„Blue Moon“ (2025)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der amerikanische Spielfilm „Blue Moon“ von Richard Linklater ist ein ungewöhnliches Biopic über den Musicalautor Lorenz Hart, das sich auf einen Abend und einen Ort konzentriert und dem Frühverstorbenen und seiner Arbeit ein kleines Denkmal setzt.

Gerade war Lorenz Hart (Ethan Hawke) noch bei der Premiere des Musicals „Oklahoma!“ von seinem ehemaligen Partner Richard Rogers (Andrew Scott) und dessen neuem Partner Oscar Hammerstein (Simon Delaney). Frustriert und sich verstoßen fühlend, bricht er die Premiere ab und lässt sich in der Bar nieder. Dort trifft er auf den ihm vertrauten Barkeeper Eddie (Bobby Cannavale) und weiteren Gästen sowie einen Pianospieler, die alle das Ende der Premiere abwarten. In der Zwischenzeit  lässt Lorenz sich zu vielen Gedanken und Ausschweifungen hinreißen und als dann noch die von ihm angebetete Elizabeth (Margaret Qualley) in der Bar erscheint, scheint alles hier zusammenzukommen. 

Andrew Scott und Ethan Hawke

Der Musicalschreiber Lorenz Hart (1895-1943), der in seiner Zusammenarbeit mit Richard Rodgers (1902-1979) Berühmtheit erlangte und Songs wie „My Funny Valentine“ (1937) und „Blue Moon“ (1934) schrieb, ist eine Broadway-Berühmtheit, die heutzutage nicht allzu bekannt ist. Zwar sind seine Musicals und Songs ins popkulturelle Gedächtnis eingebrannt, aber über die Person dahinter wissen vermutlich nur Musicalfans Bescheid. Der amerikanische Regisseur Richard Linklater, der sich mit der „Before“-Trilogie (1995-2013) und „Boyhood“ (2014) einen Namen gemacht hat, erzählt, nach einem Drehbuch von Robert Kaplow („Ich & Orson Welles“) von dem letzten Tag in Lorenz Harts Leben, der im Film mit der Premiere des Musicals „Oklahoma!“ zusammenfällt. In den Gesprächen mit dem Barkeeper und den Gästen erfährt man mehr von seinem Leben, vor allem seiner Arbeit und der Partnerschaft mit Rogers, die in die Brüche gegangen ist. Alles ist eingefärbt durch den von Melancholie getrübten Blick des Künstlers. Hier spricht ein Mann, der zwar das Gute sehen kann, aber frustriert ist und sich nicht geliebt fühlt. Der Alkohol (und dessen massiver Konsum) fängt ihn auf. So hören wir auch jemandem zu, der sich der Sucht hingeben hat und seine langen Monologe und die Unfähigkeit, auch eigene Fehler einsehen zu können, vermitteln nebenbei einen Eindruck, warum die Zusammenarbeit der ehemaligen Partner womöglich gescheitert sein könnte.

Ethan Hawke

Richard Linklater erzählt das Ganze als verdichtetes Kammerspiel. Die meiste Zeit verlassen Lorenz Hart und mit ihm das Publikum die Bar nicht. Wie auf einer Bühne treten Figuren auf und verlassen die Szene wieder. Im Zentrum steht ein phänomenaler Ethan Hawke, der die Monologe, das Nachsinnen und das Bedauern des kleinen Mannes, was in mehreren Szenen zu sehen ist, mit so viel gelebten Leben und auch einer gewissen ironischen Distanzierung spielt. Bobby Cannavale verleiht der Barkeeper Figur Charisma, betrachtet Hart mitfühlend und gibt ihm Stichworte für dessen Monologe. Trotz der Auftritte von Margaret Qualley („Honey don’t“) und Andrew Scott (Serie „Sherlock“) ist der Film eine One-Man-Show von Ethan Hawke, der hier beweist, wie vielfältig seine Schauspielkunst ist und verkörpert mit enormen Verve und auch auch etwas Unsympathischem den Künstler und Alkoholsüchtigen Hart. Kein Wunder, dass der Film bei den 97. Oscars 2026 neben der Nominierung für das beste Originaldrehbuch auch  Ethan Hawke für den ‚Besten Hauptdarsteller‘ nominiert wurde. Hinzu kommen ein tadelloser Musikeinsatz, natürlich auch mit dem titelgebenden Stück „Blue Moon“, sowie ein ansprechendes Setting mit warmen Farben und einem etwas verträumten Blick zurück in die Zeit und den Stil der 40er Jahre.

Margaret Qualley und Ethan Hawke

Fazit: „Blue Moon“ ist ein Biopic über den Musicalschreiber Lorenz Hart. Der Regisseur Richard Linklater konzentriert sich dabei in seinem Kammerspiel auf einen Abend und fängt die reale Persönlichkeit vor allem durch ausführliche Mono- und Dialoge ein. Abgerundet wird das Ganze von einer stimmigen Atmosphäre, vielen bekannten Gesichtern und dem warmen Glanz der 40er Jahre.

Bewertung: 3/5

Kinostart: 26. März 2026

Trailer zum Film „Blue Moon“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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