erzählt. Dabei schafft es die Regisseurin mit einem hohen Maß an Authentizität und einer stimmigen Inszenierung, die verschiedenen Geschichten von Einsamkeit, Traurigkeit und Sich-Verstecken-Müssen in einem Film zu vereinen.
Bewertung: 4/5
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- 35. Filmfestival Cottbus 2025 – Katalog (Programm ‚Lange nacht des Kurzen Films‘)
- Doreen Kaltenecker, ‚Acht Fragen an Silvia Lorenzi‘, testkammer.com, 2025
- Homeless Bob, ‚Silvia Lorenzi’s short film “Room Number” premieres at FilmFestival Cottbus and PÖFF Shorts‘, homelessbob.ee, 2025
